, es sei besser , in das neue Leben zu Fuß einzuwandern , da man dem Geist dadurch Gelegenheit gebe , sich zu beruhigen , und da er - Rudolf Götz - noch eine Geschichte zu erzählen habe , welche er am besten im Marschieren von sich geben könne . Dem Präzeptor war dieser Vorschlag höchst angenehm , mit Vergnügen sah und hörte er den Dampfzug fortschnauben , - rasseln und - klappern , mit Behagen atmete er die scharfe Luft des nahenden Abends ein . Ungemein belebend und kräftigend hatte bereits die Reise und die Gesellschaft des Leutnants auf ihn gewirkt ; Kohlenau mit dem grämelnden Herrn im roten , blauquastigen Fes , Kohlenau mit der harten Prinzipalin und der weichen Schwägerin , Kohlenau mit seinen Aschenhaufen und Kohlenhaufen , seinen Rädern und Rollen , seinem Gezisch und Gesause , seinem Schornstein und seinen Dämpfen und Dünsten , Kohlenau war hinter ihm versunken , als wäre es nie dagewesen . Hans Unwirrsch stand mit Wanderstab und Reisetasche auf dem Bahnhof wie ein Abenteurer vom reinsten Wasser ; er fühlte sich fähig , dem seltsamen Begleiter in die möglichsten und unmöglichsten Fährlichkeiten und Wunder zu folgen , und der bleiche zunehmende Mond sah durch das gesänftigte Sonnenlicht lächelnd auf den verwegenen jungen Menschen herab . Fünfzehntes Kapitel Von mancherlei Dingen hatten die beiden Reisenden auf ihrer Fahrt bis jetzt gesprochen . Wieder hatte der Leutnant seinen Begleiter , wenn auch wie einen Schwamm , so doch immer auf die unverfänglichste Weise ausgepreßt . Der alte Schlaukopf hatte den Kandidaten gleich einem Buche durchblättert , und die Notizen , die er sich dabei gemacht hatte , schienen ganz und gar befriedigend ausgefallen zu sein ; denn jetzt klappte er - um diesen Vergleich fortzuführen - das Buch zu und seufzte behaglich , während er mit dem Begleiter in die stille , kalte Abendlandschaft hineinschritt . Es war zwischen vier und fünf Uhr nachmittags , und die Sonne ging , dem Kalender nach , erst um fünf Uhr fünfzig Minuten unter . Ein bläulicher Nebel lag über der Ferne , ein zarter Hauch überzog die grünen Spitzen der jungen , keimenden Saat . Still war ' s auf der Landstraße , still auf den Feldern , still lagen die fernen Dörfer im Duft , nur das dumpfe Geroll des forteilenden Bahnzuges vernahm man noch aus der Weite , aber auch es verhallte , die weiße Wolke verschwand im Dunst des Horizontes ; - nun war es ganz still . » Also , Freund « , sagte der Leutnant zu Hans , » mit Ihnen wären wir fertig . Jetzt wird es nötig sein , daß Sie auch von mir und dem , was daran bummelt , eine nützliche Erkenntnis gewinnen und daß Sie etwas über das Haus erfahren , zu welchem ich Sie führe . Wer weiß , ob Sie den Quartiermacher nachher nicht tausendmal zum Henker wünschen ? Ja , sehen Sie mich nur an , schütteln Sie nur den Kopf : für Wanzen , Flöhe und dergleichen Ungeziefer wird nicht garantiert . Doch zur Sache ! Wir waren unserer drei Brüder Götz . Ich bin der älteste , Theodor , der Geheime Rat , ist der zweite - der arme Felix war der jüngste und ist leider zuerst kaputtgegangen , das Fränzchen ist seine Tochter ; doch von der ist jetzt nicht die Rede . Unser Papa war zu der Zeit geboren , als der Siebenjährige Krieg seinen Anfang nahm , um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts ; ich bin 1782 geboren und also jetzt ein rüstiger Sechziger , Theodor ist ein starker Fünfziger , und Felix kam um vierundneunzig ans Licht : der hatte den Teufel im Leib , und der Satan hat ihn auch geholt . Unser Alter war Justizbeamter eines jetzo glücklich mediatisierten Grafen am Harz ; es war ein grillenhafter , kränklicher Knabe , der seine Frau , unsere Mutter , vor der Zeit zu Tode quälte und uns mancherlei erdulden ließ , dazu unmenschlich gelehrt ; und seine Bibliothek war weit in die Runde berühmt ! Uns hätte er nur allzugern ebenfalls zu solchen trübseligen Vielwissern , von denen er ein bejammernswertes Exemplar war , erzogen ; aber es gelang ihm nur beim Theodor , der überdies an den Skrofeln litt . Ich ging im Jahre 1798 auf die Forstschule , und Theodor bezog seinerzeit die Universität , um die Juristerei zu studieren . Felix hatte damals eben das Laufen gelernt . Wir kamen , obgleich die Welt voll mächtigen Spektakels war , ziemlich ruhig in das neunzehnte Jahrhundert hinüber ; ich erhielt eine hochgräfliche Unterförsterstelle , Theodor sah als Auskultator sich den Einzug der Franzosen in der Hauptstadt an , Felix saß auf einem Gymnasium , bis man ihn von demselben fortjagte . Ich glaube , Theodor kümmerte sich am wenigsten darum , was damals aus dem deutschen Lande geworden war ; ich ging nach dem achtzehnten Oktober Anno sechs mit nach Ostpreußen und war bei Eylau und allem , was daran hängt . Leutnant wurde ich bald , zog mit Yorck nach Rußland und hatte die Wacht vor dem Hauptquartier zu Tauroggen . Daran will ich noch auf meinem Todbett mit Vergnügen gedenken ; - habe sonst wenig Vergnügen in der Welt gehabt . Von dem , was darauf geschehen ist und wie der Sündenknäuel abgewickelt wurde , will ich nicht weiter sprechen , jedes Kind weiß davon zu erzählen . Ich war bei manchem lustigen Tanz , bis wir von der Weichsel an die Elbe kamen . Um seine lieben Verwandten konnte man sich im Tumult wenig bekümmern , seit langer Zeit hatte ich weder von dem Alten noch von den Brüdern Nachricht . Steh ich am 22. Juni 1813 an der Elbe , vielleicht eine Stunde oberhalb Aken , auf Vorposten und denke an nichts Gutes und nichts Schlimmes , und der Abend ist still genug . Unser Feuer ist niedergebrannt , und wer nicht wacht , der schläft . Ich