mit den Briefschaften und der Zeitung hinein . O Herr Schaumann , Herr Schaumann , von Amts wegen mußte ich ja auch tagtäglich , tagtäglich , tagtäglich da vorbei , wo - wo ich die Tat begangen habe . Von dem Elend half mir auch keiner , grade wie ich dem Andres auf der Roten Schanze nicht von seinem Verdruß meinetwegen helfen konnte ! - Nicht helfen konnte , Störzer ? - Nein , Herr , leider nicht ! Denn es war gegen die Natur . Ach Barmherziger , wenn ich es nur ausdrücken könnte , wie ganz und gar es gegen meine Natur war ! - Eine saubere Natur , Störzer ! - Wie oft , Herr , habe ich dasselbe mir gesagt , hier , wo wir sitzen , auf den Knien , wenn ich den Busch und die Straße für mich alleine hatte ! - Hier ? - Ja , hier im Papenbusch auf der Stelle , wo ich ' s ihm heimgezahlt habe , was er von Kindsbeinen an an mir gesündigt hatte . Wenn es über das rechte Maß dabei gegangen ist , so habe ich vor dem barmherzigen Gott die langen , langen Jahre schwer an der Verschuldigung und der Bangnis getragen . Es hat mir zu gar keinem Troste verholfen , was Kienbaum für ein Mensch und im besondern gegen mich gewesen ist . Ich habe es aber auch ja erst am andern Tage vernommen , was meine Tat gewesen ist ! Hätte ich ihn hier vor mir liegen sehen , hätte der Bauer von der Roten Schanze , der Herr Schwiegervater , wohl nicht meine Schuld auf sich zu nehmen brauchen : da hätten sie mich ganz gewiß bei der Leiche gefunden und mich gleich mit sich nehmen können vor den Richter . Die eine Nacht zwischen dem einen Abend und dem einen Morgen hat es gemacht , daß mich mein Gewissen doch verhältnismäßig in Ruhe gelassen hat , daß aber dafür mir und dem Herrn Papa die schwere , schwere Lebenslast aufgeleget worden ist . - Hm , hm , Störzer , es läßt sich hören , was Sie da sagen ; aber ein etwas zu gemütliches und jedenfalls sehr bequemes Gewissen ist ' s doch , was Sie in Ihrer Brust tragen . Ihre Posttasche da könnte ungefähr dieselben Gefühle wie Sie für den Inhalt der Briefschaften in ihr hegen . - Ich verstehe nicht recht , was Sie meinen , Herr Schaumann , und wie es in so schrecklichen Sachen mit anderen ist , weiß ich auch nicht ; aber eines weiß ich , daß es ja nun heraus ist und durch Ihre gütige Vermittelung die Menschheit sich ja nun wird beruhigen können . Und was den lieben Herrgott angeht , ach Gott , so muß ich mich in bitterer Reue damit vertrösten , daß er Kienbaum gekannt hat und mich in meinen jungen Jahren auch gekannt hat und besser als ein anderer Bescheid weiß , wie es gekommen ist . - Jawohl , aber besser Bescheid möchte doch auch ich jetzt darum wissen . - Was Sie nachher mit mir machen wollen , das liegt ja nun ganz bei Ihnen . Um mich selbst ist es mir nicht mehr - Kinder und Kindeskinder müssen aber zusehen , wie sie sich mit dem Geruch , den der alte Großvater ihnen hinterläßt , abfinden . So ein oder zwei Jahre fehlen wohl noch an der Verjährung . Ich dachte , ich brächte es noch bis dahin ! Aber das ist nun eben wieder mal ganz anders gekommen . Also , wenn auch nur des Herrn Schwiegervaters wegen , tun Sie , was Sie müssen , Herr Schaumann , und für recht halten ! - Darüber später . Erzählen Sie jetzt , wie die Sache war und sich zugetragen hat . - Ach , das ist es ja grade , daß da gar nicht viel zu erzählen ist , so schlimm es auch ausgegangen ist . Es ist nicht einmal über ein Mädchen oder über Geld und Geldeswert , wie es sonst zwischen anderen zugeht , zwischen uns beiden hergekommen . Es hat sich nur bloß gemacht durch den bösen Feind , wie es sich hat machen sollen . Wir sind nämlich in einem Alter , Kienbaum und ich , und haben in zwei Wiegen gelegen , die sozusagen Wand an Wand standen , und sind miteinander aufgewachsen und haben einer den andern ganz genau kennenlernen können . Es war nicht viel an ihm , Herr Schaumann , und es ist mir diese lieben langen Jahre durch manchmal wenigstens ein kleiner Trost gewesen , wenn ich dieses Wort über ihn auch aus anderer Munde habe vernehmen dürfen . - Ein sauberer Trost , unglückseliges Menschenkind ! - Jawohl , unglückseliges Menschenkind ! Da haben Sie recht ; aber dafür und dessenungeachtet und grade darum hat man wohl das Recht , jede Tröstung auf dem schweren Wege mitzunehmen . Herr , Herr , wie hat mir der meine Wege schwer gemacht von Kindsbeinen an , von Schulwegen an bis auf diese königliche Landstraße hier ! Er ist es gewesen , der mir auf der Schulbank den Schimpfnamen Storzhammel erfunden und für mein Leben angehängt hat . Er ist es gewesen , der mir von der Schulbank an von allen Menschen am meisten den Unterschied zwischen Armut und Wohlstand und zwischen einer langsamen Besinnlichkeit und einem hellen Kopf mit Bosheit und großem Maul zu erkennen gegeben hat . Herr , Herr , sein Blut klebt an mir , und ich will es heute noch durch meines gerne abwaschen , wenn das so wie jetzt so von selber sich macht , ohne mein Zutun : aber Herr , Herr , er - Kienbaum muß auch für das Seinige aufkommen , was er mir an Angst vor ihm und Zorn und Wut und Verdruß gegen ihn von Kindsbeinen an fast tagtäglich aufgelegt hat . Denn der liebe Herrgott hatte ihn ja auch in seinem Beruf