. « » Du Spottvogel ! Ja , erst noch will ich dich in unsers Herrgotts Schutz empfehlen und all Stund für dich beten , daß dir ' s gehen mög wie dem Handwerksburschen , der in der Fremde so wunderbar behütet worden ist . « » Wie ist denn das gewesen ? « » Hast nie was davon gehört ? Mir ist ' s einmal im Karz erzählt worden . Ein Handwerksbursch ist , weit von seiner Heimat weg , abends spät in eine fremde Stadt kommen und hat nach der Herberg gefragt . Er ist arg müd gewesen , und in den vielen krummen und buckligen Gassen hat er sich auch noch die Füß auf dem Pflaster verstoßen müssen . Gelt ? Ach Gott , so wird ' s dir auch gehen auf deiner Wanderschaft . « » Mach nur fort . « » Bis er zur Herberg kommen ist , ist ' s schon ganz Nacht gewesen . Wie er nun durch den finstern Hausgang an der Wand hintappt , da kommt plötzlich etwas wie ein starker Mann über ihn her und packt ihn fest um den Leib - « » Donnerwetter ! « unterbrach er sie , » da hätt ich aber dreingeschlagen ! « » Nein ! Wart nur , ' s kommt ganz anders , du G ' walttätle du ! Der Handwerksbursch hat vielleicht auch geflucht oder wenigstens im Schrecken einen Laut von sich geben ; denn auf einmal sieht er einen Lichtschein vor sich in der Tiefe , und eine Stimme ruft von unten herauf : Um Jesu Christi willen , gehet keinen Schritt weiter oder Ihr seid des Todes ! Wie nun das Licht näher kommen ist , da hat er erst gesehen , daß er vor der Kelleröffnung steht , und tief unter ihm steht der Wirt mit dem Licht in der Hand und heißt ihn warten , bis er heraufkomme und die Falltür zumache . Drauf hat er sich umgesehen nach dem Freund , der ihn vor dem jähen Sturz bewahrt hat , aber da ist niemand weit und breit gewesen . Wer kann ' s also anders gewesen sein als der Engel , der ihn zu seinem Schutz begleitet hat ? Sieh , und einem solchen Engel möcht ich dich auch anempfohlen haben , daß er keinmal von dir wiche und ließe dir kein Leid geschehen . « » Wie der , der mit dem jungen Tobias auf die Wanderschaft gangen ist ? Ich ließ mir ' s auch gefallen , wenn du der Engel wärst . « » Ach , wenn ich mit dir könnt ! Ich wollt gewiß nie über Müdigkeit klagen . « » Das wär ein lustig ' s Reisen und ein tröstlicher Reis ' kamerad . Aber - Weil ' s aber nicht kann sein , Nicht kann sein , nicht kann sein , Bleibst du allhier . « » Oh , wenn ich dran denk « , rief Christine , von einem plötzlichen Schauer ergriffen , » daß ich dich nimmer säh - und alles , was dann über mich käm - , ich tät mir einen Tod an . « » Wie meine Schwester ? Die hat auch gesagt , sie spring in die Fils , und den Tag drauf hat sie meinen Schwager genommen . Damit jedoch die arm Seel Ruh hat , will ich dir jeden Trost und jede Hoffnung und jeden Schwur , alles von A bis Z noch einmal runtersagen . « Nachdem er dies unter wiederholten Liebkosungen getan , schob er sie sanft einige Schritte in rückwärtsgekehrter Richtung auf der Straße fort und sagte dann : » Jetzt tu mir ' s zulieb und sieh dich nicht mehr um ; ich will mich auch nicht mehr umsehen . « Er wandte sich und schlug rasch seinen kräftigen Wanderschritt wieder an . Kaum hatte er sich ein wenig entfernt , so rief sie : » Frieder , nur noch ein einzigen Blick ! « Er blieb stehen . » Nur noch ein einzig ' s Wort ! « rief sie . » Will und Lieb , die stiehlt kein Dieb . Nicht wahr ? « » Ja , lieb ' s Weible « , antwortete er . » Will und Lieb , die stiehlt kein Dieb . Jetzt aber geh heim . Der Morgen kommt , es wird empfindlich kalt . Willst gleich machen , daß da fortkommst ? « wiederholte er und bückte sich , als ob er den harten Schnee zu einem Wurfe ballen wollte . Sie lief lachend eine Strecke weit davon . Als sie haltmachte und sich nach ihm umsehen wollte , war er schon hinter der nächsten Biegung der Straße verschwunden , und schluchzend deckte sie die Augen mit der Schürze zu . 14 Selten wohl hat ein deutscher Hausknecht dem Fürsten Reichserbpostmeister in so kurzer Zeit soviel zu verdienen gegeben als der junge Schwabe , der in der Sonne zu Sachsenhausen eingetreten war . In Ebersbach fragte man sich noch , ob er jetzt wohl sein Reiseziel erreicht haben werde , da kam schon ein Brief von ihm » An die ehrbare und bescheidene Jungfer Christina Müllerin , in beliebigen Händen zu eröffnen , in Ebersbach , cito , cito , franco . « Der Brief lautet so : » Gott zum Gruß und Jesum zum Beistand . Hertzgeliebter Schatz , ich muß Dich mit einem betrübten Hertzen beschreiben , und diese Zeilen werden Dich , wie ich in meinem Hertzen glaub , betrübet antreffen . So will ich Dein Hertz erleichtern und Dich mit ernsthaftem Hertzen berichten : Liebe Christina , glaube Du , daß mein Hertz nicht wanckhen wird und Dir noch jederzeit treu verbleiben , so lang noch Gott eine Ader in meinem Leib laßt . Wann Du andere Buben entlaßst und Dich ihrer entläßst , und ich erfahre , daß Du Dich so haltst , wie es einem braven Menschen gehört , so soll mir keine Andere