Liebe es will . Rochusberg Ich kann oft vor Lust , daß jetzt die selige einsame Stunde dazu ist , nicht zum Schreiben kommen . Hier oben , im goldnen Sommer an die goldne Zukunft denken , - denn das ist meine Zukunft : Dich wiedersehen ; schon von dem Augenblick an , wo Du mir die Hand zum Abschied reichst und zu verstehen gibst , es sei genug der Zärtlichkeit , - da wende ich in Gedanken schon wieder um zu Dir . Darum lache ich auch mit dem einen Auge , während ich mit dem andern weine . Wie selig , also Dich zu denken , wie geschwätzig wird meine Seele in jedem kleinen Ereignis , aus dem sie hofft , den Schatz zu heben . Mein erster Gang war hier herauf , wo ich Dir den letzten Brief schrieb , ehe wir reisten . Ich wollte sehen , ob mein Tintenfaß noch da sei und meine kleine Mappe mit Papier . Alles noch an Ort und Stelle ; ach Goethe , ich habe Deine Briefe so lieb , ich habe sie eingehüllt in ein seidnes Tuch mit bunten Blumen und goldnem Zierat gestickt . Am letzten Tag vor unserer Rheinreise , da wußte ich nicht wohin mit , mitnehmen wollte ich sie nicht , da wir allesamt nur einen Mantelsack hatten ; in meinem Zimmerchen , das ich nicht verschließen konnte , weil es gebraucht wurde , mochte ich sie auch nicht lassen , ich dachte , der Nachen könnte versinken und ich versaufen , und dann würden diese Briefe , deren einer um den andern an meinem Herzen gelegen hat , in fremde Hand kommen . Erst wollte ich sie den Nonnen in Vollratz aufzuheben geben ; - es sind Bernhardinerinnen , die , aus dem Kloster vertrieben , jetzt dort wohnen , - nachher hab ich ' s anders überlegt . Das letztemal habe ich hier auf dem Berg einen Ort gefunden ; unter dem Beichtstuhl der Rochuskapelle , der noch steht , in dem ich auch immer meine Schreibereien verwahre , hab ich eine kleine Höhle gegraben und hab sie inwendig mit Muscheln vom Rhein und wunderschönen kleinen Kieselsteinchen ausgemauert , die ich auf dem Berge fand ; da hab ich sie in ihrer seidnen Umhüllung hineingelegt und eine Distel vor die Stelle gepflanzt , deren Wurzel ich sorgfältig mitsamt der Erde ausgestochen . Unterwegs war mir oft bange ; welcher Schlag hätte mich getroffen , hätte ich sie nicht wiedergefunden , mir steht das Herz still ; - sieben Tage war schlecht Wetter nach unserer Heimkehr ; es war nicht möglich , hinüberzukommen ; der Rhein ist um drei Fuß gestiegen und ganz verödet von Nachen ; ach , wie hab ich ' s verwünscht , daß ich sie da oben hingebracht hatte ; keinem mocht ich ' s sagen , aber die Ungeduld hinüberzukommen ! Ich hatte Fieber aus Angst um meine Briefe , ich konnte mir ja erwarten , der Regen würde irgendwo durchgedrungen sein und sie verderben ; ach , sie haben auch ein bißchen Wassernot gelitten , aber nur ganz wenig , ich war so froh , wie ich von weitem die Distel blühen sah , da hab ich sie denn ausgegraben und in die Sonne gelegt ; sie sind gleich trocken , und ich nehm sie mit . Die Distel hab ich zum ewigen Andenken wieder festgepflanzt . - Nun muß ich Dir auch erzählen , was ich hier oben für eine neue Einrichtung gefunden , nämlich oben im Beichtstuhl ein Brett befestigt und darauf einen kleinen viereckigen Bienenkorb . Die Bienen waren ganz matt und saßen auf dem Brettchen und an dem Korb . Nun muß ich Dir aus dem Kloster erzählen . Da war eine Nonne , die hieß man Mere celatrice , die hatte mich an sich gewöhnt , daß ich ihr alle Geschäfte besorgen half . Hatten wir den Wein im Keller gepflegt , so sahen wir nach den Bienen ; denn sie war Bienenmutter , und das war ein ganz bedeutendes Amt . Im Winter wurden sie von ihr gefüttert , die Bienen saugten aus ihrer Hand süßes Bier . Im Sommer hingen sie sich an ihren Schleier , wenn sie im Garten ging , und sie behauptete , von ihnen gekannt und geliebt zu sein . Damals hatte ich große Neigung zu diesen Tierchen . Die Mere celatrice sagte , vor allem müsse man die Furcht überwinden , und wenn eine stechen wolle , so müsse man nicht zucken , dann würden sie nie stark stechen . Das hat mich große Überwindung gekostet , nachdem ich den festen Vorsatz gefaßt hatte , mitten unter den schwärmenden Bienen ruhig zu sein , befiel mich die Furcht , ich lief , und der ganze Schwarm mir nach . Endlich hab ich ' s doch gelernt , es hat mir tausend Freude gemacht , oft hab ich ihnen einen Besuch gemacht und einen duftenden Strauß hingehalten , auf den sie sich setzten . Den kleinen Bienengarten hab ich gepflegt , und die gewürzigen dunklen Nelken besonders hab ich hineingepflanzt . Die alte Nonne tat mir auch den Gefallen , zu behaupten , daß man alle Blumen , die ich gepflanzt hatte , aus dem Honig herausschmecke . So lehrte sie mich auch , daß , wenn die Bienen erstarrt waren , sie wieder beleben . Sie rieb sich die Hand mit Nesseln und mit einem duftenden Kräutchen , welches man Katzenstieg nennt , machte den großen Schieber des Bienenhauses auf und steckte die Hand hinein . Da setzten sie sich alle auf die Hand und wärmten sich , das hab ich oft auch mitgemacht ; da steckte die kleine Hand und die große Hand im Bienenkorb . Jetzt wollt ich ' s auch probieren , aber ich hatte nicht mehr das Herz ; siehst Du , so verliert man seine Unschuld und die hohen Gaben , die man durch sie hat . Bald hab ich