Judenleiche vom Kirchhofe gestohlen , haben ihr die alten Sachen von dem jungen Menschen angezogen und sie in den North-River geworfen . Nachher hat es geheißen , der aufgefundene Todte sei Ihr Mündel . Warum das Alles so gethan worden ist und warum der Graf so viel Geld dafür gespendet hat , kann ich nicht sagen . Der Graf hat nachher Ihren Mündel ins Land irgend wohin gebracht , wo sie ihn verwahrt haben , hat sich selber eine Weile in New-York herumgetrieben und mit einer Weibsperson , die sich durch schlechten Lebenswandel Geld gemacht hat , zusammen gewohnt . Ich habe selbige Weibsperson von früher her gekannt , gehe auch ab und zu jetzt noch einmal hin , weil sie mich besonders leiden mag und immer ein paar Quarters für mich hat , und so habe ich von ihr erfahren , daß der Graf eine Speculation in Alabama hat , die ihm viel Geld bringen soll , wovon er , zusammen mit dem Weibsbilde , ein seines , liederliches Haus in New-York errichten will . Bei der Speculation muß aber wol Ihr Mündel etwas zu thun haben , denn ich habe mir aus den gefallenen Reden zusammengereimt , daß er ihn mit hinunter nach dem Süden nehmen will . Vor etwa einer Woche ist nun der Graf nach Alabama abgereist und hat auch der Weibsperson hinterlassen , wohin sie ihm schreiben soll , wenn etwas vorkommen sollte ; ich habe aber den Zettel noch nicht erwischen können . Das habe ich Ihnen also geschrieben , weil ich nicht mag dazu geholfen haben , daß ein junger Mensch um sein Erbe komme , und weil ich gedacht habe , daß Ihnen mit diesem Schreiben ein Gefallen geschähe . Jetzt muß ich aber noch etwas sagen . Ich möchte aus dem liederlichen Leben hier heraus , möchte was Ordentliches treiben und nachher die Mary heirathen . Wenn es also unten bei Ihnen Beschäftigung gäbe , die sich lohnte , so könnten Sie mir es wol schreiben , ich wohne noch immer beim alten Ormsby in Jamesstreet . Es heißt freilich , daß im Süden die Nigger alle Arbeit thäten , aber ich glaube , ich könnte es mit Dreien aufnehmen , und wenn Sie etwas für mich wüßten , so könnte ich auch , bis Sie mir wieder schreiben , den Zettel zu Gesicht bekommen , damit Sie erfahren , wo Sie Ihren Mündel wiederfinden können . Das Geld zur Reise habe ich . « Zehn verschiedene Gedanken über die Beweggründe und den Urheber des gespielten Betruges waren , einer den andern verdrängend , durch Helmstedts Kopf geschossen - vor einem Gedanken aber wichen alle übrigen zurück . Helmstedt hatte aus leicht begreiflichen Gründen sich tiefer für den drohenden Angriff auf Elliots Eigenthum interessirt , als viele Andere . Er hatte zu seiner Verwunderung erfahren , daß Murphy ' s Vollmacht , welche dieser gern vorwies , um jede Gehässigkeit von sich selbst abzulenken , von Rebekka , Ehefrau des Abraham Meier in New-York , als Erbin des verstorbenen Isaak Hirsch , ausgestellt war , und daß der verhängnißvolle Besitztitel von einer New-Yorker Advocaten-Firma als Eigenthum des Isaak Hirsch in die Erbschaftsmasse abgeliefert worden sein sollte . Wenn es ihm nun möglich wurde , den Aufenthaltsort des bei Seite gebrachten Knaben zu entdecken , so war für den Augenblick der ganze gegen Elliot beabsichtigte Proceß beseitigt , da mit Auffindung des ersten , alleinigen Erben jeder Anspruch einer dritten Partei an den hinterlassenen Besitztitel in sich selbst zerfiel , und alle ferneren Maßregeln lagen einzig in seiner , des Vormundes , Hand . Hieß es doch in des Pedlars letzten Willen : » Ich bitte Mr. Helmstedt , sich meiner Papiere anzunehmen , welche sich in der Tasche dieses Buches befinden . Es sind die sämmtlichen Depositenscheine meiner Ersparnisse , welche nach meinem Tode meinem Schwestersohne gehören und von genanntem Mr. Helmstedt , falls ihm dies nicht zu viel erbeten dünkt , zum Vortheil meines Erben nach seinem , des Mr. Helmstedts , alleinigem Dafürhalten angelegt oder verwendet werden sollen . « Helmstedt kannte die Stelle auswendig ; zum ersten Mal aber fiel es ihm auf , wie der alte Isaak , der alle seine Angelegenheiten in so musterhafter Ordnung gehalten und mit so freiem Bewußtsein seinen letzten Willen abgefaßt hatte , nicht an ein so wichtiges Document wie der vielbesprochene Besitztitel hatte denken können . - Helmstedt wußte genau , daß sich in den hinterlassenen Papieren auch nicht die Spur einer Notiz darüber befunden hatte , und je mehr er darüber nachdachte und die kaum glaublichen Angaben des vor ihm liegenden Briefes damit verglich , je verdächtiger wollte ihm die ganze Angelegenheit erscheinen , wenn er auch noch nicht wußte , nach welcher Seite hin er einen Verdacht richten sollte . Er beschloß , jedenfalls Schritte zu thun , um sich Klarheit über das Woher der so plötzlich aufgetauchten Urkunde zu verschaffen - das war indessen nicht die Hauptsache . Schnelle , bestimmte Maßregeln mußten zur Herbeischaffung seines Mündels getroffen werden , denn in jedem Augenblick konnte Elliot , um sich Ruhe zu verschaffen , zu Schritten verleitet werden , die vielleicht niemals wieder gut zu machen waren . Helmstedt schwanke eine Weile , ob er nicht durch eine weitere Mittheilung des Briefes vorläufig allen möglichen Unterhandlungen mit dem Pflanzer Einhalt thun sollte ; schnell genug aber erkannte er , daß , wenn irgend eine an dem jetzigen Proceß betheiligte Partei ihre Hand in dem Bubenstück gegen seinen Mündel gehabt , wie es nach Charley ' s Schreiben fast schien , das tiefste Schweigen über dessen Mittheilung walten müsse , sollte nicht der Knabe von seinem jetzigen Aufenthaltsort aufs Neue , und wahrscheinlich für immer , verschwinden . Eine kurze Weile dachte er scharf nach , dann barg er den Brief in die Brusttasche seines Rockes und schritt wieder über die Straße nach dem Store des Postmeisters . » Wie weit ist wol die nächste Telegraphenoffice , Sir ? «