kehrte aber um , setzte sich wieder und ließ dem kuriosen Geschehnis seinen Lauf . Irgend etwas rumorte bei dem stolzen Schauspiel in seinem Blut ; vielleicht der aufgestörte Bauerntrotz , vielleicht die unterbundene Magnatenader . Im Verlauf jedoch fand die alte Dame mit den rosigen Runzelwangen und den klugen Blitzaugen seinen Beifall , und auch ihr resolutes Mundwerk war nach seinem Geschmack . Als sie dem Sohne ihres väterlichen Großknechts die Hand reichte und ihn daran erinnerte , daß sie ihn zum letzten Male als pausbäckigen Posaunenengel auf seiner Mutter Arme gesehen habe , stieg eine Zähre in sein Auge , und sie würde übergelaufen sein , wenn das mobile Fräulein nicht in einem Atem auf ein weniger rührsames Thema übergesprungen wäre . Dieses Thema war der seiner Familie bevorstehende Ersatz des Geblütsaristokraten durch einen der hohen Wissenschaft . Der Amtmann war durch seine Brigitte schon von der Affäre unterrichtet ; auch durch seinen Bielitzer Pastor von der Schriftgelahrtheit des Mosjö Zacharias . Seinethalben ! wäre sie in ihrem Witwenstande ohne leiblichen Vater fertig geworden , werde sie in ihrem zweiten Ehebunde wohl auch noch ohne Gottessohn fertig werden . Er , Johann Mehlborn , halte es mit dem zweiten Artikel und dem vierten Gebot . Damit basta ! Als die Dame darauf ihm seinen Enkelsohn vorstellte , winkte er ihn heran , musterte ihn stillschweigend vom Kopf zur Zeh , griff dann in seine Hosentasche und schenkte ihm einen Taler . Junker Max wurde rot und schnitt ein Gesicht wie ein verkleideter Lustspielprinz , den einer im Ernst für einen Kammerdiener hält und ihm ein Douceur anbietet . Seine Hand zuckte , als ob er dem schäbigen alten Bauer , der sein Großvater und ein Millionär war , das Geldstück vor die Füße zu werfen Lust habe . Fräulein von Werben aber sah ihn mit einem scharfen Blicke an und sagte in noch schärferem Ton : » Bedanke dich schön , Herr Neffe ; es wird dir manchen Schweißtropfen kosten , ehe du den ersten Taler verdienst . « So machte Junker Max denn eine stumme Verbeugung und steckte den Taler ein , mit dem nobelen Vorsatz , sich seiner als Biergeld an den Postillion zu entledigen . Die Dame rückte nunmehr mit der Frage nach des Großvaters Ratschlägen und Plänen für seines Enkelsohnes Zukunft hervor . Wie zu erwarten stand , erhielt sie den Bescheid , der Junge solle lieber heute als morgen aus der Schule genommen und unter seine , des Großvaters , Schere gebrächt werden . Sobald er das feine Früchtchen zu einem richtigen Ökonomen zugestutzt , wolle er ihn als Inspektor über eines von seinen Gütern setzen . Der Junker von Hartenstein wurde demnach der Erbe von des Hirtendezem glänzenden Patenaussichten ! Damit schloß die Zusammenkunft der beiden nach barlichen Gutsherrschaften . Alles in allem , und noch dazu gezählt , daß Bielitz in diesem trockenen Sommer eine weit einträglichere Ernte als Hochwerben geleistet hatte , würde der alte Erbpächter der Letzten seiner angestammten Gutsherrschaft die Wiedererwerbung ihres Vätersitzes aufrichtig gegönnt haben , insofern sie selbst anstatt der verhaßten geistlichen Hartensteine auf ihm residierte . Da sie aber morgenden Tages schon wieder außer Lands zu gehen beabsichtigte und ihre widerwärtige Sippschaft ihm vor der Nase sitzen blieb , hätte er ihr die stolze Staatsvisite lieber geschenkt und den Taler für das dicknäsige Früchtchen von Enkel nicht zum Fenster hinausgeworfen . In noch weit höherem Maße fand die neue Herrin , daß sie sich den Umweg über das Talgut hätte sparen können , und auch der friedfertige Pastor Blümel zog unbefriedigt von dannen , da zu einer erhofften Wiederanknüpfung mit seinem ungetreuen Beichtsohne die Gelegenheit keineswegs günstig gewesen war . Seine Patronin hatte nicht ohne Absicht der Überraschung erwähnt , die sie aller Welt , also auch der Pfarrfamilie , durch den Gutskauf bereitet habe . Das aber hatte der kluge Bauer ja schon lange erspürt oder erfahren . Seine » Bosheit « auf die einstigen Freunde war von weit älterem Datum , und so blieb es auch zwischen Talgut und Pastorei bei der eingenisteten Entzweiung . Während dieser ungemütlichen Zusammenkunft trabte Held Dezimus in höchster Beseligung heimwärts . Bild um Bild tauchte die Zauberwelt , in welcher er einen Tag lang geschwelgt hatte , vor seinen Blicken wieder auf . Dem Wunder folgte der Zweifel . Am Ende hatte er die Herrlichkeit nur geträumt oder in einem Märchenbuche gelesen . Aber nein doch , nein ! Er trug ja auf seinem Leibe des Sonnengottes stolzes Junkerkleid , unter dem Arme zusammengerollt seinen eigenen Bauernkittel und in der Hand die duftende Gardenia . Er war der Märchenprinz . Er hob den Kopf höher , als er ihn gestern gehoben ; sein Herz klopfte stolzer , als es gestern geklopft ; er sah sich gleichsam in eine neue Konstellation versetzt ; funkelnde Erdenlichter schlossen eine Kette , zwischen welcher sein Stern fortan eitel lustig sich drehen werde . Dämmernd , wie es nicht nur Kindern geschieht , spürte er das Regen bisher ungeahneter Dämonen . Hüte dich , armer , zehnter Hirtensohn ! Du wirst nie in deinem Leben wieder der Held eines Märchenabenteuers sein , wirst nie wieder in einer Wappenkutsche von einem jungen Sonnengotte viere lang vom Bocke gefahren werden und einer berühmten Künstlerin zu Füßen sitzen ; von den Erdenlichtern , in deren Kreise du dich eitel lustig drehen siehst , könnte manches als Irrwisch dich in einen Sumpf verlocken . Nur an den ewigen Himmelslichtern , Dezimus , an ihnen halte fest ! Da die Weinbergstür unter Verschluß gehalten wurde , hatte er nach der Überfahrt den Umweg durch das Dorf zu nehmen ; vorüber an dem Hutmannshause , das heute noch wandelbarer als an dem Tage , wo er darin zur Welt gekommen , an dem Felsen klebte und von einer ebenso dürftigen Familie wie damals bewohnt wurde . Dezimus kannte seinen Ursprung , ohne ihn je als ein Leid empfunden zu haben . Noch keinmal , sooft er an dieser