angiebt , wird durch den Bischof von Lincoln , der mir befreundet , mein Brief leicht in seine Hände kommen , und ohne ferneres Aufsehen die Antwort zu uns zurückkehren . - So sei es denn , sagte die Herzogin gedehnt und mit vieler Ueberwindung , doch wünsche ich , daß Ihr es so geräuschlos , wie möglich , einrichten wollt . Es scheint mir , als könnten die Anfragen vorzüglich so gestellt werden , daß der Aufenthalt derjenigen , die sie betreffen , nicht genannt , und hauptsächlich , daß jede Art von gerichtlicher Einmischung vermieden würde . - Ich will nicht weiter widersprechen , sagte Graf Archimbald , doch wäre dies vielleicht der sicherste Weg , sich schnellen Aufschluß zu verschaffen . Aber , sprach die Herzogin , es würde gerade das herbeiführen , was ich aus vielen Gründen vermieden wünsche . Es scheint mir auch , als läge es ziemlich außer unserer Machtvollkommenheit . Die Fügung des Himmels hat sie einstweilen unter unsern Schutz gestellt , wir haben unsere Pflicht und unser Recht erfüllt , wenn wir die Verwandten ihr auszuforschen suchen , die sie zu haben vorgiebt . An diesen wird es dann sein , ihre übrigen Rechte wahrzunehmen ; die unsern erstrecken sich erst dann so weit , wenn sie unserer Hülfe überlassen bleiben sollte . Die alte Herzogin lächelte diesen Worten , welche bei weitem das Folgerechteste ihrer Aeußerungen dieses Morgens waren , ihren Beifall zu , und es schien , als habe die Herzogin sich mit denselben aus ihrer Unentschlossenheit herausgesprochen . Graf Archimbald hatte noch immer das Lächeln um den Mund , welches andeutete , er habe noch etwas im Rückhalt . Er fügte auch bald hinzu , daß es doch nicht unwichtig sei , wenn man einmal den in der Erzählung angeführten Thatsachen folgen wolle , über den letzten Aufenthalt des Fräuleins Erkundigungen einzuziehen , auch könne dies eigentlich nicht schwer sein . Durch die Angabe der Zeit , die das Fräulein auf dem Wege zugebracht , lasse sich einigermaßen die Entfernung bestimmen . Fehle auch die Richtung , so sei doch abzunehmen , daß er von der Küste entfernt , ohngefähr drei Tagereisen von Cumberland , etwas weiter als eine Tagereise von der Heerstraße nach London liegen müsse . Bis zum Waldhäuschen habe das Fräulein , zu Pferde und nach Mitternacht das Schloß verlassend , diesen Rest der Nacht und den folgenden Tag im strengsten Ritte gebraucht . Dahin zurückgeführt , habe sie , wie aus dem nur unvollständigen Bericht sich annehmen lasse , zwei Nächte und zwei Tage zugebracht , und zwar zu Fuß und äußerst erschöpft . Am dritten Tage aber sei sie , wie es scheine , schon Morgens am Forste des hiesigen Parkes erwacht , da es nicht wahrscheinlich sei , daß sie in dem Zustande von Bewußtlosigkeit , den sie geschildert , noch einen weiteren Weg habe machen können , als etwa durch diesen zunächst liegenden Wald bis zur Terrasse , welches auch eher denkbar sei , da leicht zu erkennende breite Wege bis dahin durch ihn hinführten . Fangen wir nicht zu viel auf einmal an , unterbrach ihn die Herzogin mit sichtlicher Unruhe . Ich habe ihr namentlich versprochen , sie zu schützen gegen ihren wüthenden Oheim , wer weiß nun , wen wir bei diesen Entdeckungen mit aufscheuchten , und ehe wir den Beschützer entdeckt , auf den sie hofft , hätten wir dann nicht einmal das Recht , sie dem Manne zu verweigern , der so wild in ihr Leben griff , und bei dessen Andenken sie das höchste Entsetzen befällt . Wir wollen nicht untersuchen , wie lange Graf Archimbald das Beschneiden und Zurückweisen aller seiner Aeußerungen von einer Frau ertragen hätte , mit der er gern zu gleichen Waffen kämpfte , hätte nicht die alte Lady sanft das Wort genommen , bemüht , die nächsten nöthigen Schritte , unter dem Wust von Für und Wider , Verwerfen und Annehmen , hervorzuziehen und zur allgemeinen Klarheit zu bringen . Uebrigens ward eingesehen , daß man das Fräulein davon unterrichten müsse , es lebe kein Graf von Marr am Hofe , zweitens wollte man es ihr freistellen , einen Einschlußbrief an Master Brixton zu schreiben , und ihr diesen beabsichtigten Entschluß als den zunächst nöthigen darzustellen suchen . Die alte Lady erbat es sich , am andern Tage ihr diese Mittheilungen machen zu dürfen . Denn , setzte sie liebreich hinzu , meine liebe Tochter hat schon zu viel allein in dieser Sache übernehmen müssen , und wohl mag sie der alten Mutter auch ein kleines Verdienst dabei gönnen . Ich werde meine Sachen schon ordentlich machen , fuhr sie lächelnd fort , bemüht , der allzu ernst gewordenen Unterredung ein milderes Ende zu geben . Die Herzogin schien sehr willig , ja erleichtert bei diesem Vorschlag , und Graf Archimbald übernahm es ; dem jungen Herzog das Wichtigste mitzutheilen , um seinem Eifer Grenzen zu setzen und ihn zu bewegen , das fernere Verfahren dem Grafen und den beiden Damen zu überlassen . Man trennte sich in leidlicher Stimmung , und Graf Archimbald führte die Herzogin nach ihren Zimmern , in denen sie eingeschlossen bis zur Tafel blieb , blos von Mistreß Morton umgeben , deren leises wohlthätiges Walten uns bekannt ist . Wer sich damit begnügte , die Personen zu zählen , die Stunden des Beisammenseins oder der Geschäfte zu beobachten , mußte behaupten , es sei nach einigen Wochen auf Godwie-Castle noch Alles in eben dem gleichmäßigen Gange , wie wir es an jenem Morgen unserer letzten Mittheilung verließen . Die schickliche Form , in welcher sich seit langer Zeit zu bewegen , eine Familie gewöhnt ist , ist ein wohlthätiger Damm gegen die dahinter eingefangenen Wogen der Leidenschaft . Wenn auch jene Macht nur bis zu gewissen Grenzen reicht , schützt sie doch gegen die gänzliche traurige Auflösung des Individuums , welches sich immer dadurch gehalten fühlt , daß Andere ruhig das Langgewöhnte thun und an ihn