aber sie hatte sich getäuscht ; statt seiner trat der Maler Hans Beuerlein ein , um zu sehen , welche Fortschritte der Gobelin mache , zu dem er das Gemälde geliefert . Er war ein mittelgroßer Mann in den Fünfzigen , seine Gestalt hatte er in einem großen Zipfelpelz von dunkler Farbe gehüllt und auf dem Kopfe trug er eine Art Mütze von rother Farbe , ein Schläplein , wie diese wunderliche Kopfbedeckung hieß . Freundlich gab er sein Lob über die vorgeschrittene Frauenarbeit zu erkennen , aber als er sich über Ursula ' s Schulter bog , ihr Werk zu betrachten , sagte er : » Aber was ist denn das : Ihr stickt der armen Maria Magdalena graue Haare statt der blonden - würde es Euch doch selbst sehr kränken , wenn man Euch plötzlich mit grauen Haaren sehe ! Erröthend erkannte Ursula das Unheil , das sie angerichtet , indeß ihre Gedanken ganz anders beschäftigt gewesen als mit ihrer Arbeit . Durch langes Sehnen und Harren , Fürchten und Hoffen schon zum Aeußersten erschöpft , brach sie in Thränen aus und rief : » Ach , das ist gewiß eine schreckliche Vorbedeutung ! « Der Maler lächelte : » Trennt es herzhaft wieder heraus und macht den Fehler gut , den ihr begangen , so macht Ihr auch die Vorbedeutung zu Schanden . So ist ' s Männerart ; aber die Frauenzimmer sehen immer Alles gleich mit weinerlichen Augen an , bis sie gar nichts mehr erkennen können . « » Ei freilich ! « entgegnete Elisabeth , » das ist bequeme Männerweisheit , die sich immer ihr Schicksal leicht macht : Wenn Ihr dies Haar mit einer falschen Farbe gemalt hättet , so bedürfte es nur einiger Pinselstriche von Eurer Hand aus einem andern Farbentopf , um dies Grau wieder in das schönste Blond zu verwandeln ; das Frauenloos ist aber : hundert Stiche mühevoll aufzutrennen und wieder hineinzunähen - ein Geschäft , das vieler Geduld und Zeit bedarf ; nimmer unterzieht sich jetzt ein Mann einem solchen , um seine Fehler gut zu machen . « » Ei , was höre ich , Frau Elisabeth ? « rief der Maler : » aber so geht es immer , wenn sich einmal ein Mann allein unter die Frauenzimmer wagt , da muß er immer sich Allerlei gefallen lassen - statt Hahn im Korbe zu sein , ist man der Hirsch , den die Windspiele umzingeln und ankläffen . « Zweites Capitel Propst und Mönch Auf dem Steig bei den zwölf Brüdern standen mehrere niedere Gebäude durch einen großen Hof verbunden . Vor dem Eingang am großen Hofthor , über dem sich ein zierlicher Spitzbogen mit durchbrochener Arbeit erhob , befand sich ein steinerner Lindwurm , der aus seinem weiten Rachen Wasser spie , das auch jetzt im Winter lustig daraus hervorquoll , nur daß es da und dort am Rande des Wasserbeckens , wenn es über dasselbe plätscherte , zu seiner kunstreichen Steinmetzenarbeit noch spitze Zapfen von Eis ansetzte und auch den Rachen des Ungeheuers mit einem Bart von silberhellglänzenden Eisfasern umgab , daß es dadurch eine noch einmal so drohende Miene erhielt . Drinnen im Hof , ein langes Gebäude rechts war die Werkstatt des Meisters Adam Kraft . Hier arbeitete er umgeben von seinen Gesellen und Knechten . Eine große , glatte Steintafel lehnte vor ihm , an der er fleißig feilte , um Figuren in Lebensgröße als Hochbilder daran herauszumeißeln . Neben ihm standen Herr Martin Ketzel und der Propst Anton Kreß . Ersterer , der bei ihm die sieben Fälle Christi in ebenso vielen einzelnen Steintafeln und zwei Kapellein bestellt hatte - eine so große Arbeit , daß sie leicht mehrere Jahre bis zu ihrer Vollendung erfordern konnte , war gekommen , um einmal nachzusehen , wie weit sie vorgeschritten , und hatte auch den als Kunstförderer bekannten Propst dazu mitgebracht . Adam Kraft hatte ihnen die beiden fertigen Hochbilder gezeigt , lächelnd ihr Lob vernommen , ohne selbst viel dazu zu sagen , und jetzt fuhr er in seiner Arbeit fort , um den Besuch seiner Gönner sich weiter nicht kümmernd . Neben ihm stand sein neuester Handlanger , ein Bauernknecht aus dem nächsten Dorfe , den man nicht anders als den Riesen-Jacob nannte , so groß und stark war sein Gliederbau . Meister Kraft hatte ihn kürzlich bei seiner Werkstatt vorübergehen sehen und ihn gefragt , ob er sich von ihm wolle zum Handlanger dingen lassen ? Da es im Winter für den Knecht keine Arbeit und schlechte Zeit gab , so nahm er das Anerbieten für diese Zeit an . Er hatte gemeint , er sei gewählt worden , weil er wohl fünf für andere starke Männer Körperkraft besaß und mit Leichtigkeit große Steinblöcke da und dorthin tragen konnte , die Andere nur mühsam fortzuwälzen vermochten ; indeß erstaunte er nicht wenig , als der Meister nur selten solche Leistungen von ihm verlangte , dafür ihn aber oft an seine Seite nahm , und indeß er selbst die kunstreichsten Formen in den Stein trieb , dem Riesen-Jacob mit der größten Genauigkeit zeigte und erklärte , wie man selbst das mache und wie er versuchen müsse , ihm das nachzuthun . Der rohe Bauernbursche , der nur mit Ochsen und Pferden umzugehen verstand , Bäume zu fällen , und in Zeiten , wo die Ritter ihren Unterthanen und Hörigen die Ochsen geschlachtet und die Pferde entführt hatten , um sie bei ihren Raubzügen oder im Kriegsdienst zu verwenden , wohl auch selbst am Pfluge ziehen mußte - der verstand kein Wort von dem , was ihm der Meister sagte , lachte nur und wagte kaum einen rohen Versuch , den Meißel in den Stein zu treiben . Die ihm nahe stehenden Steinmetzgesellen aber lächelten einander zu und merkten hoch auf , denn sie wußten : so war einmal ihres Meisters Art. Nie war er dahin zu bringen , Einem von ihnen , der bei ihm lernte , etwas ordentlich zu