Geputzte Mädchen , lockre Bursche schlüpften über den Koth . Hackert folgte und durchraste die Nacht bis zum Morgen . Als er hohläugig , gliedermatt nach Hause wankte , schlug es fünf Uhr . Er warf sich auf sein Lager , schlief bis gegen elf Uhr , ungestört von der lebhaften Frequenz in Herrn Zipfels » Atelier « . Erst nach elf Uhr pochte Frau Zipfel den Nachtschwärmer aus dem Schlafe . Herr Hackert ! Herr Hackert ! rief ' s durch ' s Schlüsselloch . Zum Henker , lassen Sie mich schlafen ! Es ist zu wichtig ! Stehen Sie auf ! Hackert entschloß sich , nach langem Bitten aufzustehen ; er schlorrte an die Thür , um sie zu öffnen . Wie staunte er , als er einen feingallonirten Bedienten mit reichen Achselschnüren und Wappenknöpfen vor sich sah , der ihm ein Billet überreichte mit den Worten : Von Madame Ludmer . Madame Ludmer ! Wer ist Madame Ludmer ? Sie irren sich ! Herr Privatschreiber Hackert ? bemerkte der Bediente , in dem wir den Bedienten Ernst der Frau Geheimräthin von Harder erkennen . Mein Name Das ! Ob ich Privatschreiber bin , muß ich den Wohnungsanzeiger befragen . Mit diesen Worten nahm Hackert und erbrach das an ihn gerichtete Billet , in dem er folgende Zeilen fand : » Mein sehr geehrter Herr , der Herr Oberkommissair Pax haben für die Zeit seiner längern Abwesenheit von hier die Frau Geheimräthin von Harder versichert , daß Sie sein ganzes Vertrauen besitzen und sich jedem Ihnen gegebenen Auftrage so unterziehen würden , als wenn sie ihn selbst gegeben . Haben Sie die Güte , zum Behuf einer kleinen Kommission sich heute Abend etwa um sieben Uhr im Hause der Frau Geheimräthin von Harder einzufinden und nach der Unterzeichneten zu fragen , die sich ein Vergnügen daraus machen wird , Ihnen das Nähere in dieser Angelegenheit auseinanderzusetzen . Ihre ergebenste Charlotte Ludmer . « Die Alte hatte diesen Brief sicher nicht ohne Hülfe der Verfasserin von Amarantha und Nadasdi geschrieben ... Befremdet nickte Hackert , daß er kommen würde . Der Bediente ging und weidete sich an dem Wohlgefallen , mit dem Frau Zipfel seine reiche Livree bewunderte . Hackert , den die Aussicht , mit Menschen zusammenzukommen , die in so naher Beziehung zu Melanien standen , in große Spannung versetzte , zog sich fast bewußtlos , wüthend jetzt über die verlorene Nacht , an . Wie hätte er jetzt frisch , lebendig , geweckt sein mögen ! Die Aussicht für den Abend elektrisirte ihn . Er nahm sich vor , schwarzen Kaffee so stark zu trinken , wie er ihm bei Schlurck gemacht wurde , wenn er des Nachts aufbleiben und bei wichtigen Revisionen bis in den frühen Morgen arbeiten sollte ... Das Billet der Madame Ludmer führt uns in die lange nicht betretene Salonsphäre zurück ... Pauline von Harder erlebte bereits seit länger als vier Wochen das Glück , nach dem sie so lange wie nach einer schon zu entschwindenden drohenden Hoffnung geschmachtet hatte . Ihre Cirkel , glänzender denn je , waren fast jeden Abend wieder geöffnet und der Mittelpunkt der tonangebenden , nun sogar die Welt bewegenden Gesellschaft . Sie war nicht in die » kleinen Cirkel « gedrungen , aber die » kleinen Cirkel « mußten sich vor ihr beugen . Ha , sie hatte die Achse der Welt am Drehgriff ! Sie hatte eine Zeitschrift begründet , die man das deutsche Journal des Débats nannte . Sie hatte sich die ganze höhere geistige Agitation zur Verfügung gestellt und beherrschte die öffentliche Meinung um so nachdrücklicher , als sich der in bewunderungswürdigem Fluge emporgestiegene junge Adler , Fürst Egon von Hohenberg , auffallend genug nur bei ihr ausruhte , nur bei ihr die Schwingen senkte , nur bei der Feindin seiner Mutter Frieden und Erholung von seinen kühnen Flügen zu finden schien . Man wollte das Geheimniß dieser sonderbaren » Allianz « oder dieses warmen Nestchens , wie Pauline sagte , in mancherlei Dingen finden , konnte aber nichts mit völliger Gewißheit als Beweis seiner Behauptungen anführen . Die Einen sagten : Es wäre die alte Erfahrung von der Anziehungskraft der Gegensätze , während Andre ganz einfach das einflußreiche Organ der Geheimräthin , » Das Jahrhundert « , als den Wegweiser bezeichneten , der den jungen Numa zu dieser schon bejahrten Egeria führte . Man spürte in der Amarantha und dem Nadasdi , den beiden von Frau von Harder herausgegebenen Romanen , ob sich in ihnen politische Blicke fänden und gerade weil sich deren keine entdecken ließen , stieg der Glaube an die politische Sehergabe dieser jedenfalls bedeutenden Frau um so höher . Eine noch menschlichere und jedenfalls physiologischere Auffassung der » Allianz « zwischen Pauline und Egon lag darin , daß man an Paulinen eine große Uneigennützigkeit in Betreff ihrer weiblichen Umgebungen rühmte . Sie war immer von den schönsten Erscheinungen der Mädchen- und Frauenwelt umringt . Man fand darin einen gewissen Zug von Hochherzigkeit ; denn nichts ist in dieser Sphäre seltner als die Neigung , sich zur Folie fremder Anmuth zu machen . Allgemein erklärte man einen Bruch zwischen Frau von Trompetta und der Geheimräthin daher , daß jene nicht so sehr an den geänderten politischen Ansichten ihrer Freundin Anstoß nahm - war sie doch vollends seit dem vom Hofe nicht angekauften Gethsemane in die Opposition gegangen und wirkte mit Trotz für die deutsche Flotte - sondern aus der der kleinen runden , gar nicht anspruchslosen Frau fatalen Zumuthung , sich mit einer Menge junger hübscher Mädchen und Frauen in einem und demselben Salon bewegen zu sollen . Von Pauline von Harder war bekannt , daß sie nur noch eine elegante , phantastische Toilette liebte , mit Heinrichson , dem nach Verkauf seiner Leda nach Rom verschollenen Maler , gleichsam die Grenzlinie ihrer Herzenswallfahrt bezeichnete und jetzt nur noch den Gedanken , den Systemen , den Begebenheiten lebte . Sie gefiel sich , das entdeckten sogar die Spötter schon ,