nicht mehr in die Kirche setze ; sie solle ihn nie darum angehen , denn es helfe ihr nichts . Das schien ihr das Ärgste von allem . Sie versuchte es mit Bitten . Wenn er schon in Erlbach nicht gehe , so könne er ja in Webling die Messe hören , daß ihn die Leute nicht für einen Heiden anschauen dürften . Wie wolle er denn in der Beichte bestehen , wenn er keinen Sonntag mehr Amt und Predigt besuche ? Das wäre ihm keine Sorge , sagte der Schuller , weil er nicht mehr beichte . Aber wenn er die österliche Beichte versäume , sei er doch ausgestoßen aus der Kirche ! Das kümmere niemand wie ihn , und er frage blutwenig danach . Sie solle nach ihrem Gewissen leben , er rede ihr nichts ein . Aber in seine Sache solle sie sich nicht mischen , und er rede nicht mehr darüber . Da wußte sie , daß alles vergeblich war ; sie jammerte ihm nicht mehr vor , aber wenn sie allein in der Küche war , setzte sie sich neben den Herd und weinte in die Schürze hinein . Ihre kleine Welt war aus den Angeln gehoben . In der gab es neben der Arbeit nur die kirchlichen Feierlichkeiten . Sie hingen so zusammen mit allen Ereignissen , daß sie ihr notwendig schienen zum Leben . So war es doch immer gehalten worden , bei ihr daheim und in jedem rechtschaffenen Hause , daß die Eheleute miteinander zur Kirche gingen . Und fortan sollte sie allein den Weg machen ; nie mehr würde ihr Bauer neben ihr sein , nicht an den gebotenen Feiertagen , nicht an den hohen Festen . Sein Platz im Kirchenstuhle mußte leer bleiben , und die Nachbarinnen sollten spöttisch auf sie hinüberschielen . Das schien ihr , als wäre ihr alle Ehrbarkeit genommen . In der Schlafkammer lag unter einem Glassturze ihr Myrtenkranz . Einmal prangte sie mit ihm , als der Andreas Vöst vor dem Altare versprach , ihr christlicher Ehemann zu sein , bis der Tod sie scheide . Und wenn sie ihr zum zweiten Male den Kranz aufsetzten , dann war es an dem Tage , wo sie nach einem arbeitsamen Leben die Glieder streckte . Aber lebte derweilen noch ihr Bauer , dann stand er nicht hinter dem Geistlichen , der sie einsegnete , dann ging er nicht beim Gottesdienste als Erster zum Opfern und sprengte nicht Weihwasser auf ihr Grab , wenn er des Sonntags daran vorbei in die Kirche ging . So konnte sie nicht mehr ruhig sein im Leben und nicht im Sterben . Ihr Hauswesen war fortan nicht mehr geachtet . Alle bösen Mäuler im Dorfe konnten es lästern , und die richtigen Leute mußten es meiden . Zu Weihnachten ging es die Schullerin am härtesten an . Aus allen Häusern eilten die Leute in die Christmette ; in der kleinsten Hütte flammte um die Mitternacht ein Licht auf und irrte hinter den Fenstern hin und her . Wenn es erlosch , öffnete sich die Türe , und verhüllte Gestalten traten heraus . Auch die ganz Alten blieben nicht daheim ; sie wateten mühsam durch den Schnee und schleppten sich hustend bis zur Kirche . Die Ursula war mit den Ehehalten vorangegangen ; die Schullerin wartete noch und machte sich im Hause zu schaffen . Sie versuchte es noch einmal , ihren Bauern umzustimmen . » Heut ' ko ' st do gar it dahoam bleib ' n , scho weg ' n de Deanstbot ' n it . Da is ja koa Respekt nimmer im Haus ! « » Geh , und laß ma mei Ruah ! I mag den Menschen it sehg ' n. « » Du brauchst ' n ja it o ' schaug ' n ; du tuast as ja g ' rad weg ' n de Leut ' . « » Na , sag i. I geh ' net , und bal ' st du no lang red ' st , nacha kimmst selm z ' spat . « » Da Haberlschneider sagt ' s aa , du gibst an Pfarra bloß a G ' leg ' nheit , daß er schlecht reden ko über di . « » Wenn dös da Haberlschneider glaabt , is sei Sach ' . I glaab ' s anderst und bleib ' dahoam . « Und die Schullerin mußte allein gehen . Die Nacht war klar und kalt . Aus der Kirche drang helles Licht und legte sich auf die Schneedecke . Und leuchtete weithin in die Gassen und Winkel und zu den Hügeln hinauf , von denen eilige Menschen herunterkamen . Sie schritten über die Felder dem Lichte zu , wie vor vielen hundert Jahren die Hirten , denen die frohe Botschaft verkündet wurde . » Heute ist euch der Erlöser geboren worden . Ihr werdet ein Kindlein finden , das in einer Krippe liegt . « Da verließen sie ihre Herden und eilten , um das Ereignis zu sehen . Es muß wohl ein armer Häusler gewesen sein , bei dem der Herr Joseph eingekehrt war . Bloß ein Ochs und ein Esel standen hinter dem Barren ; kein Roß fraß von der Raufe , keine Kuh lag auf der Streu . Der Stall war niedrig und eng , daß er die Wärme hielt für das wenige Vieh . Und weil die Hirten keinen Platz darin hatten , blieben sie an der Türe stehen . Das Kindlein lag nackend , wie es zur Welt gekommen war , und die Magd des Herrn kniete davor und faltete fromm die Hände . Man sah ihr das Leiden an , denn sie ist gar ein zartes Frauenzimmer gewesen und hat noch in den Wehen herumirren müssen , bis sie endlich das Obdach fanden . Der Joseph ist sorgsam dabei gestanden in zwiefacher Sorge um die Mutter und das Kind ; wenn er seine schwieligen Hände zum Beten zusammenlegte , hat er in