auf ihre unempfänglichen Fußsohlen ... Uebrigens haben Sie ganz recht gehört ; ich bin in der That so frei gewesen , mich für die Ehre zu bedanken . « » Aber weshalb ? « » Weil ich erstens keine Zeit habe , die hysterischen Grillen jenes hochgeborenen Kopfes täglich in frische Windeln zu legen - verzeihen Sie , meine Damen - und dann habe ich einen heiligen Respekt vor der Hofetikette . « » Ja , ja , « rief lachend der Oberförster , » die ist auch schuld , daß ich stets drei Kreuze mache , wenn ich das Schloß in L. im Rücken habe . Die Herrschaften , besonders aber unsere prächtige Fürstin , die machen ' s einem nicht schwer ; sie drücken womöglich beide Augen zu , wenn man einen anderen Kratzfuß macht , als das steife Unding vorschreibt . Aber der Hoftroß , der um sie her knickst und schwänzelt und lispelt - daß Gott erbarm ' - der schreit Zeter , wenn ein Männerabsatz fest auftritt , und kriegt Krämpfe über eine Stimme , die frei aus der Brust herauskommt , wie sie der liebe Gott geschaffen hat . « Es war dunkel geworden . Die Familie und Miß Mertens begleiteten die Aufbrechenden bis vor das Mauerpförtchen , und als alle auf die Waldblöße heraustraten , da klang es feierlich aus dem Thale herauf durch den nachtstillen Wald , wo sich kein Vogel auf den Zweigen rührte , und selbst der Abendwind in den Wipfeln eingeschlafen war über den Wundersagen aus fernen Landen , die er allabendlich den Blättern erzählt ... Das Stadtmusikkorps aus L. brachte Herrn von Walde ein Ständchen . 15 Am andern Morgen um fünf Uhr wurden die Bewohner von Gnadeck durch Böllerschüsse geweckt . » Aha , « sagte Ferber zu seiner Frau , » die Verherrlichung nimmt ihren Anfang . « Elisabeth aber fuhr jäh aus einem schrecklichen Traume auf . Das Unglück , welches sie gestern abgewendet , hatte der Traum wahr gemacht ; sie sah in dem Augenblicke Herrn von Walde sterbend zusammenbrechen , als der Schuß im Thale sie aufschreckte . Es bedurfte langer Zeit , ehe sie sich zu sammeln vermochte . In einen einzigen Moment hatten sich unnennbare Schmerzen zusammengedrängt . Sie hatte gewähnt , Himmel und Erde müßten mit jener hohen Gestalt zusammenstürzen und auch sie unter ihren Trümmern zerschmettern , und noch jetzt , nachdem sie sich überzeugt hatte , daß das goldene Morgenlicht in ihr Stübchen und nicht auf die blutgetränkte Waldwiese falle , vibrierten die aufgestürmten Gefühle nach ... nicht einmal gestern , als sie ihr Leben für das seine wagte , war sie sich so klar bewußt gewesen , daß sie in einem solchen Augenblicke mit ihm sterben müsse . Wieder und wieder donnerte es drunten durch das Thal . Die Fensterscheiben klirrten leise , und Hänschen flatterte entsetzt auf und klammerte sich an die Stäbe seines Käfigs . Elisabeth schauderte jedesmal zusammen , und als die Mutter , die sich noch immer nicht über den Vorfall des gestrigen Tages beruhigen konnte , obgleich sie ihr Kind wohlbehalten und unverletzt sich zurückgegeben sah , an der Tochter Bett trat , um zu fragen , wie sie geschlafen habe , da schlang diese heftig die Arme um ihren Hals und brach in einen unaufhaltsamen Thränenstrom aus . » Um Gotteswillen , Kind ! « rief Frau Ferber erschrocken , » du bist krank ! ... Ich wußte wohl , daß die gestrige Nervenaufregung nicht ohne Folgen bleiben würde ... und nun schießen sie auch noch so unvernünftig da unten . « Es kostete Elisabeth viele Mühe , die Mutter zu überreden , daß sie sich ganz gesund fühle und um keinen Preis im Bette bleiben , sondern mit den anderen zusammen Kaffee trinken wolle . Um jede Einwendung sofort abzuschneiden , schlüpfte sie in ihre Kleider , wusch das verweinte Gesicht mit frischem Wasser und stand bald draußen am Herde , um die letzte Hand an das von der Mutter vorbereitete Frühstück zu legen . Die Schüsse waren plötzlich verstummt , und es währte nicht lange , da waren auch die Thränenspuren aus Elisabeths Augen verwischt . Sie blickte wieder heller in die Welt , denn wenn sie auch ein Leben voll Entsagen vor sich sah , so lebte er ja doch ; dieser Gedanke hatte infolge des fürchterlichen Traumgesichts eine beschwichtigende Kraft für ihr unruhiges Herz ... und wenn er auch ging - weit fort - und sie mußte jahrelang leben , ohne ihn zu sehen , einmal kam doch eine Zeit , da er wiederkehrte ... Und ihn lieben und an ihn denken durfte sie ja auch , denn er gehörte ja keiner anderen . Später ging sie mit den Ihrigen und Miß Mertens nach dem Forsthause , wohin die Gesellschaft wie alle Sonntage für den Mittag eingeladen war . Auf der Stirn des Oberförsters , der ihnen entgegenkam , lagen schwere Wolken . Wie Elisabeth bald bemerkte , machte ihm Bertha schwer zu schaffen . » Ich kann und werde diese Wirtschaft nicht länger mehr mit ansehen ! « rief er heftig . » Soll ich in meinen alten Tagen noch Zuchtmeister werden und in meinem eigenen Hause Tag und Nacht auf der Lauer stehen , um ein junges , eigensinniges Ding , das mich eigentlich auf der Gotteswelt nichts angeht , von verrückten Streichen abzuhalten ? « » Onkel , bedenke , daß sie unglücklich ist ! « rief Elisabeth erschrocken . » Unglücklich ? ... Eine Komödiantin ist sie ... ich bin auch kein Menschenfresser , und als ich sie für wirklich unglücklich hielt , das heißt wie sie beide Eltern auf einmal verlor , da bin ich ihr Stab und Stütze gewesen , soviel nur in meinen Kräften stand ... Aber da steckt das Unglück auch gar nicht ; denn dazumal , kaum zwei Monate nach dem Trauerfalle , trillerte sie den ganzen Tag wie eine Heidelerche , so daß mir das Herz weh