verdunkelt werde ; aber selbst wenn Frankreichs Waffenehre , wie Ihr meint , damit getrübt würde – ich müßte den Vertrag dennoch halten . « » So spricht kein Franzose ! « brauste der andere auf . Der Herzog bewegte die Hand nach dem Herzen . Er wußte es , aber es wurde ihm heute zum ersten Male gesagt – daß er sein Vaterland verloren habe . » Ist es für mich unmöglich , zugleich ein Franzose und ein Ehrenmann zu bleiben « , sagte er leise , » so wähle ich das letztere , sollte ich auch darüber heimatlos werden . « Und die beiden traten in das Gemach zurück . Es war kühl geworden und das Fenster hatte sich geschlossen . In den Mondschein , der den stillen Platz vor dem Hause füllte , trat jetzt eine große Gestalt , die schon längst mit verschränkten Armen , den Rücken an die Mauer gelehnt und den Sprechenden unsichtbar , unter dem Erker gestanden hatte . Nachdem Herr von Lecques mit harten klirrenden Tritten das Haus verlassen und sich um die Ecke gewendet hatte , schritt sie noch eine Weile gesenkten Hauptes im Schatten der jenseitigen Häuserzeile auf und nieder , von Zeit zu Zeit den Blick zu dem Erker des Herzogs erhebend , bis der Lichtschein erlosch . Jetzt blieb sie an der Einmündung einer Seitenstraße stehen . Wieder ertönten Schritte . Es war ein schwankender , hagerer Mann in der Tracht der spanischen Edelleute , der sich näherte und einen Augenblick unschlüssig stehen blieb . Erst maß er den auf dem Platze nächtliche Wacht Haltenden mit scharfen Blicken , dann trat er auf ihn zu und redete ihn als Bekannten an . » Dacht ich mir ' s doch , Signor Jenatsch « , begann der im spanischen Mantel , » daß Ihr Eure Beute zärtlich hütet . In der Glocke wußte man nicht , wo Ihr hingeraten wäret . Gut , daß ich Euch finde und gerade wo ich Euch vermutet . Ihr dürft den Herzog nicht abreisen lassen ! Sonst würdet Ihr Spanien einen schlechten Dienst erweisen , der auf die Aufrichtigkeit Eurer bisherigen Leistungen ein eigentümliches Licht würfe . Serbelloni hielt es für überflüssig , Euch nahezulegen , daß Ihr den Herzog in der Hand behaltet und ihn seine berühmte Wade nicht wieder gegen Spanien-Österreich erheben lasset . Er meinte , das wäre gleichsam ein selbstverständlicher geheimer Artikel Eures Übereinkommens mit Spanien , den es nicht nötig sei Euch besonders unterschreiben zu lassen . Ich aber sagte ihm , daß ich Euch von Kindheit an kenne und daß im Verkehr mit Euch , wie übrigens mit jedermann auf dieser , wie die neuesten Gelehrten behaupten , sich drehenden Erde , nichts besser sei , als ein guter schriftlicher Kontrakt . Den hab ich nun mitgebracht und Ihr werdet Euch wundern , welch hübsches Angebot ich Euch mache . Gegen Heinrich Rohan die Festung Fuentes ! Das heißt natürlich ihre von Bünden längst begehrte Schleifung . Den Herzog behaltet Ihr , oder besser , da das Sprechersche Haus unter seinem Range und ihm durch Euren Besuch vom neunzehnten März verleidet sein möchte , Ihr liefert den frommen Herrn nach Mailand , wo ihm ein stilles und angenehmes Privatleben gesichert ist . Klüger wäre es freilich gewesen , Ihr hättet ihn , wie es der Wunsch des Herrn Gubernatore war und ich Euch schrieb , vor Wochen schon in die Hände Eures spanischen Verbündeten befördert , bevor das französische Heer über den Splügen rückte , wo es mich heute – denn ich komme stracks von Malland – zeitraubend aufgehalten hat . Warum habt Ihr meine Briefe nicht beantwortet ? Das ist nicht klug und auch nicht hübsch von einem Jugendfreunde . Zum Glück ist es noch Zeit . Der Herzog ist noch da und krank dazu , wie man mir erzählte . Es wird einem Diplomaten von Eurer Gewandtheit nicht an einem Vorwande fehlen , den unter Eurem Zauber stehenden Herrn noch einige Zeit freundschaftlich in Chur zurückzuhalten . Kann er doch nicht in Person sein Heer nach Frankreich zurückführen ! Schließen wir den Handel ? Fuentes gegen den Herzog ? Ihr schweigt ? . . . Das gilt wohl bei Euch , wie bei gemalten Heiligen und schönen Frauen , als Ja . « Jenatsch hatte ihn mit wortloser , zorniger Verachtung angehört : » Hebet Euch von dannen , Rudolf Planta « , sagte er jetzt mit gedämpfter aber heftiger Stimme , » noch seid Ihr in Bünden verfemt , und wer Euch hier betrifft , hat das Recht Euch niederzustoßen . Serbelloni weiß , daß ich mit Leuten Eures Schlages nicht unterhandle . Er kennt meine Bedingungen , von denen ich nicht um die Breite einer Degenklinge abweiche . Ich bin mit Spanien in Unterhandlung getreten , um die Freiheit und Würde meines Heimatlandes zu sichern : Ihr aber habt Euch darum nie gekümmert , sonst würdet Ihr mir eine solche Niedertracht nicht zumuten . Serbelloni weiß nicht darum – das schlägt in Euer Fach und ist ein Geschäft zu Eurem Vorteile . Ist es doch nicht das erste Mal , daß Ihr edles Blut verkauft und schnöden , feigen , schmachvollen Menschenhandel treibt ! – Schande über Euch ! « Planta lachte höhnisch auf : » Ei , ei , edler Herr , Ihr seid den spanischen Goldstücken auch nicht abhold ... Wie wäret Ihr sonst zu Reichtum und Ehren gekommen , während ich von allen meinen angestammten Gütern und festen Sitzen in Bünden durch einen gewissen demokratischen Pfarrer , den Ihr wohl jetzt nicht mehr leiden mögt , und durch seine Pöbelhaufen verjagt wurde , und – Gott sei ' s geklagt – noch immer verschuldet , ein armer fahrender Ritter bin . – Doch keinen Groll ! Wir essen jetzt das Brot desselben Herrn . Ich weiß wie große Summen an Euch versandt wurden – Ihr dürft nicht scheel sehen , daß auch ich ein einträgliches Geschäft mir ausgedacht habe .