» Wie meinst du das ? « » Daß er fort ist . Er sagt eigentlich immer dasselbe . Wenn er wieder da ist , wird er wenigstens vorübergehend was Neues zu sagen haben . « Innstettens Blick flog scharf über sie hin . Aber er sah nichts , und sein Verdacht beruhigte sich wieder . » Ich will auch fort « , sagte er nach einer Weile , » sogar nach Berlin ; vielleicht kann ich dann , wie Crampas , auch mal was Neues mitbringen . Meine liebe Effi will immer gern was Neues hören ; sie langweilt sich in unserm guten Kessin . Ich werde gegen acht Tage fort sein , vielleicht noch einen Tag länger . Und ängstige dich nicht ... es wird ja wohl nicht wiederkommen ... , du weißt schon , das da oben ... Und wenn doch , du hast ja Rollo und Roswitha . « Effi lächelte vor sich hin , und es mischte sich etwas von Wehmut mit ein . Sie mußte des Tages gedenken , wo Crampas ihr zum erstenmal gesagt hatte , daß er mit dem Spuk und ihrer Furcht eine Komödie spiele . Der große Erzieher ! Aber hatte er nicht recht ? War die Komödie nicht am Platz ? Und allerhand Widerstreitendes , Gutes und Böses , ging ihr durch den Kopf . Den dritten Tag reiste Innstetten ab . Über das , was er in Berlin vorhabe , hatte er nichts gesagt . Einundzwanzigstes Kapitel Innstetten war erst vier Tage fort , als Crampas von Stettin wieder eintraf und die Nachricht brachte , man hätte höheren Orts die Absicht , zwei Schwadronen nach Kessin zu legen , endgültig fallenlassen ; es gäbe so viele kleine Städte , die sich um eine Kavallerie-Garnison , und nun gar um Blüchersche Husaren , bewürben , daß man gewohnt sei , bei solchem Anerbieten einem herzlichen Entgegenkommen , aber nicht einem zögernden zu begegnen . Als Crampas dies mitteilte , machte der Magistrat ein ziemlich verlegenes Gesicht ; nur Gieshübler , weil er der Philisterei seiner Kollegen eine Niederlage gönnte , triumphierte . Seitens der kleinen Leute griff , beim Bekanntwerden der Nachricht , eine gewisse Verstimmung Platz , ja selbst einige Konsuls mit Töchtern waren momentan unzufrieden ; im ganzen aber kam man rasch über die Sache hin , vielleicht weil die nebenherlaufende Frage , » was Innstetten in Berlin vorhabe « , die Kessiner Bevölkerung oder doch wenigstens die Honoratiorenschaft der Stadt mehr interessierte . Diese wollte den überaus wohlgelittenen Landrat nicht gern verlieren , und doch gingen darüber ganz ausschweifende Gerüchte , die von Gieshübler , wenn er nicht ihr Erfinder war , wenigstens genährt und weiterverbreitet wurden . Unter anderem hieß es , Innstetten würde als Führer einer Gesandtschaft nach Marokko gehn , und zwar mit Geschenken , unter denen nicht bloß die herkömmliche Vase mit Sanssouci und dem Neuen Palais , sondern vor allem auch eine große Eismaschine sei . Das letztere erschien , mit Rücksicht auf die marokkanischen Temperaturverhältnisse , so wahrscheinlich , daß das Ganze geglaubt wurde . Effi hörte auch davon . Die Tage , wo sie sich darüber erheitert hätte , lagen noch nicht allzuweit zurück ; aber in der Seelenstimmung , in der sie sich seit Schluß des Jahres befand , war sie nicht mehr fähig , unbefangen und ausgelassen über derlei Dinge zu lachen . Ihre Gesichtszüge hatten einen ganz anderen Ausdruck angenommen , und das halb rührend , halb schelmisch Kindliche , was sie noch als Frau gehabt hatte , war hin . Die Spaziergänge nach dem Strand und der Plantage , die sie , während Crampas in Stettin war , aufgegeben hatte , nahm sie nach seiner Rückkehr wieder auf und ließ sich auch durch ungünstige Witterung nicht davon abhalten . Es wurde wie früher bestimmt , daß ihr Roswitha bis an den Ausgang der Reeperbahn oder bis in die Nähe des Kirchhofs entgegenkommen solle , sie verfehlten sich aber noch häufiger als früher . » Ich könnte dich schelten , Roswitha , daß du mich nie findest . Aber es hat nichts auf sich ; ich ängstige mich nicht mehr , auch nicht einmal am Kirchhof , und im Walde bin ich noch keiner Menschenseele begegnet . « Es war am Tage vor Innstettens Rückkehr von Berlin , daß Effi das sagte . Roswitha machte nicht viel davon und beschäftigte sich lieber damit , Girlanden über den Türen anzubringen ; auch der Haifisch bekam einen Fichtenzweig und sah noch merkwürdiger aus als gewöhnlich . Effi sagte : » Das ist recht , Roswitha ; er wird sich freuen über all das Grün , wenn er morgen wieder da ist . Ob ich heute wohl noch gehe ? Doktor Hannemann besteht darauf und meint in einem fort , ich nähme es nicht ernst genug , sonst müßte ich besser aussehn ; ich habe aber keine rechte Lust heut , es nieselt , und der Himmel ist so grau . « » Ich werde der gnäd ' gen Frau den Regenmantel bringen . « » Das tu ! Aber komme heute nicht nach , wir treffen uns ja doch nicht « , und sie lachte . » Wirklich , du bist gar nicht findig , Roswitha . Und ich mag nicht , daß du dich erkältest , und alles um nichts . « Roswitha blieb denn auch zu Haus , und weil Annie schlief , ging sie zu Kruses , um mit der Frau zu plaudern . » Liebe Frau Kruse « , sagte sie , » Sie wollten mir ja das mit dem Chinesen noch erzählen . Gestern kam die Johanna dazwischen , die tut immer so vornehm , für die ist so was nicht . Ich glaube aber doch , daß es was gewesen ist , ich meine mit dem Chinesen und mit Thomsens Nichte , wenn es nicht seine Enkelin war . « Die Kruse nickte . » Entweder « , fuhr Roswitha fort ,