Sache sehen – und nun werde ich mit meiner Mutter reden . « Es trat eine längere Pause ein . Fabian wagte keine Erwiderung ; er wußte , daß , wenn das Gesicht des jungen Schloßherrn so aussah wie jetzt , es sich nicht um Kleinigkeiten handelte , endlich aber trat er doch auf ihn zu und legte die Hand auf seine Schulter mit der leisen Frage : » Waldemar , was ist denn gestern auf der Jagd vorgefallen ? « Waldemar blickte auf , » Auf der Jagd ? Nichts ! Wie kommen Sie darauf ? « » Weil Sie so grenzenlos verstimmt zurückkamen . Ich hörte freilich bei Tische einige Andeutungen über einen Streit zwischen Ihnen und dem Fürsten Baratowski – « » Nicht doch ! « sagte Nordeck gleichgültig , » Leo war allerdings empfindlich , weil ich sein Lieblingspferd beim Reiten etwas unsanft behandelte , die Sache ist aber von gar keiner Bedeutung und bereits ausgeglichen . « » Dann war es also etwas andres . « » Ja – etwas andres . « Es folgte ein erneutes sekundenlanges Schweigen , dann begann der Doktor wieder : » Waldemar , die Fürstin nannte mich neulich Ihren einzigen Vertrauten ; ich hätte ihr entgegnen können , daß Sie überhaupt keinen Vertrauten haben . Etwas stehe ich Ihnen vielleicht näher , als alle andern , aber Ihr Inneres schließen Sie auch mir niemals auf . Müssen Sie denn durchaus alles allein tragen und durchkämpfen ? « Waldemar lächelte , aber es war ein kaltes , freudloses Lächeln . » Sie müssen mich schon nehmen , wie ich nun einmal bin . Aber wozu denn die Besorgnis ? Ich habe doch wohl bei all den Sorgen und Widerwärtigkeiten , die hier auf mich einstürmen , Grund genug , verstimmt zu sein . « Der Doktor schüttelte den Kopf , » Das ist es nicht . Dergleichen reizt und erbittert Sie höchstens , aber die Stimmung , die Sie jetzt beherrscht , ist eine andre . So habe ich Sie nur einmal gesehen , Waldemar , damals in Altenhof , als – « » Herr Doktor , ich bitte , verschonen Sie mich mit diesen Erinnerungen ! « unterbrach ihn Waldemar so rauh und ungestüm , daß Fabian zurückwich , aber er besann sich sofort wieder . » Es thut mir leid , daß auch Sie unter dem Aerger leiden müssen , den dieses Wilicza mir verursacht , « fuhr er mit bedeutend gemilderter Stimme fort . » Es war überhaupt egoistisch von mir , daß ich Sie mit hierher nahm . Sie hätten nach J. zurückkehren sollen , wenigstens so lange , bis ich hier Ordnung geschafft habe und Ihnen ein ruhiges Asyl bieten kann . « » Ich hätte Sie unter keiner Bedingung allein gelassen , « erklärte Fabian mit seiner sanften Stimme , die aber diesmal etwas ungewöhnlich Bestimmtes hatte . Waldemar reichte ihm wie zur Abbitte die Hand . » Das weiß ich ja , aber nun quälen Sie sich auch nicht länger mit meinen Sorgen , oder ich bereue es wirklich , offen gegen Sie gewesen zu sein . Sie haben genug mit Ihren eigenen Angelegenheiten zu thun . Wenn Sie nach J. schreiben , so sagen Sie dem Professor Weber einen Gruß von mir , und ich wäre eben dabei , Ihr Werk ins Praktische zu übersetzen und meinen urslavischen Gütern etwas von der › Geschichte des Germanentums ‹ aufzuprägen ; es thäte not hier in Wilicza . – Leben Sie wohl ! « Er ging . Doktor Fabian blickte ihm nach und seufzte . » Undurchdringlich und starr wie ein Fels , sobald man es versucht , diesem einen Punkte nahe zu kommen , und ich weiß doch , daß er bis auf den heutigen Tag noch nicht damit fertig geworden ist und es niemals werden wird . Ich fürchte , der unglückselige Einfluß , um dessen willen wir Wilicza so lange mieden , fängt wieder an , seine Kreise zu ziehen . Mag Waldemar es leugnen , wie er will , als er gestern von der Jagd zurückkam , habe ich es gesehen – er ist wieder in dem alten Bann . « Es war am Abend desselbigen Tages . In Wilicza herrschte die vollste Ruhe und Stille im Gegensatz zu gestern , wo alles von Gästen schwärmte . Nach der Rückkehr von der Jagd hatte noch ein großes Souper stattgefunden , das sich bis in die Nacht hinein ausdehnte , und die meisten der Eingeladen hatten erst am heutigen Morgen das Schloß verlassen . Auch Graf Morynski und Leo waren zum Besuch eines der Gutsnachbarn abgereist ; sie beabsichtigten erst in einigen Tagen heimzukehren . Wanda war zur Gesellschaft ihrer Tante zurückgeblieben . Die beiden Damen befanden sich also heute abend allein im Salon ; er war bereits erleuchtet , und die Vorhänge waren überall herabgelassen ; man merkte hier drinnen nichts von dem rauhen Novembersturm , der draußen tobte . Die Fürstin saß auf dem Sofa , während die junge Gräfin von ihrem Sitze aufgestanden war ; sie hatte den Sessel wie im Unmut zurückgestoßen und ging unruhig im Zimmer auf und nieder . » Ich bitte dich , Wanda , verschone mich mit diesen Kassandrawarnungen ! « sagte die ältere Dame , » Ich wiederhole dir , daß dein Urteil vollständig von deiner Antipathie gegen Waldemar beeinflußt wird . Muß er denn notgedrungen unser aller Feind sein , weil du fortwährend mit ihm auf dem Kriegsfuße stehst ? « Wanda hemmte ihren Schritt , und ein finsterer Blick flog zu der Sprechenden hinüber . » Vielleicht bereust du es noch einmal , Tante , daß du nur Spott für meine Warnungen hast , « erwiderte sie . » Ich bleibe dabei , du täuschest dich in deinem Sohne . Er ist weder so blind noch so gleichgültig , wie du und ihr alle glaubt . « » Willst du mir statt all dieser dunkeln Prophezeiungen nicht lieber klar und