Wagen vor und Oswald erkannte in der Dame , die ausstieg , Melitta . Es war ein Glück für ihn , daß Herr von Langen in diesem Augenblicke die Sopharegion lorgnettirte , denn er hätte unmöglich seine Aufregung verbergen können . Die paar Minuten , die Melitta in dem Toilettenzimmer zubrachte , erschienen ihm wie eine Ewigkeit . Endlich trat sie durch die offene Thür herein , und Oswald schien plötzlich der ganze Saal mit Licht und Rosen angefüllt . Melitta trug ein weißes Kleid , das Busen und Schultern züchtig verhüllte , und den schlanken , schönen Hals mit einer feinen Krause umschloß . In weichen Wellen fiel ihr dunkles Haar auf die runden Schultern . Eine dunkelrothe Camelie , das war ihr ganzer Schmuck . Aber welches Schmuckes bedarf Schönheit und Anmuth - und Melitta ' s Erscheinung war so schön und anmuthig , daß ihr Eintreten eine noch größere Sensation erregte , als Oldenburgs . Die älteren Herrn unterbrachen ihr Gespräch , sie mit Herzlichkeit zu begrüßen ; einige jüngere Herren eilten ihr entgegen , um womöglich den zweiten Walzer , die erste Polka - nur einen Tanz , gleichviel welchen , zu erbetteln , und sie lächelte Alt und Jung freundlich zu , beantwortete hier eine Frage , verwies dort einen Stürmischen zur Geduld - während sie quer durch den Saal nach dem Sopha ging , sich den anderen Damen anzuschließen . Baron Oldenburg war , als Frau von Barnewitz aufstand , ihrer Cousine entgegenzugehen , ruhig , und ohne sich nach dem Gegenstand der allgemeinen Sensation umzusehen , den einen Arm über die Stuhllehne gelegt , sitzen geblieben . Da mußte Melitta ' s Name , von einer der Damen am Sopha ausgesprochen , sein Ohr getroffen haben ; denn er sprang in die Höhe , wandte sich um - und stand Melitta , die von ihrer Cousine an der Hand geführt wurde , Angesicht gegen Angesicht gegenüber . Oswald war wie von einer magnetischen Kraft aus der Fensternische bis nahe an die Stelle gezogen worden , so daß ihm kein Wort , kein Blick entging . Er sah , daß Melitta erblaßte und ihre dunkeln Augen wie im Zorn aufflammten , als Oldenburg sich tief vor ihr verbeugte . Ah , gnädige Frau , sagte er mit einem eigenthümlichen Lächeln , als wir uns zuletzt sahen , schien uns die Sonne Siciliens , und jetzt - Scheint der Mond - wollen Sie sagen , entgegnete Melitta , und um ihre Züge spielte ein höhnisch-bitterer Zug , den Oswald noch nicht an ihr gesehen hatte , - umgekehrt , lieber Baron , als wir uns zuletzt sahen , schien der Mond , wissen Sie wohl noch , in dem Garten der Villa Serra di Falco bei Palermo ? - und , da wir uns wiedersehen , scheint die Sonne , mir wenigstens . Der Sinn dieser letzten Worte mußte wohl Jedem verborgen bleiben , nur nicht dem , für welchen sie gesprochen waren . Melitta hatte , indem sie sich halb umwandte , Oswald bemerkt , und ihm so freundlich zugelächelt , daß Herr von Barnewitz , der neben ihm stand , sich an der Ueberraschungsscene , die er so mühsam arrangirt hatte , zu weiden , ihn fragte : Kennen Sie meine Cousine schon ? Ja , sagte Oswald , von ihm weg auf Melitta zutretend , und sie ehrfurchtsvoll begrüßend . Ah ! Herr Doctor , rief Melitta mit vortrefflich gespielter Ueberraschung , das ist ja köstlich , daß ich Sie hier finde . Denken Sie , Bemperlein hat schon geschrieben , Julius befindet sich sehr wohl - aber setzen Sie sich doch zu mir , daß ich Ihnen in aller Muße erzählen kann - Julius befindet sich vortrefflich - und ist in den fünf Tagen , wie Bemperlein schreibt , ein vollkommener Dandy geworden . Er hat schon einen großen Kinderball mitgemacht und mit der schönsten Dame , das heißt derjenigen , die ihm am besten gefiel , den Cotillon getanzt , den Cotillon - merken Sie wohl ! trotz des heftigen Widerspruchs von einem halben Dutzend junger Herren . Der Unglückliche , sagte Oswald , er wird sich dadurch eben so viele Duelle zugezogen haben . Möglich , aber Sie wissen , Julius ist tapfer wie ein Löwe , und wird für die Dame seines Herzens Alles wagen . - Ah , Herr von Cloten ! Sind Sie es wirklich ? Ich hörte ja , Sie und Robin hätten sich auf der letzten Fuchsjagd die Hälse gebrochen ! Quelle idée , gnä ' ge Fra ' ! Jedenfalls wieder Erfindung von Barnewitz . Teufelskerl , der Barnewitz ! Befinde mich vortrefflich . Ah ! ja - wollte gnä ' ge Fra ' um einen Tanz bitten , wo möglich Cotillon . Muß noch einen Versuch machen , ob gnä ' ge Fra ' nicht bewegen kann , mir den Brownlock zu verkaufen . Non , mon cher , zu diesem liebenswürdigen Zweck bekommen Sie keinen Tanz , am wenigsten den Cotillon . Wenn Sie mir aber den Brownlock in Frieden lassen wollen , so sollen Sie den ersten Contretanz haben . Zum Cotillon bleibe ich so wahrscheinlich nicht hier . Sind Sie zufrieden . Ah ! gnä ' ge Fra ' - zufrieden ! quelle idée ! glücklich - - selig . Mein Gott , Herr von Cloten , beruhigen Sie sich nur . Haben Sie schon ein vis-à-vis ? Nein , gnä ' ge Fra - gleich suchen ! Hier , bitten Sie den Doctor Stein - erlauben die Herren daß ich Sie - Ah , hatte schon das Vergnügen , sagte der Dandy , Oswald , der einen Schritt von ihm entfernt gestanden hatte , scheinbar zum ersten Male bemerkend . Desto besser , sagte Melitta , die Herren sind also einig ? Von Cloten und Oswald verbeugten sich gegen einander , und dann vor Melitta , die sie mit einer graziösen Handbewegung verabschiedete , um mit den zunächst