. Eva , die ein Schelm war , erwiderte , » daß es ja doch ein Prediger sei « , und fuhr dann in ihrem Abendrapporte fort : » Auf der Manschnower Mühle ist eingebrochen . « » Beim alten Kriele ? « » Ja , gnädigste Gräfin . Sie haben ihm all sein Gespartes genommen , und das Pferd aus dem Stall dazu . Sie müssen die Gelegenheit gut gekannt haben , denn das Geld lag unter dem Fußboden ; aber sie brachen die Dielen auf . « » Hat man auf wen Verdacht ? « » Die Diebe hatten alte Soldatenröcke an , halb zerrissen , so daß man nichts Bestimmtes erkennen konnte . Die Manschnower meinen , es wären Marodeurs gewesen , Franzosen , die das Mitnehmen noch immer nicht lassen könnten . Ihre Gesichter hatten sie schwarz gemacht . « » Dann waren es keine Franzosen . Wer sein Gesicht schwärzt , der fürchtet erkannt zu werden . Und du sagtest selbst , sie wußten Bescheid in der Mühle . « » Aber die Soldatenröcke . « » Das wird sich aufklären . « Damit brach das Gespräch ab . Die Toilette war beendet , das Haar leicht zusammengesteckt , und die Gräfin bot Eva gute Nacht . Diese , bevor sie das Zimmer verließ , trat noch an einen großen Stehspiegel heran und ließ , wie man ein Fensterrouleau herunterläßt , einen grünseidenen Vorhang über den Trumeau herabrollen . Dies geschah jeden Abend , und es ist nötig , ein Wort darüber zu sagen . Wie alle alten Schlösser , so hatte auch Schloß Guse sein Hausgespenst , und zwar eine Schwarze Frau . Diese Weißen und Schwarzen Frauen gelten bei Kennern als die allerechtesten Spuke , gerade weil ihnen das fehlt , was dem Laien die Hauptsache dünkt : eine Geschichte . Sie haben nichts als ihre Existenz ; sie erscheinen bloß . Warum sie erscheinen , darüber fehlen entweder alle Mitteilungen , oder die Mitteilungen sind widerspruchsvoll . So war es auch in Guse . Die Erzählungen gingen weit auseinander , nur das stand fest , daß das Erscheinen der Schwarzen Frau jedesmal Tod oder Unglück bedeute . Die Gräfin , sonst eine beherzte Natur , lebte in einem steten Bangen vor dieser Erscheinung ; was ihr aber das peinlichste war , war der Gedanke , daß sie möglicherweise einmal einem bloßen Irrtum , ihrem eignen Spiegelbilde zum Opfer fallen könne . Da sie sich immer schwarz kleidete , so hatte diese Besorgnis eine gewisse Berechtigung , und sie traf ihre Vorkehrungen darnach . Die Anlage der mehrerwähnten Wendeltreppe stand im Zusammenhange damit ; sie wollte das Spiegelzimmer nicht passieren , wenn sie sich spätabends aus dem Salon in ihr Schlafzimmer zurückzog . In diesem letzteren war nun natürlich der große Trumeau ein Gegenstand ihrer besonderen Aufmerksamkeit und Besorgnis , und ein durch Eva auch nur einmal versäumtes Herablassen des Vorhanges würde schwerlich ihre Verzeihung gefunden haben . Es war heute noch früh , kaum elf Uhr , und die Gräfin , die ohnehin die Nacht am liebsten zum Tage gemacht hätte , hatte keinen Grund , die Ruhe vorzeitig aufzusuchen . Es waren noch Briefe zu schreiben . Sie setzte sich an einen mit Schildpatt und Boulearbeit ausgelegten Tisch , der zwischen Bett und Fenster stand , überflog einen kurzen Brief , der ihr zur Linken lag , und schrieb dann selbst : » Mon cher Faulstich . Tout va bien ! Demoiselle Alceste , wie sie mir heute in einem unorthographischen Billet ( le style c ' est l ' homme ) anzeigt , hat akzeptiert . Sie wird am 30. in Guse sein et , comme j ' espère , den Dr. Faulstich bereits hier antreffen . Sie dürfen mich nicht im Stiche lassen . Meinen Dank für die Vorschläge , die Sie gemacht . Ihre Begeisterung für de la Harpe , den Sie zu favorisieren scheinen , kann ich nicht teilen , weder für die Barmecides noch für den Comte de Warwick . Die rot angestrichenen Stellen ( Tome VII erfolgt zurück ) lasse ich gelten . Ich habe mich , après quelque hésitation , für Lemierre entschieden , nicht für den Barnevelt , der soviel Aufsehen gemacht hat und der reifer ist , sondern für den Guillaume Tell , justement parcequ ' il n ' a pas cette maturité . Er hat dafür Schwung , Feuer , Leidenschaft . Demoiselle Alceste , ohne daß ich ihr Urteil kaptiviert hätte , ist mir beigetreten . Ich leugne übrigens nicht , daß auch Rücksichten auf den Effekt meine Wahl bestimmt haben . Cléofés Paraphrasen an die Freiheit sind genau das , was man jetzt hören will , et comme Intendant en Chef du Théâtre du château de Guse habe ich die Verpflichtung , Neues , Zeitgemäßes zu bringen und mich dem Geschmacke meines Publikums anzubequemen . S ' accomoder au goût de tout le monde , c ' est la demande de notre temps . Das Beste wird Demoiselle Alceste tun müssen et encore plus la surprise . Also Verschwiegenheit , auch gegen Drosselstein . Aber eines fehlt noch , cher Docteur , et c ' est pour cela que je recours à votre bonté . Es fehlt ein Prolog , ein Epilog , ein Chorus , ein Irgendetwas , das vorwärts oder rückwärts oder seitwärts weist , denn so könnte man den Chorus vielleicht definieren . Sie werden schon das Richtige finden . J ' en suis sûre . Vielleicht täte es auch ein Lied . Aber es müßte etwas Leichtes sein , das Renate vom Blatte singen könnte . N ' oubliez pas que je vous attends le 30. Je suis avec une parfaite estime votre affectionnée A. P. « Ein zweiter Brief war an Demoiselle Alceste gerichtet . Er enthielt nur den Ausdruck der Freude , sie mit nächstem zu sehen . Die Gräfin siegelte beide Briefe , löschte die auf dem Schreibtische stehenden Kerzen und legte