Der früher Geliebte hat ihr in der ersten Zeit bisweilen geschrieben , wie er sagt , aber keine Antwort von ihr erhalten . Wiedergesehen hat er sie nie , da er bis vor wenig Wochen in den östlichen Provinzen angestellt war , während die Frau lange Zeit am Rheine lebte . Heute haben sich nun die Langgetrennten gefunden und der Beamte konnte der tiefen Erschütterung nicht Herr werden , in der er sich befand . Das Mädchen , das er in behaglichen Verhältnissen , jung und frisch verlassen , hatte er als bleiche , verkümmerte Frau unter den Händen fremder Menschen wiedergesehen ; erliegend unter der Last häuslichen Unglücks , geschmäht von einem Manne , der ihr das Leben zur Hölle gemacht hat . Um Gottes willen , rief er einmal über das andere , wie stellen wir es an , die Unglückliche frei zu machen ! - Ich schlug ihm vor , ich wolle selbst mit jenem Manne sprechen , ich wolle ihn überreden , in die Scheidung zu willigen . Der Beamte nahm den Vorschlag an , erklärte , dem Manne eine nicht unbedeutende Summe zahlen zu wollen , wenn er darauf eingehe , und wollte selbst zu der Frau eilen , sie davon zu benachrichtigen . Das widerrieth ich ihm jedoch entschieden , er darf sie nicht eher wiedersehen , bis die Angelegenheit beendet sein wird . Er ist das ihrer Ehre und sich selber schuldig . Ich bat Theophil , statt seiner zu ihr zu gehen und sie von den Vorgängen zu unterrichten , während ich in das Gasthaus fuhr , wo ihr Mann sich gewöhnlich aufhält , und diesem die nöthigen Vorstellungen machte ; denn der Beamte beschwor mich , es gleich zu thun , er könne sonst nicht Ruhe finden . Wie mir scheint , wird die Sache sich für den Augenblick hinhalten , und man muß sehen , wie sie enden wird . Nun , Ihr Beamter wird doch natürlich seine frühere Geliebte heirathen , rief Eva . Daran zweifle ich , obgleich er unverheirathet ist , meinte der Präsident . Wenigstens läßt mich keine seiner Aeußerungen darauf schließen , daß er diese Absicht habe . Er hat das Mädchen einst geliebt , es geht ihm nahe , die Frau jetzt unglücklich , mishandelt zu wissen , er will sie zu retten suchen , das ist ein sehr natürliches Gefühl . Ob er sie noch liebt ? ob sie ihm noch zur Frau begehrenswerth scheint , da ein langes Leben zwischen jener Zeit und ihrem Wiedersehen liegt , das wird die Zukunft lehren . Einstweilen wollte ich die Damen bitten , ob sie der Frau , die augenblicklich , wie mir Theophil sagt , in Noth ist , nicht Arbeit und Erwerb zu schaffen wüßten ? Mein Beamter wollte auch hier aushelfen , aber auch davon habe ich abgerathen . Es könnte zu Misdeutungen Anlaß geben , und warum soll man Jemand zur Annahme von Wohlthaten zwingen , dem man die Mittel geben kann , sich selbst zu helfen ? Kauft daher Leinwand und andere Stoffe , Ihr Frauen , und gebt der armen Person Arbeit und Verdienst , mehr ist für jetzt nicht nöthig . Eva und Therese , die , wie Alfred , mit Antheil zugehört hatten , erklärten sich sofort zu jedem Beistand gern bereit und Therese fragte : Wenn nun der Mann auch in die Scheidung willigt , so steht der Trennung doch kein Hinderniß im Wege und die Frau wird frei ? Nach den bisherigen Gesetzen , sagte Theophil , würde dann die Scheidung keine große Schwierigkeiten verursachen , da die Frau gewiß keine Unterstützung von dem Manne verlangt , und sich und die Töchter wie bisher ernähren würde . Nach dem beabsichtigten Gesetz dürfte es aber noch vielen Zweifeln unterworfen sein , ob man diese Ehe überhaupt trennen würde ? Aber was geht das den Staat an , ob zwei Menschen , die sich nicht mögen , miteinander leben oder von einander gehen ? fragte Eva . Da der Staat jene Frau nicht gefragt hat , ob sie ihren Mann auch möge , als die Eltern sie zu einer Heirath gegen ihre Neigung zwangen , so hat er doch auch jetzt gewiß nichts danach zu fragen , wenn sie den aufgedrungenen Mann nicht mag und sich von ihm trennt . Die Ehe und das Familienleben sind die Grundlage eines Staates und er hat deshalb die Pflicht , sie zu schützen , sagte Theophil . Was heißt das , die Ehen schützen , wenn man eine Frau so unglücklich werden läßt , als die , von der Sie eben berichtet haben ? Die Frauen sollte man beschützen , sie sollte man fragen , wenn man neue Gesetze über die Ehe entwirft , rief Eva , und nicht Gesetze geben , die einer Unglücklichen befehlen , das harte Joch zu tragen , wenn es ihr zu schwer wird . Es ist schlimm genug , daß Eltern und Verhältnisse ein Mädchen zwingen können , sich gegen ihren Wunsch zu verheirathen ; der Staat braucht nicht die Ungerechtigkeit hinzuzufügen , daß er verlangt , man solle verheirathet bleiben mit einem Manne , den man nicht liebt , nicht achtet , den die Frau hassen muß , wenn er sie gegen ihren Willen zu fesseln begehrt . Sie machen in Ihrer Entrüstung unbefangen einen Theil der Bemerkungen , die von allen Seiten gegen das neue Gesetz eingewendet werden , das auch mir nicht wohlbedacht erscheint , besonders weil es den Ehebruch bestrafen will , auch ohne daß der gekränkte Theil klagbar dagegen wird , sagte der Präsident . Die Ehe ist ein bürgerliches Institut und ein geistiges Band . Jede dieser Richtungen hat ihre besonderen Rechte . In Frankreich trennt man sie scharf , indem man erst die bürgerliche Ehe vor dem Maire abschließt , die geistige Ehe darauf von dem Priester segnen läßt . Die bürgerliche Ehe , als Staatsinstitut , als die schönste , vollendetste Form menschlicher Vereinigung , zu