Einhart auf den Glühfleck seiner Zigarette sah . Das Feuer flammte und die Scheite knackten . » Feuer ist schwer zu malen , « sagte Poncet endlich , weil er sich jetzt erinnerte , daß Einhart Maler war . » Gott ja , « sagte Einhart . Dann standen sie wieder , ehe sie sich auch einmal flüchtig in die Augen sahen . So begannen sie langsam zu fühlen , daß sie sich viel zu erzählen gewußt . Um so hartnäckiger schwiegen sie . Manchmal ist es mit Menschen so , daß ihnen beieinander plötzlich eine neue Frohheit und Freiheit kommt . Es drängt etwas auf aus jedem in jeden , gibt ein sanftes Gebundensein und zugleich eine seltsame Ruhe . Die Gesellschaft war ziemlich groß , die weiten Räume dehnten sich . In dem hintersten Eckzimmer spielten einige alte Herren an grünen Tischen . Im Mittelsaale schwatzte die Jugend durcheinander . Es war alles hellerleuchtet . Junge Frauen in erlesenen , bunten Seiden und Sammeten waren im Lichte blendend sichtbar . Hundert Gesichter schoben sich durcheinander , wenn man wie Einhart jetzt oder Poncet aus dem Halbdunkel des verlassenen Kaminzimmers durch die umhangenen Türen in die bewegte Menge hineinsah . Man sang jetzt im Musikzimmer ein Lied . Der Klang kam gedampft zu Einhart und zu Poncet . Die beiden sprachen noch immer kein Wort weiter . Der Klang tönte wie eine Vogelstimme . Die Melodie war ein wenig feierlich . Das Flackern und Zucken der Flammen im Kamin schien sich den Klängen anzuschmiegen . Einhart beobachtete unaufhörlich gespannt in das Feuer . » Sehen Sie einmal , « sagte er dann zu Poncet , » die Flammen scheinen mitzutun . « Poncet war solches Gefühl bis jetzt unbekannt . Wie wenn er nun plötzlich seine Fäden der Dinge , mit denen sie sich halten , blinken sähe . Er lächelte ein wenig , als er nun auch gespannt wie Einhart in das Feuer sah . So standen sie und standen . Im Raume waren gedämpfte Lichter . Bleiche Bilder in goldnen Rahmen hingen an Schnüren dämmernd an den Damastwänden . Man ging auf weichen Teppichen . Es war ein seines Duften aus Blumen und Parfums allenthalben . Einharts Sinne waren davon wie umnebelt . Er sah nur dann und wann wie aus einem Traum von den Düsterflammen in die lichten , fernen Gesichter , die in dem Glanz der Nebenräume sich bewegten . Auch Poncet erwachte ein paarmal richtig . » Sie sind ein Gelehrter ? « sagte Einhart dann zu Poncet . » Wissen Sie , daß das eine Tragik ist ? « sagte Poncet . Einhart setzte sich dabei lächelnd nieder . Auch Poncet . So blieben sie neu beieinander sitzen . » Eine Tragik ! « wiederholte Einhart . Die Vorstellung ging in ihn ein wie ein stiller Akkord , den er jetzt summen und summen hörte . » Sie lächeln , « sagte Poncet . » Aus Kummer ! « sagte Einhart . » Denn nicht wahr ? Wenn ich Sie richtig verstand , müssen Sie sich immer fliehen . Und Sie möchten sich finden . « » Ja , so ist es , « sagte Poncet . Dann fühlten beide neu die Flammen zucken und springen , als wenn sie mitsprächen in das heimliche Leben der Stunde von ihrem eigenen , heißen Erlebnis . Auch die Blicke der beiden Hineinstarrenden schienen von innen zu brennen . Endlich erhoben sie sich . Sie gingen gleichzeitig lässig in den Glanz der Gesellschaft zurück . Sie kamen sich wie geblendet vor und zögerten noch immer . Jedem schien es , als hätten sie von tiefen Dingen und Schicksalen Zwiesprach gehalten . Als hätte es einen heimlichen Zusammenklang gegeben , nicht bloß von Seele zu Seele , auch zu allerhand Wesen ringsumher . Zu Flammen und Stimmen und Lichtern im Raume . Und es kam einem jeden jetzt auch so vor , als wenn sie viel voneinander wüßten und sich einig fühlten über das ganze , rätselhafte Leben . 7 Alles , was Einhart so entgegenkam , erregte ihn lange und tief . Aber es machte ihn nicht zufrieden . Einen Menschen hatte er in Doktor Poncet gefunden . Das war an und für sich ein Ereignis . Zumal Poncet in seinem Fache tüchtig genug war , um zu glänzen , wenn er nur mit Wissen sich zufriedengegeben . Aber » der Wahn ist unserer Füße Schemel , « sagte Einhart . Und das dachte auch Poncet . So gab es gutes Miteinandersein . Und sie kamen auch voll überein , daß sie die Welt von verschiedenen Seiten , aber die eine Welt angefaßt . Poncet war seines Faches ein Mann , der nach den Gesetzen des Lebens der Vielen suchte . Und Einhart sehnte sich und suchte die Träume und Gesichte zu erschauen , die ihm sein eigenes Blut als Glück und Stillung verraten wollte . » Es sind nicht weniger Gesetze des tiefsten Lebens , « sagte Einhart zu Poncet , als sie sich ein jeder ein wenig an die Sprachweise des andern gewöhnt hatten . Sie waren jetzt oft beieinander . Als sie einmal in einer Schneenacht die Straße entlangspazierten , weil Poncet gekommen war , um Einhart aus seiner Arbeit herauszulocken , hatte Einhart noch immer seine Tafel vor Augen , und das Zwiegespräch der beiden war also arm und stumm nach außen , wie damals vor dem Kaminfeuer . Da hatte es eine flüchtige Beglänzung aus einer der schneebekappten Laternen mitten im Flockenfall so weise gefügt , daß Einhart in ein Paar der wunderlichsten Augen hineingesehen , die je unter einem Kapottehütchen zu ihm aufgeblitzt . Einhart war wie gefangen gleich . Er ging mit Poncet Arm in Arm . Denn Poncet liebte Einhart , und Einhart Poncet . Ein jeder , wie es kam , hatte bald , wenn sie so gingen , den Arm in den des andern vertraulich eingelegt . Nun eben war es , daß Einhart in der