Habt ja da noch einen ganzen Bettel ! Wieviel Nummern sind das ? Dreißig Stück . Das Stück einen Groschen ? sagte Hackert . Da habt Ihr Eure ganze Auflage bezahlt . Nehmt ! Er gab den staunenden Kindern einen Papierthaler . Ei , sagten sie , so kommen wir noch zum Punsch nach Hause . Zum Punsch ? Wetter , wird bei Euch Punsch getrunken ? Louise macht Punsch - Karl kommt nach Sieben aus der Fabrik ... Gehen Sie mit in die Brandgasse , Herr Hackert ? Wie kommt Ihr denn zu Punsch ? Hat Danebrand Geld vom Meere bekommen ? Nein , sagte Linchen , die viel rascher antwortete als der ältere Wilhelm , der noch immer den Papierthaler staunend betrachtete , Danebrand soll ' s nicht wissen , aber es gibt Kuchen zu Punsch ... Der fremde Herr brachte Citronen und Zucker und Rum - schon gestern - gestern wollte Louise nicht - Der fremde Herr ? sagte Hackert erstaunt und mit dem bittersten Ausdruck . Ein fremder Herr ? Citronen und Zucker und Rum ? Und Danebrand darf ' s nicht wissen ... Ha ! Ha ! Die Kinder erschraken über dies grelle Lachen . Line wurde roth , weil sie Etwas , was ihr nicht im Mindesten spöttisch schien , unrecht berichtet zu haben glaubte . Was du nur so dumm bist , fiel Wilhelm ernsthafter ein . Danebrand ' s Geburtstag ist ja heute und er soll ' s nicht vorher wissen ... So , so ! Und der fremde Herr ? Er war erst zweimal da . Karl weiß , wie er heißt . Und Louise hoffentlich auch , meinte Hackert ... Gewiß , sagte Wilhelm . Der Herr will uns Alle mitnehmen ... Mitnehmen ? Alle ? Linchen lachte . Warum lachst du denn , Line ? Der Herr will die Louise heirathen ! sagte Linchen fast verschmitzt und nicht ohne Eitelkeit . Die Louise ? Punsch ? Natürlich und zu Danebrand ' s Geburtstag ? Da , guter Danebrand , trink ! Stoß an ! Hat er Geld , der Fremde ? Eine ganze Börse voll . Ha ! Ha ! lachte Hackert . Man denkt , die Menschen sterben mit Denen , die wir kannten , aus , und immer neue kommen . Kinder , betrinkt Euch nicht im Punsch , damit Euch nicht zu bald die Augen zufallen ! Thut ' s dem armen Danebrand zu Liebe ! Schlaft nicht zu früh . Wer wohnt denn jetzt in meiner Stube ? Keiner , aber die Stube wird doch bezahlt - Doch bezahlt ? Und die andre auch ... Von wem denn ? Von dem alten Mann , der verreist ist . Er hat ein böses Auge - Herr Murray ! Murray ? Der will nicht die Louise heirathen - der Andre , er hat einen rothen Bart. Einen rothen Bart ! Aber sagtet Ihr nicht Murray ? Der Alte mit der schwarzen Binde heißt Murray . Kommen Sie auch , Herr Hackert ? fragte Linchen und faßte Hackert ' s Hand . Kind ! Schmieg ' dich nicht so an die Paletots , auch wenn ' s friert ! Grüße Louisen und sag ' ihr , der Alte mit der schwarzen Binde ... nein , sag ' ihr nichts . Wenn er die Miethe bezahlt hat ... Hat er sie bezahlt ? Auf ein Vierteljahr im Voraus . So hat die Bescheerung Zeit bis Weihnachten . Ihr schwimmt obenauf ! Macht , daß Ihr nach Hause kommt ! Die Pfannenkuchen werden kalt und sagt dem Danebrand nicht etwa , daß er ein Esel ist . Das würde sich nicht schicken , wenn ' s auch wahr wäre . Gute Nacht , Kinder ! Sagt Louisen : Nicht zu viel Citrone an den Punsch ! Hört Ihr , Citrone macht Kopfschmerzen ! Die Kinder gaben Hackerten die Hand , dankten noch für die rasche Beendigung ihres Abendgeschäftes und liefen im Regen und Schnee unter den blendenden Gaslaternen hurtig über die nassen Pflastersteine nach einer festlichen Aussicht , wie ihnen eine solche mit wahrer Paradieseswonne wohl noch nie geboten war . Punsch ! Wie sie laufen in ' s Teufels-Elend ! rief Hackert hinter ihnen her und schleuderte zornig das Packet Zeitungen in den ersten besten Straßenwinkel . Louise Eisold , die ihm bisher wie das Bild der reinsten Tugend erschienen war , Louise Eisold , die ihm immer gewesen war wie einem vorübergehenden Zweifler eine offene Kirche , Louise Eisold , wo er immer gedacht hatte , die Kirche steht ja da , sie ist ja gleich in der Nähe , wenn die Erleuchtung über dich kommt , sieh im Vorübergehen blinzelnd hinein und warte die Zeit ab , wo du dich für würdig hältst , ihre Schwelle zu betreten ! ... Und nun ... Punsch und ein Mann mit rothem Bart ! Hackert hatte oft , wenn ihm zu wehmüthig , zu einsam und verlassen zu Muthe war , auf dem Sprunge gestanden , sich zu Louisen zu flüchten . Im Neu- und Vollmond fast immer . Kam der unheimliche Dämon und siedelte sich in seinen Nerven an und trieb ihn , Nachts aufzustehen ohne Bewußtsein , ohne Hüter als Gottes Huld , so riefen tausend innere Stimmen in ihm nach jenem Mädchen , das so viel warme , liebevolle Freundschaft ihm gewidmet hatte und das er floh , weil sie ihm zu tugendhaft und zu wenig schön war . Und nun ... Ha ! Die Gourmandise der Kleinen schien ihm schon die kitzelnde Satanspfote zu sein , die sich auch nach Brandgasse No. 9 , dritter Hof zwei Treppen hoch , ausgestreckt hatte . Das schleckert , das kichert ! sagte er sich . Diesem Rindvieh , dem Danebrand , drehen sie eine Nase und der Rothbärtige nimmt gleich das ganze Nest aus und zieht sich auch die flügge junge Brut für die Zukunft auf ! ... Und nun schmetterte eine Trompete von einem Tanzsalon herüber .