dort eine Basilika ... Wie mag es hier einst gesummt haben , als die Comitien des Volks versammelt waren und die Consuln Roms gewählt wurden ! ... Wohin entläßt uns dies Thor ? flüsterte er ... Ist es nicht der Triumphbogen des Titus , als er Jerusalem zerstört hatte ? ... Sein » Credat Judaeus Apella « fiel ihm ein ... Doch der » Virtuose im Glauben « - hier hatte er keinen Zweifel zu hegen nöthig . Da an der Wand des Thors sah er den siebenarmigen Leuchter , den Tisch , die Schaubrote , die Jubeljahrposaunen , die Bundeslade ... Die erhabene Stelle war ' s , wo sich Jupiter und Jehova so nahe berührten ! ... Aber - kein Jude geht gern unter diesem Bogen hinweg , kein Jude blickt gern auf jenes Riesengebäude , das dreißigtausend gefangene Juden gebaut haben sollen ... Was Vincente so und ähnlich erläuterte , wußte Klingsohr alles ... Aber kaum gedachte er Löb Seligmann ' s , dessen physische Kraft zum Streichen der Ziegel für diesen Riesenbau in keinem Verhältniß gestanden haben würde - als er Veilchens gedenken mußte ... Veilchens , die ihm einst bei seinen Besuchen in der Rumpelgasse gesagt hatte : » Sie sind ein Mensch der Selbstqual , der Reue , des Gewissens - ewig wird ' s Ihnen gehen , wie ' s dem Kaiser Titus ging , als er Jerusalem zerstört hatte ! Da ist Titus zu Wasser gegangen mit seiner siegreichen Armee und ein Sturm zog herauf und die gefangenen Juden triumphirten , weil sie dachten , Gott hätte seine Rache auf das Meer aufgespart . Und Titus bekam Angst , spottete und sprach : Zu Land ist Adonai schwach , aber zu Wasser - da kommt er , scheint es doch , dem Neptunus gleich ! Wahrlich , spottete er , Adonai hat die Sündflut befohlen , er hat die Aegypter im Rothen Meer ersäuft , er hat den Sissera am Strom Kischon geschlagen , er wird auch für Jerusalem seine Rache nehmen auf dem Mittelländischen Meer ! ... Da aber ist gekommen eine Stimme aus dem Himmel und hat dem Spötter gerufen : Titus , Titus ich habe Jerusalem untergehen lassen wegen seiner Gottlosigkeit ! Weil du aber meiner Langmuth spottest , so sollst auch du meine Macht kennen lernen , aber - zu Lande ! Das Meer ward da stille und Titus betrat unter dem Jauchzen des Volks das feste Land . Wie er recht von Herzen über den Judengott lachte , flog ihm in die Nase eine Mücke , wie sie nur auf dem Lande vorkommt , und bohrte sich tief in sein Gehirn . Sieben Jahre hat Titus davon die schrecklichsten Schmerzen im Kopf gehabt , denn die Mücke starb nicht , sondern sie wurde immer größer und sie summte bei Tag und bei Nacht . Einst ging er bei einem Schmied vorüber . Bei den Amboßschlägen hörte die Mücke zu summen auf . Da stellte sich Titus dreißig Tage an den Amboß und die Mücke schwieg . Am einunddreißigsten aber fing sie wieder zu summen an ; sie hatte sich an den Hammerschlag gewöhnt und Titus mußte sterben . Als sie sein Gehirn aufmachten , kam ein Thier zum Vorschein , so groß wie ein Vogel . Der Mund war von Kupfer und die Füße waren von Eisen - - « Nun schloß die Spinozistin : » Daß Sie sind katholisch und ein Mönch geworden , Herr Pater , das ist bei Ihnen die Schmiede gewesen und die Mücke ist nun auch vielleicht dreißig Tage still ... Aber ich will nicht wünschen , daß sie am einunddreißigsten wieder lebendig wird ! « ... Wie wurde sie aber schon so oft so lebendig ! ... Schon damals wurde sie ' s beim Schweigen , das der Kirchenfürst dem Pater als Buße auferlegt hatte , beim Begegnen Lucindens in der Kathedrale ... Nun all dies Große und Majestätische Roms ! ... Und wenn auch Klingsohr damals zu Veilchen sagte : » Jehova rächte sich allerdings an den Römern zu Wasser - durch die Taufe ! « - wie summte ihm doch die Mücke jetzt und wisperte : Ist Golgatha die Welt ? Haben die alten Götter keine Rechte mehr ? ... Klingsohr schritt dahin , fast wie einst in Göttingen , wenn er die Titel der hundert Bücher auf den Lippen führte , » die er schreiben wollte « ... Pater Vincente , in dessen Seele es still und ruhig schien , lenkte zum Coliseum ein ... Er betrat es , den fremden armen Gefangenen zu Liebe ... Wäre die Nacht nicht so hell und belebt gewesen , so würde dies mächtige Rund den Eindruck eines Schlupfwinkels für Räuber gemacht haben ... Es liegt so einsam - umwuchert von wildwachsenden Büschen , die oben aus den Fenstern herausbrechen ; die Vegetation hat seit tausend Jahren in allen Stockwerken bis zur obersten Galerie Platz gegriffen ... Die Bogengewölbe , die geborstenen Säulen , die zertrümmerten Rundmauern waren im Mondlicht wie die Erscheinung eines Traums ... Von Luft und Licht gewoben schien dies Bild eine märchenhafte Täuschung ... Aber sicher , fest und natürlich widerhallte Schritt und Gespräch unter der Bogenwölbung des Eingangs ; nur zu deutlich sah man drinnen die Sitze , von denen herab Tausende auf Menschenkämpfe einst blickten mit jenen Thieren der Wüste , die hinter den eisernen Gittern da geborgen und durch Hunger zur Wuth gereizt wurden ... In der Mitte steht zur Entsühnung solcher Erinnerungen an den tiefsten Verfall der Menschheit ein kleines Kreuz ... Rundum ziehen sich die Bilder eines Stationswegs ... Eine Heiligung , die edler gedacht als ausgeführt ist ! ... Das sagte selbst Pater Vincente , der niederkniete und einen mit einem Kreuz bezeichneten Stein küßte , auf dem Hubertus mühsam las : » Wer - dies Kreuz - küßt , hat auf ein Jahr und 40 Tage - Ablaß . « ... Hubertus folgte dem Beispiel des frommen Paters ... Natürlich mußte