. Ein anderer charakteristischer Zug der damaligen Kochkunst bestand darin , nichts zu verschmähen und alle Tierteile : Köpfe , Füße , Zunge , Hirn , Lunge , Leber , Nieren , Gekröse gleichmäßig in Delikatessen umzuwandeln . Dazu die Schaugerichte : turmartige Kuchen aus Pastetenteig , in die man lebendige Vögel hineinsetzte , die dann beim Öffnen wegflogen . Als das Gratias gesprochen war , erhob man sich und traf Anstalten zum Tanz . Den Beginn machte der von zwölf Paaren getanzte Zwölfmonatstanz ; dann kam der polnische Tanz , der Kapriolentanz , der Drehtanz , der Taubentanz . Den Schluß aber bildete der Totentanz , der sehr beliebt war und wobei man durch das Los entschied , wer den Toten zu spielen habe . Das Los traf Konrad von Quitzow von Schloß Hohenwalde . Der erschrak , weil er schon während der Reise von Todesahnungen erfüllt gewesen war . Es galt aber , von diesem Erschrockensein nichts zu zeigen , und als er eine kurze Zeit getanzt hatte , fiel er , wie es das Spiel erheischte , mitten im Saal um und spielte den Toten . Und nun schwieg auch die lustige Musik und ein dumpfer Trauergesang erscholl , während dessen die Damen an den Toten herantraten und ihn küßten . Als er den Kuß auch der letzten empfangen hatte , stand er wieder auf und der Drehtanz begann in aller Lustigkeit von neuem . Damit schloß die Feier und weil das Doppelfest alle Teilnehmer ermüdet haben mochte , rüsteten sie sich am andern Morgen bereits zur Abreise . Ziemlich früh schon erreichte man die Fähre , die , wie drei Tage zuvor , mit Laub und Blumen geschmückt war . Ebenso gebot es sich auch heute wieder , den Übergang in Gruppen zu machen und nur das » wie « blieb noch festzustellen . Endlich entschied man sich dahin , auch bei diesem die Rückkehr einleitenden Übergange dieselbe Reihenfolge wie beim Heranzug innehalten zu wollen : zunächst also die voraufreitenden Knechte , dann die Frauen und Ritter , danach die Zofen und Dienerschaften und schließlich die Nachtrabsknechte , die schon auf der Herfahrt den Abschluß gebildet hatten . Eben diesen Nachtrab sollte Johann von Quitzow , den voraufreitenden Trupp aber der ältere Bruder führen . Und nach diesem Abkommen wurde verfahren . Der ganze Vortrupp , vierundzwanzig reitende gewappnete Knechte , ritten auf die Fähre hinauf und als sie Stand und Ordnung genommen , erschien Dietrich von Quitzow , dem sich , im letzten Augenblicke , sein Schwager Albrecht von Schenk und gleich danach auch sein Bruder Konrad von Quitzow ( der Hohenwalder ) anschloß . Die Fähre ging tief und hatte nur wenig Bord . Es war außerdem windig , so daß sich die gelben Wogen der Elbe mächtig heranwälzten . In der Tat scheint es , als ob man ein Einsehen von dem Gefahrvollen einer solchen Überlastung gehabt habe ; die Fährleute jedoch versicherten einmal über das andere , daß nichts zu fürchten sei , und so stieß man denn unter Zuruf und Tücherwinken der vorläufig noch am altmärkischen Ufer Verbleibenden ab . Alles war guter Dinge , welche frohe Stimmung noch wuchs , als die von Kaspar Gans auch heute wieder bis an die Fährstelle beorderten Trompeter ihre Abschiedsweisen anstimmten . Ein jäher Aufschrei aber , der vom Fährboot ausgehend , im selben Augenblick auch unter dem am Ufer Zurückgebliebenen erscholl , übertönte plötzlich die Fanfaren und als diese schwiegen , sah man von der altmärkischen Seite her das Sinken der Fähre : das Wasser schlug über Bord und ehe noch an Rettung zu denken oder wohl gar nach anderen Booten auszuschauen war , versank die Fähre vor aller Augen . Sowohl Dietrich von Quitzow wie sein Schwager Albrecht von Schenk warfen sich voll Geistesgegenwart auf ihre Pferde und hatten Kraft und Geschicklichkeit genug , sich bis an das havelländische Ufer zu retten , alles andere aber ging zu Grunde : die ganze Knechteschar und mit ihnen Konrad von Quitzow , der den Abend vorher so widerstrebend und ahnungsvoll den Totentanz getanzt hatte . Vergebens , daß man nach seiner Leiche suchte ; viele der mit ihm Ertrunkenen wurden gefunden , er nicht , und unter Schmerz und Grauen beschloß man die Taufreise , die so froh und unter so glänzenden Aussichten begonnen hatte . Daheim wurden dem » guten Quitzow « , der sich , im Gegensatze zu seinen Brüdern , einer ziemlich allgemeinen Beliebtheit erfreute , zahlreiche Seelenmessen gelesen und vielfach beklagte man den Ausgang . Aber andere waren da , die kaum ein Gefühl des Triumphes zurückhalten konnten und in dem grauenhaften Ereignisse das erste Zeichen sahen , daß sich der Himmel gegen die Quitzows wenden wolle . Wusterwitz war unter denen , die dieses Glaubens lebten . Und ihr Glaube war der richtige : die Taufreise nach Tangermünde war der Wendepunkt im Leben der Quitzows und trotz großer politischer wie militärischer Erfolge , deren sie sich gelegentlich noch zu rühmen hatten , ging es von diesem Tag an mit ihrem Glücke bergab . Was diesen Niedergang und Fall der Familie herbeiführte , lag ganz außerhalb ihrer Verschuldung , wenn von einer solchen ( ich komme weiterhin auf diese Frage zurück ) überhaupt die Rede sein kann . Es lag einfach so : das Eintreten bestimmter politischer Ereignisse hatte das Heraufkommen der Familie , ja deren Glanz ermöglicht , und das Eintreten anderer politischer Ereignisse ließ diesen Glanz wieder hinschwinden . Das bedeutsamste dieser Ereignisse war der Tod des mehrgenannten Markgrafen Jobst von Mähren . Er starb den 17. Januar 1411 auf seinem Schlosse zu Brünn , einige sagen durch Gift , und König Sigismund , der 1388 , um Geldes willen , die Mark Brandenburg seinem Vetter Jobst überlassen hatte , sah sich nun abermals im Erbbesitze des in genanntem Jahre von ihm abgetretenen Landes . Hieraus erwuchs der Wechsel der Dinge . Schon die bloße Tatsache , daß Jobst nicht mehr war , war gleichbedeutend mit Halbierung des