Bemerkung ablehnte , daß , wenn von solchen Dingen überhaupt die Rede sein könne , jeder Dankesanspruch auf Distelkamp falle , sagte Marcell : » Nun , dann also Distelkamp . Aber daß du mir ' s gleich geschrieben , dafür werd ich mich doch auch bei dir bedanken dürfen . Und noch dazu mit Rohrpost ! « » Ja , Marcell , das mit Rohrpost , das hat vielleicht Anspruch ; denn eh wir Alten uns zu was Neuem bequemen , das dreißig Pfennig kostet , da kann mitunter viel Wasser die Spree runterfließen . Aber was sagst du zu Corinna ? « » Lieber Onkel , du hast da so eine dunkle Wendung gebraucht ... ich habe sie nicht recht verstanden . Du schriebst : Kenneth von Leoparden sei auf dem Rückzug . Ist Leopold gemeint ? Und muß es Corinna jetzt als Strafe hinnehmen , daß sich Leopold , den sie so sicher zu haben glaubte , von ihr abwendet ? « » Es wäre so schlimm nicht , wenn es so läge . Denn in diesem Falle wäre die Demütigung , von der man doch wohl sprechen muß , noch um einen Grad größer . Und sosehr ich Corinna liebe , so muß ich doch zugeben , daß ihr ein Denkzettel wohl not täte . « Marcell wollte zum Guten reden ... » Nein , verteidige sie nicht , sie hätte so was verdient . Aber die Götter haben es doch milder mit ihr vor und diktieren ihr statt der ganzen Niederlage , die sich in Leopolds selbstgewolltem Rückzuge aussprechen würde , nur die halbe Niederlage zu , nur die , daß die Mutter nicht will und daß meine gute Jenny , trotz Lyrik und obligater Träne , sich ihrem Jungen gegenüber doch mächtiger erweist als Corinna . « » Vielleicht nur , weil Corinna sich noch rechtzeitig besann und nicht alle Minen springen lassen wollte . « » Vielleicht ist es so . Aber wie es auch liegen mag , Marcell , wir müssen uns nun darüber schlüssig machen , wie du zu dieser ganzen Tragikomödie dich stellen willst , so oder so . Ist dir Corinna , die du vorhin so großmütig verteidigen wolltest , verleidet oder nicht ? Findest du , daß sie wirklich eine gefährliche Person ist , voll Oberflächlichkeit und Eitelkeit , oder meinst du , daß alles nicht so schlimm und ernsthaft war , eigentlich nur bloße Marotte , die verziehen werden kann ? Darauf kommt es an . « » Ja , lieber Onkel , ich weiß wohl , wie ich dazu stehe . Aber ich bekenne dir offen , ich hörte gern erst deine Meinung . Du hast es immer gut mit mir gemeint und wirst Corinna nicht mehr loben , als sie verdient . Auch schon aus Selbstsucht nicht , weil du sie gern im Hause behieltest . Und ein bißchen Egoist bist du ja wohl . Verzeih , ich meine nur so dann und wann und in einzelnen Stücken ... « » Sage dreist , in allen . Ich weiß das auch und getröste mich damit , daß es in der Welt öfters vorkommt . Aber das sind Abschweifungen . Von Corinna soll ich sprechen und will auch . Ja , Marcell , was ist da zu sagen ? Ich glaube , sie war ganz ernsthaft dabei , hat dir ' s ja auch damals ganz frank und frei erklärt , und du hast es auch geglaubt , mehr noch als ich . Das war die Sachlage , so stand es vor ein paar Wochen . Aber jetzt , darauf möcht ich mich verwetten , jetzt ist sie gänzlich umgewandelt , und wenn die Treibels ihren Leopold zwischen lauter Juwelen und Goldbarren setzen wollten , ich glaube , sie nähm ihn nicht mehr . Sie hat eigentlich ein gesundes und ehrliches und aufrichtiges Herz , auch einen feinen Ehrenpunkt , und nach einer kurzen Abirrung ist ihr mit einem Male klargeworden , was es eigentlich heißt , wenn man mit zwei Familienporträts und einer väterlichen Bibliothek in eine reiche Familie hineinheiraten will . Sie hat den Fehler gemacht , sich einzubilden , das ginge so , weil man ihrer Eitelkeit beständig Zuckerbrot gab und so tat , als bewerbe man sich um sie . Aber bewerben und bewerben ist ein Unterschied . Gesellschaftlich , das geht eine Weile ; nur nicht fürs Leben . In eine Herzogsfamilie kann man allenfalls hineinkommen , in eine Bourgeoisfamilie nicht . Und wenn er , der Bourgeois , es auch wirklich übers Herz brächte - seine Bourgeoise gewiß nicht , am wenigsten wenn sie Jenny Treibel , née Bürstenbinder heißt . Rundheraus , Corinnas Stolz ist endlich wachgerufen , laß mich hinzusetzen : Gott sei Dank , und gleichviel nun , ob sie ' s noch hätte durchsetzen können oder nicht , sie mag es und will es nicht mehr , sie hat es satt . Was vordem halb Berechnung , halb Übermut war , das sieht sie jetzt in einem andern Licht und ist ihr Gesinnungssache geworden . Da hast du meine Weisheit . Und nun laß mich noch einmal fragen , wie gedenkst du dich zu stellen ? Hast du Lust und Kraft , ihr die Torheit zu verzeihen ? « » Ja , lieber Onkel , das hab ich . Natürlich , soviel ist richtig , es wäre mir ein gut Teil lieber , die Geschichte hätte nicht gespielt ; aber da sie nun einmal gespielt hat , nehm ich mir das Gute daraus . Corinna hat nun wohl für immer mit der Modernität und dem krankhaften Gewichtlegen aufs Äußerliche gebrochen und hat statt dessen die von ihr verspotteten Lebensformen wieder anerkennen gelernt , in denen sie großgeworden ist . « Der Alte nickte . » Mancher « , fuhr Marcell fort , » würde sich anders dazu stellen , das ist mir völlig klar ; die Menschen sind eben verschieden , das sieht man alle Tage