welche bekommen kann . « Er hatte seinem lieben , guten Herzen Luft gemacht , trug die Schuhe in das Zimmer und ging dann , eine Wasserpfeife zu rauchen . Das und eine kleine arabische Tasse Kaffee dazu , zusammen für ihn kaum mehr als zehn Pfennige kostend , war die einzige Luxusausgabe , welche er sich gestattete . Wie kommt es wohl , daß nur » unkultivierte « Menschen so bescheiden und zufrieden sind ? ! Am nächsten Frühmorgen wurde ein Spazierritt unternommen , von welchem wir erst gegen Mittag heimkehrten . Nach dem Tiffin ging ich nicht aus , sondern blieb daheim . Ich bin ein eigentümlicher Mensch . Ich kann mich einem Gedanken , welcher mich beschäftigt , niemals eigenmächtig entziehen , sondern ich bin so lange sein Eigentum , bis ich ihn vollständig erledigt habe . Es ist , als stehe ein unsichtbares Wesen bei mir , welches auf diese Erledigung warte und , wenn sie erfolgt ist , mich mit einem Gefühle der Befriedigung belohnt , welches mich mehr als Trank und Speise stärkt . Ich fühle mich dann , selbst nach langer anstrengender Arbeit , während welcher ich nichts genieße , nicht nur geistig , sondern auch körperlich so befriedigt , daß ich kein Bedürfnis nach materieller Nahrung habe . Ist es bloß der Magen , der den Menschen ernährt ? Oder findet das , was wir Stoffwechsel nennen , auch noch auf eine andere , geheimnisvolle Weise statt ? Ich kann , wenn ich geistig beschäftigt bin , recht gut mehrere Tage ohne Essen und auch Trinken sein , ohne Hunger oder Durst zu spüren . Man sollte diese Erfahrung aufmerksam verfolgen ; vielleicht käme man dadurch auf eine ganz unerwartete Erklärung des Bibelwortes , daß der Mensch nicht allein vom Brote lebe ; denn , offen gestanden , mache ich die erwähnte Beobachtung meist dann , wenn ich von religiösen Fragen beschäftigt werde . Man wird wahrscheinlich über mich lächeln ; ich aber würde mich freuen , wenn ich von anderer Seite erführe , daß ich nicht der Einzige bin , der daran zweifelt , daß der Mensch seine körperliche und geistige Entwickelung nur allein dem Verdauungskanale zu verdanken habe . Die gestrige Beschäftigung mit dem Aufenthalte und der Krankheit des amerikanischen Missionars hatte Alles , was in meinem Innern zu ihm in Beziehung stand , wieder in den Vordergrund gezogen , und da stellte es sich denn heraus , daß ich diesem Gegenstande die Erledigung eines Gedankens schuldig geblieben war . Dieser Gedanke war freilich kein sehr wichtiger , und so hatte es kommen können , daß er einstweilen auf die Seite geschoben werden konnte ; jetzt aber machte er sich wieder geltend , und jenes unsichtbare Wesen stand hinter mir und mahnte mich unaufhörlich , diese Lücke auszufüllen . Ich hatte diese Mahnung schon gestern abend in mir gespürt , war während der Nacht einige Male von ihr aufgeweckt worden , und während des heutigen Rittes hatte sie mich hin- und zurückbegleitet , um mich nun daheim festzuhalten , damit ich daran gehen möge , mich von ihr zu befreien oder , was wahrscheinlich richtiger ist , sie endlich wieder freizugeben . Es handelte sich , wie gesagt , um nichts Großes , sondern nur um das Gedicht » Tragt Euer Evangelium hinaus « , und wer nicht weiß , was im Seelenleben ein unvollendeter Gedanke zu bedeuten hat , der wird es nicht begreifen , daß man sich von so Etwas beunruhigen lassen kann . Wer aber gewöhnt ist , seinen geistigen Himmel immer rein , klar und licht zu sehen , dem wird jeder nur halb fertig gedachte Gedanke zu einer Wolke , welche ihn nicht nur direkt stört , sondern auch auf alle seine anderen Gedanken ihren Schatten wirft . Wenn wir von einem Lichte der innern Welt des Menschen sprechen , so meinen wir damit jene Alles durchdringende und das Einzelne zum Ganzen fügende Logik , welche den Geist von der Materie zu scheiden und ihn sich anzueignen hat . Diese Logik duldet nichts Unfertiges , nichts Halbvollbrachtes , weil sie nur aus dem Klargewordenen zu neuer Klarheit schreiten kann . Da gibt es nichts Unwichtiges , nichts Nebensächliches , was man im Dunkel , ohne daß es schadet , liegen lassen darf . Freilich , wer in der Weise nur für das Aeußere lebt , daß er für diese innere Welt keine Zeit und kein Verständnis hat , oder wer gar ein so grasser Materialist ist , daß er nicht ansteht , eine unendlich reiche Schöpfung , die er in sich trägt , zu leugnen , dem kann keine Wolke seinen Himmel stören , weil er eben keinen Himmel hat . Es war mir , als ob dieses Gedicht ein notwendiger Teil meines Verhältnisses zu Wallers sei , als ob ich es unbedingt vollenden müsse , wenn dieses Verhältnis so , wie sein Anfang es versprochen hatte , sich ausgestalten sollte , und so nahm ich mir vor , heute Nachmittag der fertigen ersten Strophe die noch fehlende zweite hinzuzufügen . Aber ob es mir gelingen werde , das wußte ich freilich nicht , denn ich verstehe unter » Dichten « nicht das , was tausend Andere damit meinen . Aber , sonderbar , kaum hatte ich das Papier vor mich hingelegt , so war es mir , als ob jenes » unsichtbare Wesen « mir die nötigen Worte zuflüstere . Ich brauchte die erste Strophe gar nicht erst wieder zu zergliedern , um ihr die zweite logisch folgen zu lassen , und es dauerte wohl kaum zehn Minuten , so hatte ich geschrieben : » Tragt Euer Evangelium hinaus , Indem Ihrs lebt und lehrt an jedem Orte , Und alle Welt sei Euer Gotteshaus , In welchem Ihr erklingt als Engelsworte . Gebt Liebe nur , gebt Liebe nur allein ; Laßt ihren Puls durch alle Länder fließen ; Dann wird die Erde Christi Kirche sein Und wieder eins von Gottes Paradiesen !