Wassers , vorläufig wenigstens noch haben . Wenn Deine Gesundheit es zuläßt , erwart ich Dich spätestens in nächster Woche . Die Luft hier ist entzückend , keine Spur von Winter , alles noch in Blüte oder schon wieder in Blüte . Komm also . Der Pflicht der Abschiedsbesuche sind wir ja Gott sei Dank überhoben ; jede Situation hat ihre Meriten . Im übrigen wird es gut sein , wenn Dich Marie begleitet , die hier , was ihr den Abschied von Fritz vielleicht erleichtert , das Katholische näher und bequemer hat als in Berlin . Au revoir , Dein St. Arnaud « Drei Tage nach Eintreffen dieses Briefes richtete der Hofprediger Dörffel das folgende Schreiben an den Obersten von St. Arnaud : » Mein Herr Oberst . Es liegt mir die Pflicht ob , Sie von dem am 4. dieses erfolgten Ableben Ihrer Gemahlin in Kenntnis zu setzen und mich dabei der mir seitens derselben gewordenen schriftlichen Aufträge zu entledigen . Ich bitte , zunächst chronologisch berichten zu dürfen . Ihre Frau Gemahlin war schwer leidend seit dem Tage , wo die Zeitungsnachricht eintraf ; sie wollte niemand sehen , folgte widerwillig den Anordnungen des Arztes und sah von den Bekannten nur Fräulein Rosa und mich . Ich sprach täglich vor , in der Regel in den Mittagsstunden . Vorgestern , bei meinem Erscheinen , fand ich die Jungfer in Tränen und erfuhr , die gnädige Frau sei tot . Als ich in das Zimmer trat , sah ich , was geschehen . Frau v. St. Arnaud lag auf dem Sofa , ein Batisttuch über Kinn und Mund . Es war mir nicht zweifelhaft , auf welche Weise sie sich den Tod gegeben ; ihre Linke hielt das kleine Kreuz mit dem Christuskopf , das sie beständig trug . Der Ausdruck ihrer Züge war der Ausdruck derer , die dieser Zeitlichkeit müde sind . Auf dem Tisch neben ihr lag ihr Gebetbuch , in das sie , zusammengeknifft und nach Art eines Lesezeichens , einen an mich adressierten Brief gelegt hatte . Dieser Brief , das Beichtgeheimnis eines demütigen Herzens , ist mir unendlich wertvoll , weshalb ich bitte , den Inhalt desselben Ihnen , mein Herr Oberst , nur abschriftlich und nur in seinem sachlichen Teile mitteilen zu dürfen . Es heißt in diesem Letzten Willen : Ich wünsche nach Cyrillenort übergeführt und auf dem dortigen Gemeindekirchhofe , zur Linken der fürstlichen Grabkapelle , beigesetzt zu werden . Ich will der Stelle wenigstens nahe sein , wo die ruhen , die in reichem Maße mir das gaben , was mir die Welt verweigerte : Liebe und Freundschaft und um der Liebe willen auch Achtung ... Vornehmheit und Herzensgüte sind nicht alles , aber sie sind viel . Mein Vermögen erhält meine Mutter , mein Gut St. Arnaud . Nach seinem Tode fällt es an die fürstliche Familie zurück . Über die Dinge , die mich täglich umgaben , bitt ich St. Arnaud , Verfügung treffen zu wollen , und bestimme meinerseits nur noch , daß die Konsoluhr und der türkische Shawl an Marie , das Gebetbuch mit den Aquarellinitialen an Rosa , das Opalkreuz aber , das mir beistehen soll bis zuletzt , an Sie , mein väterlicher Freund , fallen soll . Ihre hundertfach erprobte Milde wird nicht Anstoß daran nehmen , daß es ein katholisches Kreuz ist , und auch daran nicht , daß ich , eine Konvertitin , meine letzten Gebete an eben dies Kreuz und aus einem katholischen Herzen heraus gerichtet habe . Jede Kirche hat reiche Gaben , und auch der Ihrigen verdank ich viel ; die aber , darin ich geboren und großgezogen wurde , macht uns das Sterben leichter und bettet uns sanfter . So , mein Herr Oberst , die Bestimmungen der gnädigen Frau , denen ich meinerseits nur noch hinzuzufügen habe , daß in Gemäßheit derselben verfahren werden und heute nacht noch , und zwar von mir persönlich begleitet , der Kondukt nach Cyrillenort stattfinden wird . Dort werden wir die Tote morgen um die zehnte Stunde zur Ruhe bestatten . Die Vorbereitungen dazu sind bereits getroffen . Der Friede Gottes aber , der über alle Vernunft ist , sei mit uns allen . «