ich helfen ? « fragte Ernest verblüfft . » Gerade Sie ! Wenn kein Maler die lebenden Bilder stellt , so geraten sie nicht . « » Gott ! « seufzte Ernest , » aus Salonfiguren soll ich ein Kunstwerk zusammenstellen ! Das geht über menschliche Kräfte . « » Nicht doch ! « sagte Madame Miranes ; » wir haben in der Gesellschaft einige sehr schöne Personen , die sich vortrefflich zu einer heil . Cäcilia , heil . Isabelle « .... - » Halt ! halt ! « rief Ernest ; » so hoch wollen wir uns nicht versteigen ! Rafael und Murillo wollen wir aus dem Spiel lassen , wenn ' s Ihnen gefällig ist ; denn da genügt nicht eine oder die andere schöne Person , da müssen alle Einzelheiten , ja jede Fingerspitze perfekt sein , sonst wird das Ganze eine Karrikatur . Wir wollen uns an Genregemälde halten , rokoko Schäferinnen , verzauberte Prinzessinnen , italienische Bäuerinnen , Goldschmidts Töchterlein , Ezzelin im Kerker und dergleichen mehr . « » O herrlich ! « rief Madame Miranes . » Ja ! Ezzelin im Kerker mit den beiden Mönchen , dem alten und dem jungen ; das wird ein süperbes Bild geben , sobald die Beleuchtung desselben richtig getroffen wird . Meinen Sie nicht , daß wir auch in englischen Keepsakes nachschlagen sollten , Herr Ernest ? ich glaube , da würden wir manch ansprechendes Bild finden . « » Ja , « sagte er humoristisch ernsthaft , » auf der Höhe des Keepsake-Styls werden wir uns wohl befinden . « Judith nahm ein Buch zur Hand und sagte , indem sie es durchblätterte : Dies sind illustrierte Gedichte des Thomas Moore , und da würde mir » das Paradies und die Peri « recht gut gefallen . Sie reichte ihm das Buch , und während er die Bilder betrachtete , erklärte Judith ihm das englische Gedicht und sagte : » Die Peri ist nach der indischen Mythologie oder Poesie ein Lustgeist , dem eines Tages sein Element nicht genügt . Er möchte gern in ' s Paradies . Aber davor hält der Engel des Lichtes Wache und weist die Peri ab . Als sie um Einlaß bittet und fleht , sagt er ihr endlich , es gäbe eine Gabe , die köstlichste der Erde , vor welcher sich die Pforte des Paradieses erschließe : die möge sie suchen und bringen . Die Peri fliegt froh zur Erde herab und schaut sich um nach der köstlichen Gabe . Sie schwebt über einem Schlachtfeld . Ein junger Held hat die Schlacht gewonnen und durch sie sein Vaterland befreit ; aber er liegt da und stirbt an seinen Wunden . Die Peri fängt den letzten Blutstropfen aus seinem Heldenherzen auf und kehrt damit triumphierend zur Pforte des Paradieses zurück . Doch der Engel weist sie ab und heißt sie eine höhere Gabe bringen . Die Peri findet nun auf der Erde die Heimsuchung durch die Pest , und sieht ein junges Mädchen , das dem geliebten Jüngling ihr Leben zum Opfer bringt , indem sie ihn pflegt in der gräßlichen Krankheit . Er findet Genesung und sie den Tod . Den letzten Atemzug dieses treuen Herzens fängt die Peri auf und bietet ihn dar dem Engel des Lichtes . Allein er öffnet ihr nicht das himmlische Tor , sondern begehrt eine höhere Gabe . Und zum dritten Mal schwebt die Peri zur Erde herab und schaut sinnend umher nach einem himmlischen Kleinod . Siehe , da gewahrt sie in einem Blumengarten ein fröhliches Kind , das plötzlich , als die Abendglocken läuten , seine Spiele unterbricht , auf die Knie fällt und andächtig betet . Unfern steht ein Mann , in Sünden ergraut , von Leidenschaften zerrissen . Sein finsterer Blick fällt auf das betende Kind . Alle Erinnerungen an seine eigene unschuldige Kindheit erwachen in ihm und bestürmen ihn mit einem so heftigen Schmerz um seinen verlorenen Seelenfrieden , daß eine bittere Träne sein sonst so kaltes und hartes Auge füllt . Die Peri aber nimmt die Träne des reuigen Sünders von seiner Wimper und bringt sie dem Engel des Lichtes . Da öffnen sich die strahlenden Tore des Paradieses der Peri ! eine Reueträne ist die köstlichste Gabe der Erde , welcher der Himmel nicht widerstehen kann . - Ist das nicht ein liebliches Gedicht , Herr Ernest ? « Er hatte inzwischen mit Wohlgefallen die Bilder betrachtet und antwortete nun auf Judiths Frage : » Eigentlich hätte die Peri diese Träne nicht bloß bringen , wohl aber auch selbst weinen müssen , um in den Himmel zu gelangen ! Indessen , bei so einer Elfe oder Fee wollen wir ' s nicht allzu genau nehmen und die Bilder können sehr schön werden . Sie , Fräulein Judith , werden die Peri darzustellen haben , und Gräfin Regina Windeck - den Engel des Lichtes . Alles übrige findet sich . « Madame Miranes frohlockte über seine Willfährigkeit und über die Aussicht auf so ganz ausgesucht schöne Tableaux . » Wir wollen auf der Stelle unsere Einladungen an die mitwirkenden Damen machen , « sagte sie zu ihrer Tochter . » Die Herren kann man zu einem Diner einladen und ihnen dabei den Antrag stellen ; dann nehmen sie ihn um so leichter an . « » Müssen die armen Teufel mit indianischen Vogelnestern gekirrt werden ? « fragte Ernest lachend . » Ich verdenk ' es ihnen nicht ! All ' diese Mummereien sind eigentlich nur die Sache der Damen , deren Wonne es nun einmal ist , sich in Flitterwerk zu begraben und sich angaffen zu lassen . « Madame Miranes drohte ihm mit huldvollem Scherz , und er setzte hinzu : » Sorgen Sie nur dafür , daß die Gräfin Regina willfährig sei ! Sie - und nur sie - ist wie geschaffen für den Engel des Lichtes , und ohne ihre Mitwirkung müßten gerade diese Bilder wegfallen . « » Diese originellen