das Kind an mit einem Gemisch von Verlegenheit und Spott ; er wünschte sich weit weg von hier , er verfluchte seine Ungeduld . In liebevoll gehegter Erinnerung hatte er Maria immer nur so vor sich gesehen , wie sie war in der süßesten und siegreichsten Stunde seines Lebens . Er hatte die schönste Frau in Gedanken tausend- und tausendmal in seinen Armen gehalten . Das wahnsinnige Verlangen nach ihr , das ihn oft in der Fremde ergriffen , wuchs von Minute zu Minute , seitdem er den Boden der Heimat betreten hatte . Er zweifelte nicht - sie liebte ihn noch ; sie hatte immer nur ihn geliebt ; sie wartete seiner mit ebender Sehnsucht , mit der er ihr entgegengestrebt - - Und nun war ' s erreicht ; er stand am Ziel , und was es ihm bot , war eine grausame Enttäuschung , die zu verbergen ihm die Fassung fehlte . Langsam trat er näher und verbeugte sich stumm . Maria winkte Lisetten , den Knaben fortzuführen . Er sträubte sich , mußte aber gehorchen . Am Ausgange noch wandte er sich um und warf einen Blick voll Trotz und Mißtrauen auf Tessin . 21 Maria sah dem Kinde nach . Funken flimmerten vor ihren Augen ; ihr war , als ob die Wand , an der sie lehnte , schwankte ; als ob die kleinen runden Scheiben der Erkerfenster wie Kreisel wirbelten , platzten wie Seifenblasen ... Sie biß sich in die Lippen , sie wollte standhaft bleiben , sie wollte die Herrschaft behaupten über ihre schwindenden Sinne . - Einmal wieder rief ihr die Erinnerung das alte Zauberwort zurück : Nur ruhig ! » Wie dürfen Sie es wagen ? « stieß sie plötzlich hervor . » Was wollen Sie ? ... Warum haben Sie meine Antwort nicht abgewartet ? « » Welche Frage ... « erwiderte er , betroffen über diesen unerwarteten Empfang . » Aus Ungeduld , aus Sehnsucht . « » Nach dem , was Sie hier erwartet ? ... Oh ! « » Was mich hier erwartet ? Sie meinen den Schmerz , Sie leidend zu finden « - und furchtbar verändert , setzte er in Gedanken hinzu . Die widersprechendsten Gefühle kämpften in ihm , Mitleid , Groll , Trotz und Wehmut . Ihm schien jede Gunst erreichbar und jedes Glück - sollte er das seine nun suchen im Besitz einer verwelkten Frau ? ... Aber - es war doch sie ! sie , die ihm die heftigste Leidenschaft seines Lebens eingeflößt hatte ... Er fühlte von neuem ihren bestrickenden Einfluß und überließ sich ihm . Das Bewußtsein eines begangenen Frevels an diesem armen Weibe erwachte und zugleich - nur Lügner behaupten , daß er großmütiger Regungen unfähig sei - der Vorsatz , seine Schuld wiedergutzumachen . Noch immer hatte er dagestanden , den Hut in der Hand , und nahm jetzt unaufgefordert Platz , Maria gegenüber . Allmählich fand er die Züge , die ihm so teuer gewesen , in diesem bleichen Gesichte wieder . Es trug die Spuren von schweren Seelenqualen , die um ihn erduldet worden ... ein nicht geringes Genüge für seine Eitelkeit . - Tessin sprach einige Worte der Rührung und des Bedauerns ; sich selbst jedoch sagte er : Sie ist jung , sie wird genesen , sie wird wieder aufblühen in meinen Armen ; ich will der Gott sein , unter dessen Hauch ihre Wangen sich von neuem färben , ihre Lippen lächeln werden , der sie auferweckt und zurückführt zu allen Daseinswonnen . Er begann ihr seine unveränderte Liebe zu beteuern ; er erzählte von der Kunst , die er angewendet hatte , um sich immer in Kenntnis von allem zu erhalten , was sie betraf . So wußte er denn auch von ihrer » hochherzigen Verzichtleistung « und schwur , daß er den Anspruch , der ihm daraus erwuchs , geltend machen werde . Mit einer Art stumpfer Ergebung ertrug Maria seine Nähe , seinen unverwandt auf sie gerichteten Blick . Der ihre blieb so abwesend , so leer , daß sich Tessin eines Zweifels an der leichten Ausführbarkeit seiner göttlichen Sendung nicht erwehren konnte . In gereiztem , unwillkürlich herausforderndem Tone schloß er : » Sie haben Ihrem Sohne den Namen genommen , der ihm vor dem Gesetz zukam ; das kann nur in der Absicht geschehen sein , ihm dafür den Namen zu geben , der ihm in Wahrheit gehört - den meinen . « Jetzt machte sie eine heftig abwehrende Bewegung : » Ihm Ihren Namen geben und Ihnen dadurch ein Recht auf das Kind - Ihnen ? « Sie beugte sich vor . In ihren Augen hatte sich eine Flamme der Verachtung entzündet , die ihn traf wie ein glühender Pfeil . Er zuckte zusammen , er rang nach Fassung und rief dennoch fassungslos aus : » Gräfin ... Maria , Sie haben mich geliebt ! « Sie neigte den Kopf , eine brennende Röte flog über ihre Wangen : » Ich habe geglaubt , Sie zu lieben , und Sie - sind schlau gewesen , Sie haben es verstanden , einen Brand des Schuldbewußtseins gegen Sie in meine Seele zu werfen ... Dann haben Sie sich einen Spießgesellen geworben , und mit seiner verräterischen Hilfe sind Sie gekommen und haben mich überrascht , gemeiner , ehrloser als ein Dieb , und ich habe mich an Sie weggeworfen ... Und nachdem das Unwiderrufliche geschehen , nachdem die Schuld begangen war ... eine Schuld , die von den Tränen der Reue so wenig weggespült werden kann wie der Fels von der Welle , die zu seinen Füßen brandet ... dann ist mir der Mann , neben dem ich bisher hingegangen war wie eine Blinde , teurer geworden von Tag zu Tag ... Er hat mich die Liebe kennengelehrt , die ewig ist ; er , in dessen Seele die reinste Güte und Treue vereinigt waren ... Und diese Empfindung in einem Herzen , das seiner unwürdig geworden