Verordnung aber hatte nur für die Bürgerschaft Geltung , während die höheren Stände davon ausgenommen waren . Jedenfalls säumte Herr Apitz von Schenk nicht , von diesem Recht der Ausnahme Gebrauch zu machen . Alles war durch ihn aufs glänzendste hergerichtet worden und schon am Sonntag abend erschienen , wie zur Vorfeier , die Brautjungfern in den Zimmern Elisabeths von Schenk , um daselbst von ihr bewirtet zu werden . Damit war die Feier eingeleitet . Eine Art Polterabend . Am folgenden Tage begann das eigentliche Fest und währte von morgens sieben bis abends elf , also durch sechzehn Stunden hin in unausgesetzter Folge . Woraus sich schließen läßt , daß die Lust- und Vergnügungskräfte damals um nichts schwächer waren als heutzutage . Begleiten wir das Paar und seine Gäste durch den Tag hin . Um sieben Uhr früh begrüßte Dietrich von Quitzow seine Braut , um ihr ein Paar Schuh und Pantoffeln zu überreichen . Dann schritt man , nach Sitte der Zeit , zum » Brautbade « , welchem festlich arrangierten Zuge ( das Badehaus war auf dem Krögel ) alle zur Hochzeit Geladenen sich anschlossen . Voran die Stadtpfeifer mit Zinken und Schalmeien , mit Zimbel und Geige . Vor dem Zuge her bewegte sich die Straßenjugend , aber auch Pickelhäringe waren da , die Gesichter schnitten , Kobolz schossen , Rad schlugen und jedes alte Mütterchen , das ihnen begegnete , umarmten . So ging es durch die Spandauerstraße hin . In dem Badehause , das sich in zwei große Räume teilte , badeten alle , dann kehrte man , nach einem in dem Obergeschoß eingenommenen Frühmahl , nach dem Brauthause zurück , wo nun Braut und Bräutigam für die Trauung gekleidet wurden . Als dies geschehen , gab Dietrich seiner Braut den Brautkranz , ein Geflecht aus Rosmarin , das man mit Goldschnur und Goldblättchen geziert hatte . Mit diesem Kranze wurde die Braut geschmückt und empfing nun ein Bund Schlüssel als Zeichen ihrer von heut an zu übernehmenden hausmütterlichen Würde . Hierauf wurden vier Wachskerzen angezündet und von vier Gästen gehalten , zugleich aber füllte man einen Becher mit Wein , den Dietrich seiner Braut zu kredenzen hatte . Diese leerte den Becher bis zur Hälfte , verneigte sich dann und gab ihn an Dietrich zurück , der ihn seinerseits bis auf den letzten Tropfen austrank . Alle Gäste wurden während dieser Zeremonie mit Sträußen und Kränzen bedacht und da diese Kränze meist aus Würzkräutern bestanden , so verbreiteten sie Wohlgeruch durch alle Zimmer . Und nun schickte man sich zum Kirchgange an . Es war drei Uhr geworden und der Weg bis zur Nikolaikirche nicht weit , um aber der Schaulust der Menge zu genügen , machte man einen weiten Umweg und so kam es , daß der hochzeitliche Zug erst um vier Uhr vor der Nikolaikirche hielt . Die Trauung verrichtete hier , wie festgesetzt , Propst Ortwyn und als Braut und Bräutigam ihm ihre Namen angegeben und die Frage » ob sie sich gegenseitig als Mann und Frau begehrten « mit » ja « beantwortet hatten , sprach er : » Ego conjungo vos in matrimonio , in nomine Dei patris filiique et spiritus sancti . Amen . « Dann segnete er den Trauring ein , besprengte ihn über Kreuz mit Weihwasser und überreichte ihn Dietrich , der nun den Ring an den Ringfinger der linken Hand seiner Braut steckte . Darauf folgte zunächst ein Gebet , dann Anrede an Brautpaar und Versammlung und hierauf erst die Brautmesse , die von den Lehrern , die damals » Schulgesellen « hießen , gesungen wurde . Dann kehrte man , es war mittlerweile fünf Uhr geworden , in derselben Ordnung , wie man gekommen , nach dem Gasthause zurück , von dem aus man sich , nach stattgehabter Einsegnung des Brautbettes ( eine Zeremonie , die die Eheschließung erst perfekt machte ) nach dem in nächster Nähe gelegenen Hochzeitshause begab . Hier waren achtzehn Tische zu je zehn Personen gedeckt , darunter ein Trompeter- und Pfeifertisch , zwei Kindertische , zwei Mägdetische , zwei Jungferntische . In der Mitte der Haupttafel saß das Brautpaar , umgeben von seinen nächsten Anverwandten . Die » Schulgesellen « , die schon während der Trauung die Brautmesse gesungen hatten , hatten jetzt das Geschäft der Vorschneider und Zerleger . Possenreißer waren unter die Spielleute verteilt und immer , wenn die Musik schwieg , suchten sie die Pausen durch Gesichterschneiden , Verrenkungen und Witzreden zu füllen . Unter beständigem Zutrinken wurden Gesundheiten ausgebracht und um diese Zeit , wo die Herzen fröhlicher gestimmt und zum Geben geneigt waren , erschienen auch die , denen es nach einem Trinkgeld oder Geschenk verlangte . Zunächst kamen die Köche , dann der Bratenmeister mit einer Schüssel , auf welcher , attrappenartig , ein Braten lag . Eigentlich aber war es eine große Ledertasche , drin jeder der Gäste seine Gabe hineintat . Dem Bratenmeister folgte der Kellermeister mit einem großen Humpen , der zu gleichem Zwecke reihum ging . Und dann kamen die Bratenwender , der Schenk , die Schüsselwäscherinnen und endlich die große Büchse für die Armen . Um sieben Uhr hatte man abgegessen und erhob sich von den Tafeln , sich nunmehro nach dem Rathause zu begeben und in dem großen Saale daselbst zu tanzen . Es war des Jubels kein Ende . Ganz zuletzt aber wurde , nach alter Sitte , der Braut das Strumpfband abgetanzt und zerschnitten unter die Gäste verteilt . Erst um elf Uhr nachts begleitete man das junge Paar in Prozession nach seinem Gasthause zurück . Das war 1394 . Sechs Jahre später folgte Johann von Quitzow dem Beispiele seines älteren Bruders Dietrich und vermählte sich mit Agnes von Bredow , Tochter Lippolds von Bredow , Hauptmanns und Verwesers der Mittelmark . Es durfte damals heißen : Felix Quitzowia nube . Die Bekanntschaft mit der reichen , ebenso durch Besitz wie politisches Ansehen hervorragenden Bredowfamilie , hatte sich auf der Hochzeit Dietrichs eingeleitet und