. “ „ Er setzt aber dabei sich und seine ganze Existenz auf ’ s Spiel , “ warf der Polizeidirector ein . „ Seine Schrift wagt zu viel , und so glänzend sie auch geschrieben ist , sie wird dem Verfasser theuer zu stehen kommen . Raven ist wahrlich nicht der Mann , der sich ungestraft beleidigen und angreifen läßt . Der kecke Herausforderer kann das Opfer seiner Verwegenheit werden . “ „ Oder er bringt endlich einmal die Allmacht des Gouverneurs zum Scheitern . Aber wie die Sache auch enden mag , sie wird jedenfalls ungeheures Aufsehen erregen und hier in R. ist sie nun vollends der Funke im Pulverfaß . “ „ Das fürchte ich auch , “ stimmte der Polizeichef bei . „ Es läßt sich begreifen , daß der Freiherr jetzt Alles daran setzt , um der Situation Herr zu bleiben . Nun , was er auch thun mag , er thut es auf seine Gefahr . “ – Während die beiden Herren ihren Weg fortsetzten , hatte im Arbeitszimmer des Gouverneurs in der That die erwähnte Conferenz zwischen diesem und dem Oberst Wilten stattgefunden . Der Inhalt des Gesprächs mußte wohl von ernster Natur gewesen sein , denn auch der Oberst sah sehr ernst aus . Raven war dem äußeren Anscheine nach unbewegt , nur die fahle Blässe , die auf seinem Antlitze lag , und die tiefgefurchte Stirn verriethen , daß irgend etwas Außergewöhnliches ihn berührt hatte ; er beherrschte Haltung und Sprache , wie immer . „ Es bleibt dabei , “ sagte er . „ Sie halten das Militär verfügbar zum sofortigen Eingreifen und gehen schonungslos vor , sobald man Ihnen Widerstand entgegensetzt . Ich nehme die Verantwortung und alle etwaigen Folgen auf nach allein . “ „ Wenn es sein muß – allerdings , “ entgegnete der Oberst zögernd . „ Sie kennen meine Bedenken , und ich verhehle Ihnen nicht , daß ich mich eintretenden Falles mit Ihrer Verantwortung decken werde . “ „ Ich vertrete die Maßregel in ihrem ganzen Umfange . Dieses rebellische R. soll und muß gebändigt werden um jeden Preis . Ich habe jetzt mehr als je Grund , meine unbedingte Autorität aufrecht zu erhalten ; man soll nicht glauben , daß sie unter dem heimtückischen Schlage wankt , der gegen mich geführt wird . “ [ 358 ] „ Welcher Schlag ? “ fragte der Oberst . „ Sie kennen noch nicht die Neuigkeit aus der Residenz ? “ „ Nein , Sie wissen ja , daß ich erst seit einigen Stunden hier bin . “ Raven erhob sich und durchmaß mit raschen Schritten das Zimmer . Als er zurückkehrte und vor dem Obersten stehen blieb , sah man es doch , wie die Aufregung in ihm wühlte , trotz all seiner Anstrengung , sie niederzuhalten . „ So empfehle ich Ihnen , die Flugschrift des Asssessors Winterfeld zu lesen , “ sagte er in einem Tone , der sarkastisch sein sollte , aber auf ’ s Aeußerste gereizt klang . „ Er fühlt sich berufen , mich vor dem ganzen Lande als einen Despoten hinzustellen , der weder nach Recht noch nach Gesetzen fragt und der für die ihm anvertraute Provinz ein Unglück und ein Unheil geworden ist . Es ist ein ganzes Sündenregister , was mir da vorgehalten wird . Uebergriffe , Willkür , Gewaltacte und wie die Schlagworte alle heißen . Es lohnt wirklich der Mühe , das Machwerk zu lesen , und wäre es auch nur , um sich drüber zu wundern , was einer meiner jüngsten und untergeordneten Beamten sich gegen seinen früheren Chef herausnimmt . Bis jetzt haben nur einige Wenige die Broschüre in Händen ; morgen wird die ganze Stadt sie kennen . “ „ Aber mein Gott , warum lassen Sie das denn so ruhig geschehen ? “ rief der Oberst . „ Dergleichen kann doch nicht plötzlich ohne jede Vorbereitung auftauchen , Sie müssen doch Nachrichten darüber erhalten haben . “ „ Gewiß , ich erhielt sie gestern Abend , ungefähr zu derselben Zeit , wo die Residenz bereits mit der Broschüre überschwemmt wurde und diese auf dem Wege hierher war . Der Courier überbrachte mir zugleich das ‚ aufrichtige Bedauern ‘ des Ministers , daß man die Verbreitung nicht habe verhindern können , daß die Sache überhaupt nicht mehr zu unterdrücken sei . “ „ Das ist seltsam , “ sagte Wilten befremdet . „ Mehr als seltsam . Man pflegt sonst in der Residenz sehr genau unterrichtet zu sein über Alles , was die Presse verläßt , und läßt nicht leicht etwas in die Welt hinaus , was gefährlich werden könnte . Bei dieser Schrift vollends wäre es ein Leichtes gewesen , die gegen mich geschleuderten Beleidigungen auf die Regierung selbst zu übertragen und darauf hin das Ganze zu unterdrücken . Es scheint aber , man hat das diesmal nicht gewollt , und da man mein energisches Dringen fürchtete , so zog man es vor , mich in vollständiger Unwissenheit zu lassen , und gab mir erst im letzten Augenblicke Nachricht als es zu spät war . “ Textdaten zum vorherigen Teil < < < > > > zum nächsten Teil zum Anfang Autor : W. Heimburg Titel : Um hohen Preis aus : Die Gartenlaube 1878 , Heft 23 , S. 371 – 374 Fortsetzungsroman – Teil 15 [ 371 ] Der Oberst sah nachdenkend zu Boden . „ Sie haben wenig Freunde in der Residenz und bei Hofe . Ich sagte es Ihnen schon vor Monaten : es wird dort fortwährend gegen Sie gewühlt und intriguirt , und man bietet Alles auf , Ihren Einfluß zu untergraben . Wenn sich noch dazu ein geeignetes Werkzeug findet – Assessor Winterfeld ist ja wohl gegenwärtig im Ministerium ? “ „ Ja wohl , “ sagte der Freiherr mit Bitterkeit . „ Ich habe ihm die Pforten dazu geöffnet – ich selbst habe meinen Denucianten nach der Residenz geschickt . “ „ Man wird