dieser , bald auf jener Seite . Schon nach kurzer Zeit kam es mir vor , als ob sie sich nicht immer gleich , sondern in bemerkbaren Pulsen vorwärts bewege . Wahrscheinlich hatte man sie seit langem nicht mehr geübt , im Geheimnisse zu rennen , und darum wurde ihr nun jetzt die Lunge kurz und schwer . Dazu kam , daß der Reiter kein Mann für ein Pferd dieser Gattung war . Ob man überhaupt gewohnt ist , einen Fakir reiten zu sehen , mag hier Nebensache sein . Mit Sallab mußte es in dieser Beziehung eine ganz besondere Bewandtnis haben . Aber er saß jetzt während des Geheimnisses nicht anders als bei einem ganz gewöhnlichen Galopp im Sattel . Ich vermutete , daß er seine eigne Lunge nicht zu regulieren und dem Pferde überhaupt keine Erleichterung zu geben wisse . Eine innere Fühlung zwischen ihm und dem Tiere gab es nicht , denn ich sah , daß er , um Steinen und anderen Hindernissen auszuweichen , die Zügel zu Hilfe nahm . Das thut man doch nicht , wenn die Energie des Reiters mit der seines Pferdes in guter , innerlicher Verbindung steht ! Wie wunderbar glatt und gleich ließ dagegen Assil seine Kräfte spielen . Das war es ja : es glich einem Spiele , keiner Anstrengung . Es war , als ob er nicht mehr Körper , sondern nur noch Willen sei . Er ging über Löcher und Steine hinweg , oder er vermied sie , ohne daß seine Rückenlinie sich dabei zu heben oder zu senken schien . Der Schlag seiner Hufe wettete an Regelmäßigkeit mit dem Ticken einer Uhr . Die Mitte seiner Stirn wich keinen Augenblick lang und keinen Zoll breit von der Gesamtrichtung seines Körpers ab . Von seinem Atem war kein Hauch zu spüren . Die Schnelligkeit , von der ich vorhin sprach , war nicht mehr da ; an ihre Stelle war die Unbegreiflichkeit getreten . So kam ich dem Fakir näher und immer näher . Er drehte sich immer öfter um und begann , das Pferd zu schlagen . Ich war kaum zehn Längen hinter ihm , als er die Unvorsichtigkeit beging , es auch noch mit den Füßen zu bearbeiten . » Halt ein ! « rief ich ihm zu . » Im Geheimnisse schlägt und stößt man nie ein Pferd ! « Kaum hatte ich dies gesagt , so bewahrheitete es sich . Die Stute gab ihre Windeseile auf , fiel in Galopp , that einen Seitensprung , einen zweiten wieder zurück , und - - - der Fakir flog aus dem Sattel ! Ich schoß sofort weit über ihn hinaus , gab aber schnell das Zeichen und nahm mit dem Zurufe Andak ! 59 das Geheimnis wieder zurück . Fast noch im Fluge ging Assil einen Bogen , fiel dabei durch Galopp und Trab in Schritt und blieb da stehen , wo der Fakir von der Erde aufstand und sich prüfte , ob und wo er vielleicht Schaden genommen habe . » Warum bist du vor uns geflohen ? « fragte ich ihn , indem ich abstieg . » Sihdi , dein Pferd ist kein Pferd , sondern ein Dschinni60 ! « antwortete er . » Ich habe dich nicht nach meinem Pferde gefragt ! Bist du verletzt ? « » Nein . Allah sei Dank ! « » So hole Sahm herbei ! « » Sahm ? « fragte er erstaunt . » Du kennst den Namen dieser Stute ? « » Ich weiß noch mehr , mehr als du denkst . Aber eins weiß ich nicht und kann es nicht begreifen : Warum bist du vor uns erschrocken und hast die Flucht ergriffen ? « » Weil - - weil - - « Er sprach nicht weiter , sah mir forschend ins Gesicht und senkte dann den Kopf . Da trat ich nahe zu ihm hin und sagte : » Du scheinst früher von dem Scheik der Haddedihn und mir gehört zu haben ? « » Ja . « » Gutes oder Böses ? « » Nur Gutes . « » Und hältst uns doch für schlimme Menschen ? « » Nein . « » Doch ! Denn gute Menschen flieht man nicht ! « » So lange sie gut sind , ja ! « » Sind wir es etwa nicht mehr ? « » Ist der Mensch noch gut , wenn er sich in den Dienst der Bösen stellt ? « » Meinst du die Dinarun ? « » Ja . « » Wir stehen nicht in ihrem Dienste ! « » Aber in ihrer Freundschaft . Und die Freundschaft solcher Leute macht den besten Ruhm zunichte . « » Deine Worte klingen mir unverständlich ; aber sie haben große Aehnlichkeit mit der Warnung , die mir meine Ahnung gab . Vor allen Dingen muß ich dir sagen , daß wir nie beabsichtigt haben , die Freunde böser Menschen zu sein - - - « Ich wurde unterbrochen , weil Halef kam . Er ritt neben dem andern Fakir . Beide unterhielten sich , als ob sie sich im herzlichsten Einverständnisse miteinander befänden . Sobald er mich erblickte , rief er mir zu : » Assil hat gesiegt ? « » Ja , « antwortete ich . » Ich wußte es ! Warte , was ich dir zu sagen habe , Sihdi ! Es ist von größter Wichtigkeit . « Er trieb seinen Barkh an , sprang , als er uns erreicht hatte , ab und fuhr eifrig fort : » Hier werden wir uns niedersetzen , um Beratung zu halten . Weißt du , Sihdi , wer und was unsere Dinarun sind ? « » Nun ? « » Wir sind dumm gewesen , ganz unendlich dumm ! Sie sind gar keine Dinarun , sondern Ausgestoßene , Ausgestoßene aus allen Stämmen , die es in dieser Gegend giebt . Jeder Mensch , der ein Verbrechen , eine schlechte That begangen und sich