! Hüten Sie Ihre Zunge ! sagte Klotilde mit einem gewaltsamen Versuch , die vornehme Dame herauszukehren . Hüten Sie Ihre hochmütige Fratze ! schrie Klara , mit funkelnden Augen und gespreizten Händen vor sie hintretend , so daß sie abermals erschrocken zurückwich . Sehen Sie mich nicht an , als wäre ich verrückt ! Danken Sie Gott , daß ich es nicht bin ! Oder ich schlüge Ihnen meine Nägel in Ihre geschminkten Backen und zeichnete Sie , wie Sie es verdienen ! Genug ! sagte Klotilde , jetzt mit Entschlossenheit auf die Thür zugehend . Aber sie hatte noch nicht zwei Schritte gemacht , als sie von Klara am Handgelenk gepackt und mit solcher Kraft zurückgeschleudert wurde , daß sie , vor Schmerz stöhnend , auf dem Sofa zusammenknickte . Aber auch Klaras tobende Wut schien gebrochen . Sie fuhr sich mit beiden Händen an den Kopf , auf dem unter dem verdrückten Hut das gelbblonde , krause Haar in wirren Strähnen hervorquoll , und murmelte : Was habe ich nur gewollt ? was habe ich nur gewollt ? Plötzlich ließ sie die Hände wieder fallen . Ihr vorher gerötetes Gesicht war todbleich ; ihre tief in die Höhlen zurückgesunkenen Augen hatten einen gläsern starren Ausdruck , und ihre Stimme , als sie nun wieder zu sprechen anhub , klang unheimlich ruhig : Das war ' s ! Meinen Mann , dem ich vor einer Stunde die Augen zugedrückt habe , konnten Sie mir nicht wiedergeben ; unseren verwaisten Kindern nicht ihren Vater . Aber ohne meinen Fluch sollen Sie doch nicht weiter leben . Kokettieren und grimassieren und buhlen Sie nur so weiter - seien Sie sicher , mein Fluch begleitet Sie auf Tritt und Schritt ! Und der blutige Schatten des , dem Sie sein frühes Grab gegraben haben . Ja , verflucht , tausendmal verflucht sei fortan Ihr Leben ! Es müßte keinen Gott im Himmel geben , bliebe das ungehört . Sie hatte sich zu Adele gewandt : Man sagte mir , daß Sie eine gute Frau sind , Sie würden auch sonst nicht so weinen . Dann jagen Sie die da von Ihrer Schwelle ! Die gehört in kein reines Haus . - Leben Sie wohl ! Erlauben Sie , gnädige Frau , daß ich Sie begleite ! Elimar stand in dem Zimmer , in Uniform , den Säbel an der Seite , die Mütze in der Hand , wie er vor einer Minute in sein Arbeitskabinett vom Flur aus getreten war . Niemand hatte ihn komme hören . Wer sind Sie ! sagte Klara , einen irren Blick auf ihn heftend . Ein Freund , erwiderte Elimar , den sie nicht zurückweisen werden . Sie bedürfen jetzt eines Freundes . Bitte , nehmen Sie meinen Arm ! Es war ein so herzlicher Klang in seiner tiefen Stimme . Klara schaute zu der hohen Gestalt hinauf - nicht mehr irr : mit großen Augen , aus denen plötzlich die Thränen stromweis stürzten . Sie hatte seine Hand ergriffen und wollte sie an ihren Mund drücken . Nicht doch ! nicht doch ! sagte er abwehrend . Kommen Sie ! Er hatte ihren Arm in den seinen gelegt und mit ihr das Zimmer verlassen , Adelen mit den Augen winkend . Für Klotilde hatte er keinen Blick gehabt . Die Flurthür war gegangen , auf dem Korridor war es wieder still . Adele , unfähig zu sprechen , hatte sich über ihren Nähkorb gebeugt , in den von ihren Wimpern Tropfen um Tropfen fiel . Plötzlich schreckte sie auf bei einem seltsamen Schrei , der hinter ihr erscholl und halb wie lautes Schluchzen , halb wie gellendes Lachen klang . Klotilde lag vor dem Sofa auf den Knieen ; das Gesicht in die flachen Hände pressend , während der schlanke Leib in krampfhaftem Weinen zuckte .