nicht völlig erdenfrei ? So türmt man doch nur Festungen empor , von welchen aus man blutig herrschen will ! Wozu Tyrannensitze für den Vater , der liebend zu den Kindern niedersteigt , wenn im Gebete sie ihn zu sich rufen ? Indem ich dieses frage , muß ich an jene alte Sage denken , die von Chodeh , dem Eingemauerten berichtet . Kennst du sie schon , Effendi ? « » Nein . « » So laß sie dir erzählen ! « Sie schaute zu den Ruinen hinüber , nickte wie unter einem heimlichen Gedanken vor sich hin und begann sodann : » Das war zu jener Zeit , als der Teufel auf den Gedanken kam , Baumeister zu werden . Er zeichnete viele tausend Pläne , aber keiner war ihm fromm genug . Da sah er ein , daß man jedes Fach , also auch dieses , erst nach und nach zu erlernen habe , und beschloß darum , zu den Menschen in die Schule zu gehen . Da er von unten zu beginnen hatte , so begab er sich zunächst zu einem Volke , welches nur auf Felsen baute . Als seine Zeit bei diesem vorüber war , suchte er ein anderes auf , welches ungeheure Steine aus dem Felsen brach , um sie zu Mauern aufeinander zu türmen . Bei einem dritten Volke lernte er Ziegel streichen und mit Asphalt zu Gebäuden vereinigen , die von scheinbar ewiger Dauer waren . Bei einem vierten richtete er sich auf riesenhafte Pfeiler und Säulen ein , welche selbst unter den schwersten Lasten nicht zusammenbrachen . Bei einem fünften hörte er zum erstenmal von Schönheit sprechen . Die Säulen bekamen freundlichere Gestalt , und die bisher platten Dächer hoben sich empor . Beim sechsten kam der Schmuck dazu und das Bedürfnis , Licht im Raum zu haben . Ein siebentes sah auf die äußere Gestalt und forderte für jedes Bauwerk andre Formen . So legte er sich also auf den Stil und weiter noch auf alles , was sonst noch nötig war . Und als er dann vor seiner Meisterprüfung stand , an was für Bauten hatte er , der Teufel , sich geübt ? Was glaubst du wohl , Effendi ? « » Erlaube mir , zu hören , nicht zu raten ! « antwortete ich . » An lauter frommen Werken , die nur zur Ehre dessen errichtet worden waren , für den der Teufel nichts als Haß besitzt . Zwar hatte wohl auch die Frömmigkeit gewollt , denn fromm erscheinen , fördert selbst den Teufel , doch wirklich fromm zu sein , daran geht er zu Grunde . Drum war sein Haß jetzt gar zum Grimm , zur stillen Wut geworden , weil alle diese Bauten der Wahrheit dienten , aber nicht dem Scheine , und er beschloß , in seinem Meisterstück ein Werk zu schaffen , bei welchem alles Schein , nichts aber Wahrheit sei . Er ging in jenes Felsenland zurück , wo er die Lehre einst begonnen hatte , denn dort war Gott ein lieber Himmelsgast und ließ sich oft bei seinen Menschen nieder . Er saß so gern bei ihnen , licht und hehr im offnen Alabasterberg , sich seiner Sonne freuend . Da kamen sie herbei , die er geschaffen , sie alle , groß und klein von seiner eignen Hand den Segen zu empfangen . Sie liebten ihn ; sie gönnten ihn auch andern ; die Eifersucht auf Gott und auf die Seligkeit war ihnen unbekannt . In diesen Menschheitsfrieden trat der Andre , den es gelüstete , sein Meisterstück zu machen . Er brachte seine Scharen , die ihm dienen , und ließ den Neid der Hölle rings verbreiten . Als dann der Herr im Morgenrot erschien , um wieder einen Erdentag zu weilen , da drangen alle , alle auf ihn ein , nur hier bei ihnen noch , sonst nirgends zu erscheinen ; die andern Menschen seien es nicht wert . Da neigte er das Haupt und ging betrübt von dannen . Er sprach den Segen nicht , sprach überhaupt kein Wort . Der Andre aber sprach : Wißt ihr noch nicht , daß Gott sich zwingen läßt ? Was ist die Bitte wert , wenn sie nicht zeigt , daß sie auch wirklich will ! Beweist ihm euern Ernst , so muß und wird er tun , was ihr begehrt . Ich will euch euern wahren Gott verschaffen ; die andre Welt mag andre Götter haben ! Nun sandte er den Neid in Scharen aus , herbeizuschleppen , was er vorbereitet . Und als das nächste Morgenrot erschien , nahm er die göttliche Gestalt des Höchsten an und kam , den frommen Schein ins Werk zu setzen . Er ließ sich licht und hehr im Berge nieder und lächelte voll Huld den Menschen zu . Und als sie ihre Bitte wiederholten und ernsten Nachdruck auf die Worte legten , sprach er im Tone väterlicher Güte : Ich prüfte euch ; drum war ich gestern still ; heut aber sag ich euch , ihr habt bestanden . Die Macht der Frömmigkeit ist größer als die meine . Drum nehmt mich hin als euer Eigentum . Ich will nun euch und niemand sonst gehören ! Da flogen die Quader herbei , die Säulen , die Steine , die Ziegel . Der Felsen gab das Fundament ; die Mauer klammerte sich fest ; sie wuchs empor . Der Teufel saß als Gott im Heiligtume . Doch seine Scharen regten sich , ihn eiligst für das Volk hier einzumauern . Das Bauwerk stieg ihm immer höher , bis an den Leib - - - bis an die Brust - - - bis an den Hals ! Und betend lag dabei die Andacht auf den Knieen ! Der Kopf verschwand nun auch . Fast war der Berg verschlossen . Da schwang ein dunkler Flederhäuter sich aus der letzten Oeffnung und flatterte in das Verschwundensein . Und in demselben Augenblick erschien der