brauchen ließ ... Schnuphase hätte sich niedergeworfen wie alle - er schon vor solcher heiligen Sparsamkeit ... Mönche und Bruderschaften , einen Priester mit seinem Akoluthen und Meßknaben umringend , sangen : Miserere ! in nicht endender Litanei ... Vor dem klingelbegleiteten Sanctissimum , das der Priester hoch in den Fackelqualm emporhielt , warf sich alles nieder ... Aber immer weiter , weiter , wie auf rasender Flucht , ging der Zug dahin ... Pater Vincente sagte - um die Leiche in eine Kirche jenseits der Tiber zu stellen , von wo sie erst der gewöhnliche Leichenwagen abholt ... Der Todtenkopf des » Bruder Abtödter « war Leben gegen die Vorstellung , daß unter allen diesen weißen und schwarzen Kutten und Kapuzen Skelette wandeln müßten ... Aus den kleinen Oeffnungen vor den Augen dieser Männer glühte es wie leuchtende Kohlen ... Nehmen wir den Weg über das Capitol ! sagte Pater Vincente , als sich die Mönche mit den andern wieder erhoben hatten und der wilde Zug vorüber war ... Ihn schien er nicht erschüttert , nicht so zur Eile gedrängt zu haben , wie den Pater Sebastns ... Zur Eile ! ... Musterte eben die » Braut von Rom « , wie ein Schmeichler die junge Fürstin heute besungen , oder der Cardinal oder die Herzogin von Amarillas die Reihen der Mendicanten , die an der Pforte der Villa Rucca standen - er war ja dessen gewiß , daß San-Pietro in Montorio vor allen andern Klöstern bedacht werden würde ... Olympia zeichnete reuevoll sein Kloster aus ... Ihn bedrohte , das sagte man seit einiger Zeit , in der That der Hut des Cardinalats ... Bei Klingsohr - wie war da nun freilich die Erinnerung dahin - an Goethe ' s Campanella - ! ... Dieser schreckhafte Leichenzug - und jene Römerin , auf deren Rücken der Dichter des Faust hier einst Hexameter getrommelt zu haben vorgab , die Goethe , Klingsohr wußte es , erst in Weimar auf dem Rücken der » Dame Vulpius « trommelte , paßten nicht zusammen ... Memento mori ! ... Auch Goethe hat es erfahren ! sagte sich Klingsohr sinnend zum Capitol aufsteigend ... Hier , wo er den Becher der Lebenslust , kurz vor dem Scheiden der männlichen Kraft , in seinen vierziger Jahren noch einmal wie ein Sohn der Griechen getrunken hat , hier mußte er ja dem einzigen Sohn , dem Sohn jener in römische Reminiscenzen maskirten Thüringerin , an der Pyramide des Cästius , dem Begräbnißplatz der Protestanten , eine wahrere Grabesinschrift setzen ... Hier starb Goethe ' s einziger Sohn ... Flüchtig zog und fast schon von ihm in Rhythmen gebracht der Gedanke durch seine Seele : Wo nur find ' ich den Wirth zur Campanella ! Der Schenke , Wo ich Falerner gesucht - » Lacrymä Christi « nun fand ! Firnen aus Golgatha ! Nicht aus den Trauben der Schlacke , Die der Vesuv uns schenkt , Leidenschaft , wenn sie verglüht ! Deutscher Apoll ! Hier war ' s , hier hast du Verse getrommelt - Auf der Römerin Leib - schwelgtest in seliger Lust - Und erfuhrst nur dein Maaß ! Die Pyramide des Cästius Blieb das Ende vom Lied ! Blieb der Morgen der Nacht - ! Wahrheit und Lüge ! O wohl , so mürrisch strafen die Götter ! Wandle gen Rom , o Mensch ! Rom ist der Mensch und die Welt ! Ein tiefes , tiefes Schweigen folgte nun ... Glocken hallten von den Thürmen ... Man erstieg einen Calvarienberg - das sind die Stufen zum Capitol ... Zur Linken wohnt - der heimatliche Gesandte , auf dessen Autorität vor drei Vierteljahren drei Gensdarmen am Ponte Molle auf die deutschen Flüchtlinge gewartet hatten ! ... Zur Rechten - der tarpejische Felsen , der jetzt derselben Krone gehört ... Wie schüttelte Sebastus all diesen » Staub « von seinen Füßen ! ... Wie hatte er für ewig dieser » ghibellinischen « Welt entsagt ! ... Das Capitol ! rief er und über seinen Sandalen schmerzte ihm der Fuß , so trotzig stampfte er vor dem Wappen seines Landesherrn auf ... Da lag ein mittelalterlich Haus vor ihm , die Stätte des gebrochenen Capitols ... Einige Brunnenstatuen vor ihm und ein kleiner Platz , auf dem , vom Mond beleuchtet , Marc Aurel zu Pferde sitzt - Ein Gelehrter , der über dem Studium der Philosophie seine alten Schlachten vergaß ! sagte Klingsohr mit Hindeutung auf die ihm nicht kriegerisch erscheinende Haltung des Reiters und auf - » Euern Friedrich , den sogenannten Großen - ! « Jetzt schlug es elf ... Bergab ging es auf die Trümmerstätte des alten Forums ... Ein Leichenfeld ! sprach Pater Vincente ... In seinen Erläuterungen ging er nicht über Petrus und Paulus hinaus ... Die Gracchen - Cicero ! ... Das mußte sich Klingsohr selber sprechen ... Sein Blick starrte dem Untergang der Erhabenheit ... Hubertus kannte von den alten Zeiten nur so viel , als nöthig war um zu begreifen , daß hier die begrabene Macht eines alten Volkes lag , das einst die Welt beherrschte ... Zertrümmerte Portale , einsame Säulen , Triumphbögen mit zerbrochenen Statuen ... Am Tag ein wüst erschütternder Anblick , den jetzt das Zauberlicht des Monds verklärte ... Dort oben auf dem Palatin wohnten die weltgebietenden Cäsaren ... Ein magisches Goldnetz hält die grünen Hügel und die Steine umwoben ... Wären diese vom Corso herüberrasselnden Wagen , diese lachenden Menschen nicht gewesen , die zu spät zu kommen fürchteten zu der auf Mitternacht angesetzten Hochzeits-Girandola , die durch die Fenster eines am milchblauen Himmel auftauchenden dunklen Gebäudes schon zu beginnen schien , wenn ein Knabe rief : Eine Leuchtkugel ! - Der Knabe meinte einen Stern , der so plötzlich durch die Oeffnungen des Coliseums blinkte ... Das Coliseum ! ... Sebastus hätte wünschen mögen , Niemand hier zu sehen und zu hören und nur allein zu wandeln ... Allein mit Livius und Niebuhr ... Da ein Tempel ,