kurzen Briefe daraus , in denen eigentlich nur stand : » Liebe Frau , es grüßt dich dein Mann ! « Als er den Brief zugebackt und durch einen Schlag mit der Faust glattgemacht hatte , ging er aber doch mit dem Bewußtsein einer guten Tat nach dem Ewer zurück , mit den Mehltüten unter dem Arm , rief Störtebeker , der auf einem Eiswagen saß und an einem getrockneten Petermantje kaute , und setzte die Segel auf . Hein Mück bekam zwischen Großsegel und Besan seinen Segen . » Segg mol , Hein , schriffst du denn keeneenmol no Hus ? Dien gode Moder weet gornix van di af : wat is dat eegentlich ? « » Och , dat ole Schrieben , keen hett dor Lust to « , sagte der Koch leichthin , aber damit bekam er den ganzen Ewer gegen sich , sogar Seemann bellte ihn aus , und sie ruhten nicht eher , bis er in die Kapp stieg und schnell einige Zeilen schrieb , die Störtebeker dann noch zwischen dem Losmachen der Taue nach dem Fischerhaus trug . * * * Die Weserfahrerei war aber noch nicht beendet , denn Klaus Mewes mochte sich kein Geld von Gesa schicken lassen , um sie nicht unruhig zu machen . Er hatte deshalb die große Haverei noch nicht ganz bezahlen können . Und weil es ihm ein Greuel war , Schulden zu haben , wie es ihm ein Greuel war , geflickte Segel am Mast oder geflickte Hosen am Leibe zu haben , so segelte er weiter nach der Weser und trug die Rechnungen ab . Auch war ihm bange , daß Gesa den Jungen zurückverlangte . * * * Einmal lagen sie im Alten Hafen zu Bremerhaven vor der Fischauktionshalle , da machten Kap Horn und Störtebeker eine schöne Reise : sie gingen zu Fuß nach dem Neuen Hafen . Dort lag hinter den weißen Lloyddampfern und den englischen Baumwollkasten ein großes Segelschiff , und das war Kap Horns alte Bark » Elisabeth « , auf der er lange Jahre gefahren hatte . Piekfein hatte der alte Jantje sich gemacht , als er mit dem Jungen an Bord ging , um seinen alten Käppen zu begrüßen . Unter dem Arm trug er einen Beutel voll Fische , mit denen er ihn erfreuen wollte , denn er hing noch immer an dem Ollen , an sien Vadder . Als sie am Fallreep standen , erstaunte Störtebeker sehr über die himmelhohen Masten und über die mächtigen Rahen , denn so nahe hatte er ein großes Schiff noch nicht gesehen , am meisten aber mußte er sich über die vielen Taue wundern , aus denen er gar nicht klug werden konnte . Dann betraten sie den hohen , grauen Windjammer . Der Alte war an Bord und freute sich über seinen alten Vollmatrosen . Obgleich der eigentlich vor den Mast gehörte , nahm er ihn doch sogleich mit nach dem geheiligten Achterdeck . Und sie kamen in ein langes Schimannsgarn von alten und neuen Zeiten , von alten und neuen Schiffen , von alten und jungen Seeleuten . Störtebeker lehnte erst , etwas benommen von dem ungeheuer langen Deck , an der Reling und hörte mit fremden Augen zu , dann aber untersuchte er das Schiff genauer , maß und klopfte , befühlte und besah . Er ließ sich von dem Koch , einem vergnügten Dicken , ins Verhör nehmen und lauerte sich einen Löffel Labskaus weg , dann aber getraute er sich nach dem Vorderdeck und peilte das Logis . Auf der Back saßen die Matrosen , die keine Landwache genommen hatten , und klönten . Einer spielte leise auf einer Mundharmonika und machte große Augen . Über dem Vortopp aber stand der gelbe Mond und spiegelte sich auf dem blanken Wasser des Hafens , und jenseits des Weserdeiches blinkten die Leuchtfeuer . Schweigend lagen die Dampfer in langen Reihen . Alle Arbeit schwieg . Einzelne Matrosen gingen auf der Kaje vorbei , um die Stadt und ihre Freuden aufzusuchen . Störtebeker sah alles mit an und machte sich mancherlei Gedanken darüber , wenn auch das meiste noch durch seinen Kopf ging wie ein Traum . So blicken wir , wenn wir Menschen durch unsern Garten kommen sehen , die wir noch nicht kennen : wer sind sie , und was wollen sie von uns , bringen sie Gutes oder Schlechtes , oder haben sie sich vielleicht nur in der Hausnummer versehen ? Erst guckten die Janmaaten nur wenig auf , als der Junge unter der Fockrah stand , als sie aber hörten , daß er Klaus Störtebeker hieß und ein kleiner Fischermann , ein Schollengreifer war , wurden sie lebendig , nahmen ihn in ihre Mitte und fragten ihn aus . Sie lachten über sein Finkenwärder Fischerplatt und versuchten , es nachzuahmen , sie zogen seine Seefestigkeit in Zweifel und verglichen den Fischerewer spottend mit einem Backtrog , der einen alten Kartoffelsack als Segel und einen Besenstiel als Mast hätte , aber Störtebeker ließ sich nicht verblüffen : mit springenden Augen verteidigte er den großen Ewer und die große Seefischerei und sprach so klug und seemännisch von Fahrt und Wind , daß sie sich verwunderten und mehrmals vor Erstaunen die Hände zusammenschlugen . Er zeigte auch , daß er von großen Schiffen etwas wußte und nannte Rahen und Masten beim richtigen Namen , er kannte Nocken und Pferde , Back und Poop , nur mit den Tauen konnte er noch nicht fertig werden , da war er eigentlich nur der Wanten und Pardunen und Brassen ganz sicher . » Un wo is Backbord ? « fragte der Zimmermann , ein Däne . » Dor frog dien Großmudder man no « , antwortete Störtebeker , » mi kannst ne förn Buern hebben . « Er blieb aber bei den Matrosen , bis Kap Horn ihn von achtern aussang . Der Segelmacher , der großes Gefallen an ihm gefunden hatte , - alle alten Seeleute sind wunderlich tiefe