um Ruth ? « » Frauchen , was redest du da für närrische Sachen ! « fuhr der Amtmann geärgert auf . » Nimm mir ' s nicht übel , aber der Vergleich zwischen der Braut da und der armen Ährenleserin in der Bibel paßt doch meiner Seele wie die Faust aufs Auge ! – Bah , nur nicht bange machen lassen , Herr Markus – so schlimm steht ' s nicht mit dem Gelde ! Lassen Sie nur erst meinen Kalifornier wieder da sein ! « Agnes sah verstört , mit hilfeheischendem Blick zu dem Gutsherrn empor , und die Frau sank wie gebrochen in die Kissen zurück , während der Amtmann hinausging , um , wie er sagte , dem glücklichen Ereignis zu Ehren eine Flasche Wein aus seinem Keller zum besten zu geben . » Ach , wie das schmerzt ! « seufzte die Kranke . » Mit Gold beladen müßte er heimkommen , mein armer Junge , wenn ihn der Vater willkommen heißen soll , – und ich , ich gäbe den letzten Rest meines armseligen Lebens hin , wenn ich ihn nur wiedersehen dürfte , möchte er zurückkehren , wie er wollte ! Aber er lebt nicht mehr – « » Er lebt ! Sie werden ihn wiedersehen und vielleicht recht bald ! – Ich gebe Ihnen mein Wort darauf ! « versicherte Herr Markus , indem er sich liebevoll über sie herabbeugte . » Es wird noch alles gut werden – werfen Sie nur getrost das , was Ihr Herz bedrückt , auf meine Schultern ! « » Gott segne Sie ! Gott segne Sie viel tausendmal ! « stammelte die überraschte Frau und faltete mit verklärtem Gesicht die gen Himmel gehobenen Hände . 20. » Na , dann ist ' s ja gut ! « würde Frau Griebel gesagt haben , wenn sie dabei gewesen wäre . Ob es ihr aber gefiele , wenn diese Erzählung mit dem Segenswunsch der » alten Frau Amtmann « schlösse ? – Schwerlich ! Denn erstlich würde es ihren Mutterstolz tief kränken , daß ihre Luise so ohne Sang und Klang vom Schauplatz verschwände ; es ginge ihr ferner wider Pflicht und Gewissen , wenn alle die lesenden Leute nicht erführen , wo und auf welche Weise das Konfirmationsgeschenk der seligen Frau Oberforstmeisterin , Luises Henkeldukaten , wieder ans Tageslicht gekommen ist , und schließlich hat ja die brave Dicke vor allen noch fleißig ihre Hände zu rühren , auf daß alles ins rechte Geschick und Geleise komme , und das darf nicht verschwiegen bleiben , das muß gesagt werden – von Rechts wegen ! Sie stand am Tage nach dem Gewitter mit ihrem Töchterlein in dem Hausflur und schnitt den verheißenen riesigen Rosinenkuchen in Stücke , und draußen auf den Türstufen und unter dem Birnbaum harrten die herbeigeströmten jungen Leckermäuler und guckten gespannt , aber auch mit scheuem Respekt durch die weit offene Tür ; herein konnten und durften sie nicht – die weißen Schürzen der » Frau Verwalterin und ihrer Fräulein Tochter « schimmerten und blendeten förmlich in Sauberkeit , und die gescheuerten Flurdielen taten desgleichen , und obendrein stand Hanne mit einem großen Kuchenteller neben dem Tische und hatte wahrhaft mörderische Blicke für jeden kleinen nackten Fuß , der die Schwelle mit einem Abdruck seiner Sohle bedrohte . Frau , Fräulein und Magd sahen plötzlich auf , als zwei eintretende hohe Gestalten den Eingang verdunkelten . Frau Griebel ließ das Messer sinken , und ihre schmalgeschlitzten , blauen Äuglein taten sich weit auf ... Ja , das war freilich Herr Markus , der Gegenstand ihrer mütterlichen Fürsorge , » ihr verhätscheltes Ziehkind « , wie er sich selber immer nannte , aber ganz anders sah er aus ! So hoch aufgereckt , so stolz , so strahlend ! ... Und neben ihm wehte ein weißes Kleid herein , und die schöne Schlanke , die es trug , und die an seinem Arme hing , » als müßte das so sein « , hatte ein hübsches , graues Schleierhütchen auf ihrem dunklen Haar – den Hut aber hatte die brave Dicke schon gesehen , das war in der Tillröder Kirche , in Amtmanns » Stand « gewesen ; folglich war die weiße Dame da die Nichte des Amtmanns , das Erziehungsfräulein , und der mußte stockblind sein , dem nicht sofort sonnenklar wurde , daß es mit dem Hochzeitskuchen seine Richtigkeit habe ... Und das kam so vom blauen Himmel herunter , das war so hinterrücks abgemacht worden ! Man mußte sich schämen , daß man so dumm nebenher gegangen war und » keine Augen im Kopfe « gehabt hatte ; aber ihre Verblüfftheit sollte er nun auch nicht merken , der Herr Duckmäuser ! ... Sie strich sich mit beiden Händen glättend über die knapp sitzende Schürze , ging einige Schritt vorwärts und machte einen feierlich bewillkommnenden Knicks , und auf den Kuchen deutend , sagte sie mit verständnisinnigem Blick : » Der ist ' s aber noch nicht , Herr Markus ! « Er lachte . » Nein , fürs erste feiern wir Verlobung , wie es Sitte und Brauch und fein anständig ist , gelt , Agnes ? « Er stellte seine Braut vor , und währenddem hatte die ergrimmte Hanne » alle Hände voll zu tun « , die schmutzigen Barfüßchen zurückzuhalten , die sich herzudrängten , um der schönen Braut im weißen Kleid in das Gesicht zu gucken . Sie war aber auch gar nicht stolz . Sie streifte sofort ihre Handschuhe von den Händen und half der kleinen Luise die Kuchenstücke unter die Kinder verteilen , und der Herr Bräutigam holte flink einen Schlüsselbund und kam gleich darauf mit einem Armvoll Weinflaschen aus dem Keller . Jedes der schmausenden Kinder erhielt ein Glas Rheinwein , und der Gutsherr schüttelte seine Börse voll kleiner Silbermünzen in die Hand der Braut , damit sie das Geld unter der jubelnden Schar verteile . Und während sie auf den Stufen stand , von