. Seine Augen zuckten . Seine Gesichtsmuskeln bewegten sich krampfhaft . Jeannette sagte ihm rasch , daß Schlurck keinen Kutscher mehr halten könne und ihr selbst gerathen hätte , zu Lasally zu gehen , bei dem für Neumann zu sprechen . Lasally würde sich jetzt sehr großartig einrichten , würde Leute brauchen . Eben ginge sie zu ihm , um ihm die Dienste ihres Verlobten anzubieten ... Sie wisse zwar ... Damit unterbrach sie sich selbst , denn Hackert ging fast taumelnd , fast abwesend neben ihr her . Sie sprach schon nichts mehr , er schwieg . So durchschritten sie fast die ganze Stadt , zum Schrecken der Zofe , die sich in der einsamen Thorgegend vor Hackert ' s plötzlicher Träumerei , wahrscheinlich der Erinnerung an seinen Lasally zugefügten Frevel , fürchtete . Zuletzt standen Beide vor dem Eingang in die Reitbahn Lasally ' s. Hackert erschrak , als er aufblickte . Jeannette hatte längst gefürchtet , daß sich Hackert einer gefährlichen Gegend nahte . Aber er sammelte sich und murmelte zum Abschied so hin , sie würde Lasally in einer türkischen Kleidung finden , eine gelbe Meerschaumspitze im Munde , einen türkischen Fez auf dem Kopf , rothe Hosen an , gelbe Stiefeln , Schlafrock von Sammet mit Schnüren . Wie ein Pascha würde er sie empfangen und sie würde ihm die gelben Stiefeln küssen dürfen , seine Hände , seine Ohrzipfel und todt und kalt würde der Pascha sagen : Dein künftiger Mann ist ein Schafskopf , doch soll er die Stelle haben , setzen Sie sich , Fräulein ! Parlez vous français ? Jeannette lachte , huschte davon . Scheu entfernte sich Hackert von einem Ort , der ihn an ein Verbrechen erinnerte . Er floh fast . Als er sich in Sicherheit glaubte , sah er um sich . Er war erschöpft . Da stand ein Brunnen , der hier in der Vorstadt in ländlicher Weise mit einem Wassertroge für die Ausspannungen , die vorüberziehenden Viehheerden versehen war . Die Bäume hier und dort auf dem großen Vorstadtplatze waren entlaubt , die Luft schnitt kalt und fröstelnd genug . Herbstlich sah ' s auch in Hackert ' s Innern aus . Fehler , Irrthümer , begangene Frevel vergibt sich die Jugend sehr bald . Aber um so gewaltsamer , je weniger sie davon merkt , nagt an ihr die zu frühe Erkenntniß . Daß diese Person , diese Jeannette , nun zu einem Don Juan ging und für ihren Bräutigam um eine Anstellung bat , durchschaute er zu offen mit allen Folgen . Die verbitterte Auffassung der Menschen überzieht das ganze Leben mit aschgrauen Farben und worin anders wurzelt die verzweifelte Freudlosigkeit des verdorbenen Großstädters , seine Wuth nach Änderung seiner Lage , seine in der Gefahr dann doch wieder elende Gesinnungslosigkeit , als in diesem zeitigen Erkennen aller Endlichkeit unsrer Natur , in dem höhnischen Schlechtnehmen und Schlechtdeuten jeder fremden menschlichen Regung und Unternehmung ? Hackert sah Alles vergiftet von Selbstsucht . Die Kinder auf der Straße schienen ihm schlecht , die Thiere , die Hühner , die Gänse um ihn her , die nach dem Futter aus den Kornwägen , den Resten der Pferdemahlzeiten haschten , schienen ihm bewußt erbärmlich ; ja selbst dem Wasser in dem Trog , auf dessen Rande er saß die Beine baumelnd , sah er mit mistrauischer Bitterkeit nach , als wär ' es das ewige Symbol der treulosesten , dahin rinnenden Flüchtigkeit . So zog er die Liste der Verdächtigen aus seiner Brusttasche und sammelte sich erst in dem Bewußtsein , in diesem Chaos doch nun auch etwas , wenigstens ein Polizeiagent zu sein . Aus dieser gewiß wenig tröstlichen Betrachtung weckte ihn plötzlich ein lautes Wagenrasseln . Er blickte auf . Ein Lärmen , Rufen , Johlen , Peitschenknallen . Er sah einen Reisewagen , der langsam von der Gegend des Thores daherrollte und von vier Postpferden im Schritt gezogen wurde . Der Postillon blies und klatschte , wenn er absetzte , lustig mit der Peitsche . Mancher Hieb fiel auf die allzunah herandrängenden neugierigen , lachenden Menschen , die sich mehrten , je näher der Wagen in die belebten Gassen kam . Hackert stand auf , um die Ursache dieses Auflaufs kennen zu lernen . Das Blasen des Postillons , das langsame Fahren eines großen vierspännigen Reisewagens konnte allein nicht die Veranlassung dieses Lärms , dieses Drängens und Spottens sein . Er bemerkte auch bald die seltsamste Unterbrechung der gewöhnlichen langweiligen Straßenerscheinungen . Der Postillon ritt , selbst lachend , auf dem Sattelpferde , auf dem Bock saß an einer Kette ein als Kutscher gekleideter Affe , der aus einem Korbe Äpfel und Nüsse unter die Menge warf . Hinten auf dem Bocke standen zwei Mohren in rothen goldbetreßten Livréen . Im Wagenschlage waren zwei Papageyen und einige kleine Makis und Meerkatzen , die an Kettchen zum offnen Schlagfenster hinaus und hinein schlüpften , so weit sie Freiheit hatten . Ein kleiner Herr in mittleren Jahren , schwarzem Barte , hochgeröthetem Antlitz , in einem reichbesetzten Schnurrock und einem rothen Sammtbarett saß ganz allein in dem Fond des Wagens . Er schien sich theils an den Capriolen der Thiere , die ihn umgaben , zu belustigen , theils an der Neugier der Menschen , die er dadurch reizte , daß er ganz neue kleine Silberstücke zum Kutschenschlage hinauswarf . Einige zierliche Windhunde bellten gleichfalls aus dem Wagenfenster und wollten sogar nachspringen . Der sonderbare kleine Reisende hielt sie an einer grünen Leine fest und überließ das Apportiren dem Straßenvolk , dem natürlich nicht einfiel , ihm die Silbermünzen zurückzugeben . Diese tolle Karavane hielt , als sie dicht bei Hackert in der Nähe vieler Marktwagen und Wirthshausschilder stand , still . Der kleine possenhafte Herr lehnte sich aus dem Wagenschlage und fragte mit heller , schriller Stimme hinaus : Welches denn jetzt der beste Gasthof in der Residenz wäre ? Diese Vorstädter wußten wohl Antwort zu geben , aber sie nannten ein Dutzend Könige