denk , mir lassen ihn morgen bei den Birchmayer-Aposteln ' s Grundiern anfangen . « Was mir einen wohlgefälligen Blick vom Meister eintrug . Um die Essenszeit begann es in der stillen Werkstatt plötzlich lebendig zu werden , und die schweigsamen Gesellen fingen an zu scherzen und zu singen , zu lachen und zu pfeifen , bis es ringsum von den Kirchen und Kapellen zum Mittag läutete . Da stellten sich alle auf einen Haufen zusammen , wandten sich gegen Aufgang der Sonne , da in der Ecken ein mattes Öllicht vor einem dornengekrönten Herrgott an der Geißelsäule brannte , und beteten laut den Angelus Domini und das Tischgebet . Darnach rief einer dem andern einen guten Tag zu , wünschte ihm einen gesegneten Appetit und wusch sich in einem Schaff voll Lauge die Händ , worauf man sich der Arbeitskleider entledigte und zum Tisch ging . Da trat man zu ebener Erd in eine geraumige Stuben , darin in der Mitte ein endsgroßer Tisch aufgedeckt war . Ringsum standen schwarze Lederstühle , und an der Wand neben dem Kachelofen war ein ledernes Kanapee , darauf der Meister saß und in der Zeitung blätterte . Ein Kommodkasten , darauf eine Stockuhr , ein Christkind unter einem Glassturz , ein Arbeitskorb und ein Zinnkrug standen , ein Wandschränklein und ein Spinett machten die Einrichtung fertig . Man wünschte also dem Meister guten Appetit und setzte sich , nachdem er zuerst Platz genommen , rings um die Tafel . Lächelnd trug die Frau Meisterin eine endsgroße Schüssel voll aufgeschmelzter Brotsuppe mit Zwiebeln auf , wünschte , man möcht sichs schmecken lassen , und schöpfte sich darnach ein wenigs in einen zinnernen Teller , während der Meister mit uns gleich aus der Schüssel aß . Da gings in schönem Takt und guter Ordnung : erst der Meister , dann der Gregori ; darnach der zweit Altgsell , die Junggsellen , dann ich und drauf die Lehrbuben . Den letzten Löffel hatte noch der Meister . Nun brachte die Meisterin jedem einen hölzernen Teller und stellte eine Schüssel voll Knödel , eine Platte mit dünnen Fleischschnitzeln und einen Hafen voll Kraut auf den Tisch . Dazu ging der Brotlaib und der Wasserkrug die Runde , und schweigend hielt man seine Mahlzeit , bis der Meister das Wort ergriff und etwas über den Tisch fragte . Da durfte ein jeder schwatzen und wohl auch einen Spaß treiben , bis die Hausfrau an ihren Teller klopfte , aufstand und mit singender Stimme den Dank für Gottes Gaben betete . Nach diesem sagte ein jeds » Gelts Gott « und begab sich gemächlich wieder in die Werkstatt , da dann geschafft wurde bis um drei Uhr . Drauf wurde gevespert und darnach der Tag mit fleißigem Tun beendet . Nach Feierabend gings an ein großes Waschen und Kämmen ; denn die Meisterin als eine adrette Frau liebte nichts Ungepflegtes und hätte gewißlich jeden , der unsauber zum Nachtkaffee gekommen wär , vom Tisch gewiesen . Mein Altgsell , der Gregori , hatte gleich Freundschaft mit mir geschlossen und schlug mir nun einen kleinen Spaziergang vor , dazu ich gern ja sagte . Noch etliche waren dabei , und so gingen wir unter heiteren Gesprächen ein wenig hinters Haus , durch einen schönen Garten mit barocken Sandsteinfiguren , Brunnen und Bänken , vorbei an einem kleinen Pavillon mit einem Eisengitter um den Balkon , wie Filigran so fein und durchsichtig ; über einen schmalen Fußweg durch eine Wiese und zu einem Bach , daselbst wir die Füß ins eisige Wasser hingen und die andern mein bisherigs Leben und Treiben aus mir herausfragen wollten . Da wurde leider mein eingeschlafens Gewissen wieder erweckt , und ich gedacht mit großer Trauer meines Leichtsinns , diese Schwindelfetzen vom Magister angenommen zu haben . Kunnt auch in der Folg nicht gar froh werden trotz aller Lieb des Meisters und der Freundschaft meiner Kameraden ; denn es bedrückte mich , daß alles dies nicht mir , sondern einem Fremden galt , der vielleicht in Wirklichkeit irgendwo am Galgen baumelte oder noch gar nicht zur Erden geboren war . Und ich nahm mir wohl hundertmal vor , dem Meister alles zu beichten ; dazu es aber leider Gottes niemals kam aus feiger Furcht , es möcht mich die Achtung der andern und die Lieb des Meisters kosten . Zudem arbeitete ich mich täglich besser ein in mein Handwerk und tat es schier dem Gregori gleich . Hatte auch wieder angefangen zu schnitzen und schenkte bald dem einen , bald dem andern ein geschnittenes Schächtlein , einen Rahmen oder ein Figürl . Und da ich einst mit dem Gregori zu einem Bildhauer in der Hundskugel kam , betrachtete ich mit heißer Gier die Werkstatt und die Geräte , die Modelle und Zeichnungen und bat schließlich den Meister Birchmayer , der eben aus einem Haufen Lindenstöck etliche aussuchte , er mög mir doch ein Scheitlein schenken , weil ich auch diese Kunst probieren möcht . Worauf mich der Künstler einen Augenblick streng prüfend ansah , darnach lächelte und sagte : » Gerne ! - Wenn du glaubst , du kannst es , so mach nur einmal was Rechtes ! - Aber ich fürcht , es wird dir doch nicht so fein von der Hand gehen , wie du es im Kopf hast ! « Damit gab er mir verschiedene weiche Hölzer , fragte , ob ich auch Werkzeug hätt , und meinte zum End : sehen möcht ers aber doch schon ganz gern , was ich zustand brächt . Heißa ! Da saß einer von nun ab jeden Tag nach Feierabend bei seinen Klötzen , schnitzte und schabte , linste und paßte und hielt sein Werk alle Augenblick prüfend vor sich hin , ob alles recht würd ! Und nach Verlauf etlicher Wochen stand ich mit klopfendem Herzen wieder beim Meister Birchmayer und hielt ihm das Tuch hin , darein ich meine Schöpfungen sorglich gewickelt hatte : eine Statuette der Madonna , einen Christus am Kreuz