er felbft legte es in ein Bettchen , er selbst wachte bei ihm . Wie ein Rasender war er aufgefahren als Doui sich hereinschlich , in einen weiten , eleganten Schlafrock gehüllt , bereit , jeden Augeublick in ein exaltiertes Weiuen auszu . brechen Mit eiferuem Griff packte er sie am Arm und zerrte fie aus der Thür , die er hinter ihr abschloß . Er fühlte , er war brutal in diefem Augenblick , aber er konnte sie hier nicht fehen , angefichts des Iammers , den sie verschuldet hatte . - - Durch Wocheu uud Mouate pflegte er das Kiud , das ihu fast ausgeföhut hätte mit dem Lebeu an der Seite dieser Frau - fast , wäre es jetzt gefund geblieben , es nur wieder geworden ! Aber die völlige Genesung kam uicht , würde uie mehr kommen , uud damit that sich ein Abgruud auf zwischeu den Gatteu , über deu keine Brücke führte . Doui hatte uach jeuem Auftritt am Beae . des Kiudes keiueu Verfuch gemacht , sich irgendwie die Schuld beizumeffeu , haae kein Wort des Bedauerns , der Anklage sür sich gefunden . An Entschuldigungen für sich ließ sie es gegen ihre Bekannten nicht fehlen Heinz gegenüber wagte sie das nicht . Wie Schatten glitten die beiben Menschen aneinander vorüber . Sie konnte das leidende , manchmal ungeduldige Kiud kaum feheu . Als sie eiumal im Zimmer ihres Mauues war , um über irgeud eine Augelegeuheit , die es uuumgänglich notwendig machte , mit Heinz zu reden , trat sie hinter feinen Stnhl am Schreibtisch - neben ihm war kein Platz , da ftand das Wägelchen mit dem Kinde . - Sie fragte kurz und bekam kurze Autwort , sie hakte geheu köuueu , aber sie wollte noch etwas , nicht mehr uud uicht weuiger als das ^ . ob Heiuz sie auf einen Maskenball in Breudeu . burg , der uächfteu preußischeu Kreisftadt , begleiteu werde , deu die bortigen Kürafsieroffiziere veranstalteten uud auf den fie schlechterdiugs nicht alleiu geheu köune ! Es mnßke ihr viel daran liegen , deuu sie bat um sein Mitkommen . Er wandte sich um uud sah sie empört au . , ,Ich bin augesichts dieses - er deutete mit der Haud aus das Kiud - , , nicht im staude , aus Bälle zu geheu ! , ,Meiu Gott , sagte sie eisig , , , es ist ja ein großes Unglück , aber man kann doch deshalb nicht sein Leben lang Trübsal blasen , ,So geh ' , wenn du diese Ausicht hast ! , ,Ich kann nicht alleiu geheu , das weißt dn dn last be ^ pflichtet , mich zu begleiteu . , ,Ich fühle mich verpflichtet , bei dem armen Geschöpf zu bleibeu , das du in deiuem Eigeusiuu zu eiuem schrecklicheu Lebeu verdammt haß . Eiue weitere Pflicht keune ich vorläufig uicht ! Der kleiue Kranke mochte sich erschrecken vor den fkreugeu Worteu , er fiug laut zu kreischeu au . Douis hefage Erwiderung giug unter in diefeu kreischenden Tönen . Da fprang sie mit fuu . keludeu Augen neben das Kind uud schrie ihm ein gellendes , ,Ruhig ! zu , iudem sie auf das abgemagerte Häubchen schlug . Iu uameulofem Schreck verftummte das Kiud , die großeu Augen wurdeu ftarr uud verschwaudeu faft unter den Lidern das gauze Gesichtchen .zuckte wie im Krampf . Aber gleich einem gereizten Diger fprang Heinz anf , erfaßte sie an der Schulter uud rüttelte sie wie einen jungen Baum . , ,Du ! Du ! saeß er hervor , , , bist du deuu ein Meusch , bist du deuu ein Weib ? Dauu ließ er sie los , daß sie schwaukeud uud ftumm auf den Teppich fauk , warf sich vor dem Bettcheu auf die Kuiee , ballte die Fäufte vor feiuer Stiru uud brach in ein leidenschaftliches Schluchzeu aus . Am Abeud erst löfte sich der Krampfanfall bei dem Kleinen . Heinz Kerkow aber vergrub fortau die Sehufucht uach dem Lebeu , uach Freiheit , uach all dem Schöueu , Großeu , was er eiuft ver . mißte , aef in seine Bruft . In dieser Leidenszeit konnte er nicht mehr arbeiten . Mehr uud mehr sah er eiu , daß sein Junge ein Krüppel zeitlebens bleibeu würde . Er war für keiueu ordentlichen Berus mehr taug . lich ^ er brauchte nur einen Wärter uud Pfleger . Diefer Gedanke trieb Heinz von feinem Schreibasch , von der Arbeit an seinem nenen Werke sort an das Bettchen seines Kindes . Dann , eines Tages , der krüb und regnerisch anhob , kam eine neue Prüfung . Es erschieueu Leute mit Wagen uud Kisten nn ^ die Bücherei von Breiteufels uach der Residenz überzuführen . Heiuz fah , wie die Bücher verpackt wurdeu , uud es war ihm , als ob man vor feiueu Augen liebe , gute Freuude einfargte . Er mußte alle Kraft aufwenden , um sich zu beherrschen um nicht zu weiuen wie ein Knabe . Als er einige Dage darauf durch die leereu Bibliokheksräume schritt , fühlte er , daß es auch in feiuem Iuueren öde und leer geworden war . Halb Wahrheit , halb Dichtung waren seine erften Schriften , auf geschichtlicheu Studieu waren sie gegründet . Ohne diefe Onelleuwerke , die man ihm weggeuommeu , konnte er uicht weiter schaffen Warum auch mußte das Schickfal immer uud immer ihn fo hart kreffeu ! Iu der Iugeud hatte er auf seine Neigungen ver . ^ zichten , seine erfte wahre Liebe hatte er aus dem Herzeu reißen müssen , um sich nutzlos für Mutter uud Schwesteru zu opfern ! Das schieu überwuudeu , in feiuem Kiude wollte er auflebeu - vergebeus ! Das Verhängnis verfolgte ihn - was follte er weiter gegen diese finstere Macht ringen ? Er existierte nur noch für den kleiueu krüppelhafteu Jungeu , der chm alles war in diesem Dasein . Wenn der sterben sollte , dann - dann wollte er auch