lassen von seinem Weibe , Sohn eines Kochs ! Der sinnlose Schimpf war gerächt , mit sieben blutigen Schwertstreichen und brannte nicht mehr in Heinrich . Dieser Schimpf war eine Lächerlichkeit geworden , seit zwischen den Särgen von Geschwistern dieser kleine Herkules heranwuchs , dieser lachende , blühende , von Gesundheit und Lebenskräften strotzende Knabe , in dem die wittelsbachische Art das Blut der Visconti übersprungen und des Vaters makellose Abstammung erwiesen hatte . Dieser Knabe , in dessen frischem , rosigem Gesichtlein die Augen des wittelbachischen Ahnherrn glänzten , hatte einen quälenden Zorn aus der Seele des Vaters hinausgelacht . Doch in dem Herzen , in dem dieser große Zorn getobt hatte , war eine kleine , stumme , brennende Scham , zurückgeblieben . Und dieses Kleinere war das Härtere , war unerträglich , war wie der ruhelose Schrei einer Eifersucht , deren schmerzendem Griff Herr Heinrich sich nick entwinden konnte . Meuchelmord ? So nannten es die andern , wenn sie von jenem nächtlichen Überfall zu Konstanz redeten . Herzog Heinrich lachte dieses Wortes . Kampf oder Mord ? So läppische Unterschiede macht die Rache nicht . Die Rache will schlagen , töten . Aber sie muß das können ! Nicht schwach darf sie sein - nicht so schwach , wie zu Konstanz die Faust dieses von Zorn geschüttelten Rächers war ! Seit vier Jahren ist kein Tag und keine Nacht vergangen , ohne daß jenes wirre , von Blut übergossene , von Scham überglühte Bild in Herzog Heinrich erwachte . Die dunkle , stille Gasse zu Konstanz . In finsterem Winkel steht und lauert dieser Kleine , dieser Schlanke und Zierliche , der in der Größe seines Zornes ein Rächer werden will . Er und seine Helfer , alle gepanzert und bewaffnet bis an die Zähne . Und da kommt in stiller Nacht dieser Eine geritten , geschützt durch den Frieden des heiligen Konzils , kommt von einem heiteren Königsmahl , ein Lachender und Sorgloser , ein Lebensfroher , mit glühendem Wein im Blute , prunkvoll gekleidet , ohne Waffen , ohne Gefolge , auf ruhig schreitendem Zelter , nur geführt von zwei fackeltragenden Edelknaben . Heiter , nach Art eines Trunkenen , plaudert er mit den beiden Buben ; noch ehe man ihn sieht Zitterschein der Fackeln , vernimmt man sein starkes , frohes Lachen schon . Ein Fünfzigjähriger ! Und hat noch immer das Lachen eines Jünglings ! In der finsteren Ecke schlagen dem lauernden Rächer beim Klang dieses hellen Lachens die Zähne aufeinander . Waren diese beiden nicht Söhne von Schwestern ? Nicht die Nachkommen des gleichen Ahnherrn ? Warum ist der eine seiner zarten Mutter Bild , der andre das Bild seines kraftvollen Ahns ? Warum hat dieser Zierliche nur das Zähneschauern seiner körperlichen Schwäche ? Warum jener Starke dieses helle , frohe , sorglose Lachen - in der Nacht des gleichen Tages , an dem er den andern gedankenlos und ungerecht beschimpfte ? Und kommt geritten . Und lacht . Und schwatzt mit den Edelknaben und prahlt von einem französischen Feste , das er dem König Sigismund geben will . » Das soll ein Fest werden , wie man Feste nur in Paris zu rüsten versteht ! Die deutschen Bären sollen noch ein Jahr lang an ihren Tatzen lecken . Und rennen und stechen laß ich bei meinem Fest . Und bin ich der Sieger , wie immer , dann wird sich einer ärgern , bis er Galle speit ! So ein Kleiner ! O du Laus du ! « Er lacht - und wird stumm - hebt sich im Sattel und lauscht . In der vorn Fackelschein übergaukelten Dunkelheit knirschte eine Stimme durch verbissene Zähne : » Den ungerechten Schimpf in den Hals dir ! « Dieser Kleine , dieser Zierliche , stößt mit der Wucht seines Zornes den starken , hochgewachsenen Reiter aus dem Sattel . Und während der Zelter scheu davonrast und die verstörten Fackelträger entfliehen , schlägt und sticht Vetter Heinrich auf den zu Boden gestürzten Vetter Ludwig los und schlägt ihm Wunden , die den Tod herbeirufen . Doch dieser Blutende , dieser fast schon Sterbende , der auf der Erde liegt , wehrt sich wie ein verzweifelter Löwe , fängt die Streiche mit Armen und , Händen auf , klammert in letzter Kraft die zerschnittene Faust um Heinrichs Handgelenk und entwindet dem Rächer das Eisen . Heinrich schreit nach seinen Helfern . Die schlagen drein . Der Blutende auf der Erde hat jetzt ein Schwert , um sich zu schützen . Fackeln in den Gassen . Geschrei von rennenden Menschen , von Männern in Eisen . Und Heinrich , der ein Schwertloser geworden , muß zu entrinnen suchen , gewinnt das Tor , ist landflüchtig , reitet durch Nächte und Tage - und hinter seinen festen unbezwingbaren Mauern , zu Burghausen , holt ihn die Nachricht ein , daß Vetter Loys nach sieben Wunden , von denen jede einen minder Starken hätte töten müssen , wieder genesen wird . Die Rache , weil sie mißlang , ist eine Lächerlichkeit geworden vor Heinrichs eignen Augen . Der Anblick seines neugeborenen Knaben , in dem sich das Bild des großen Ahnherrn wiederholen will , erstickt in Heinrich den Zorn über jenen sinnlosen Schimpf : » Du Sohn eines Kochs ! « Doch hinter dem schwindenden Zorn bleibt eine ruhelose Scham , die an seinem Leben zehrt wie ein giftiges Geschwür . Das martert ihn durch Tag und Nacht . Und wenn er im Kloster zu Raitenhaslach vor dem Grabstein der Herzogin Maddalena steht , ist kein Gebet in ihm , nur dieser Gedanke : » Fluch dir , Mutter , daß du mich , mit der Kraft und dem Geist des Vaters in Hirn und Seele , an Leib und Gliedern zu einem Sohn deiner zierlichen Schwäche machtest ! « Und das dürstende Verlangen , den andern zu vernichten , ist heißer noch in dieser kleinen , eifersüchtigen Scham , als es in jenem großen Zorne von Konstanz