wissen . Ja , und wär es auch eine Wahnsinnige , sie wird uns nicht schaden . Ich kenne sie und sie kennt mich . Du sollst noch vieles hören . « Damit ging er nach dem Orte hin , von wo der Gesang gekommen war , welcher indessen wieder aufgehört hatte . Die Schwester , ihren Ohren kaum trauend , sah ihm nach , unter verworrenen Ahnungen , in äußerster Besorgnis . So blieb sie eine geraume Weile , dann rief sie , von unerträglicher Angst ergriffen , mehrmals und laut den Namen ihres Bruders . Er kam , und zwar Hand in Hand mit der Fremden , traulich und langsam heran . Es schien , daß unter der Zeit eine entschiedene Verständigung zwischen den beiden stattgefunden haben müsse . Wenn die Miene Theobalds nur eine tiefbefriedigte , entzückte Hingebung ausdrückte , so brach zwar aus der Jungfrau noch ein matter Rest des vorigen Aufruhrs ihrer Sinne wie Wetterleuchten hervor , aber um so reizender und rührender war der Obergang ihres Blickes zur sanften , gefälligen Ruhe , wozu sie sich gleichsam Gewalt antat . Adelheid begriff nichts von allem ; doch milderte der jetzige Anblick der Unbekannten ihre Furcht um vieles , erweckte ihre Teilnahme , ihr Mitleid . » Sie geht mit uns nach Hause , Schwester , damit du es nur weißt ! « fing Theobald an , » ich habe schon meinen Plan ausgedacht . Nicht wahr , Elisabeth , du gehst ? « Ihr Kopfschütteln auf diese Frage schien bloß das schüchterne Verneinen von jemand , der bereits im stillen zugesagt hat . » Laßt uns aber lieber gleich aufbrechen , es will schon Abend werden ! « setzte jener hinzu ; und so rüstete man sich , packte zusammen und ging . » Ich sehe nicht « , flüsterte Adelheid in einem günstigen Augenblick , während Elisabeth weit vorauslief , dem Bruder zu , » ich begreife nicht , was daraus werden kann ! Hast du denn überlegt , wie der Vater dies Abenteuer aufnehmen wird ? Wenn du die Absicht hast , daß diese Person heute nacht eine Unterkunft bei uns finde , was kann ihr dieses viel nützen ? oder was trägst du sonst im Sinne ? Um des Himmels willen , gib mir nur erst Aufschluß über dein rätselhaftes Benehmen ! Welche Bewegung ! welche Leidenschaft ! Wie hängt denn alles zusammen ? du handelst wie ein Träumender vor mir ! « » Da magst du wohl recht haben « , war die Antwort , » ja , wie ein Träumender ! weiß ich doch kaum , wie alles kam . Ich zweifle zuweilen an der Wirklichkeit dessen , was da vorging . Aber doppelt wunderbar ist es , daß dasjenige , was ich dir heute auf dem Rehstock offenbaren wollte und was nirgends als in meiner Einbildung lebte , uns beiden in leibhafter Gestalt hat erscheinen müssen . « Nach und nach erklärte er , daß ihm das Mädchen über sich selbst nichts weiter zu sagen gewußt , als : sie habe sich vor vier Tagen heimlich von ihrer Gesellschaft , einer übrigens öffentlich geduldeten Zigeunerhorde , getrennt , weil sie ihre Heimat habe wiedersuchen wollen , der man sie in jungen Jahren entrissen , deren sie sich auch nur schwach mehr erinnere . Diese Nachricht diente keineswegs , die Teilnahme Adelheids sehr zu vermehren , vielmehr erregte der angegebene Grund der Entweichung ihren Verdacht in hohem Grade als unwahrscheinlich . Indessen war das vernünftige Mädchen in der Voraussicht , daß eine Zurechtweisung des Bruders für jetzt schlechterdings vergeblich wäre , nur darauf bedacht , unter mißlichen Umständen wenigstens größeres Unheil zu verhüten . Theobalds körperlicher Zustand , der nach einer unnatürlichen Anspannung eine gefährliche Schwäche befürchten ließ , war das nächste , was sie beunruhigte , und ihr Vorschlag , man wolle den benachbarten Rittmeister um sein Gefährt ansprechen , fand bei dem Bruder nur insoferne Widerspruch , als Elisabeth ihrerseits darauf beharrte , den Weg zu Fuß zu machen . Johann , welcher inzwischen treulich gewartet hatte , ward jedoch mit den geeigneten Aufträgen nach dem nächsten Hofe zu dem alten Herrn Rittmeister , einem guten Bekannten des Pfarrers , abgeschickt . Während einer peinlichen halben Stunde des Wartens fand Adelheid Veranlassung , den Gegenstand ihres Unmuts und ihres Mißtrauens von einer wenigstens unschuldigen Seite kennenzulernen . Elisabeth äußerte auf die unzweideutigste Weise eine fast kindliche Reue darüber , daß sie sich von ihrer Bande weggestohlen , wo man sie nun recht mit Sorgen vermisse , wo ihr nie ein Leid geschehen sei , wo sie , sooft sie krank gewesen , immer guten Trost und geschickte Pflege bei gar muntern und redlichen Leuten gefunden habe . Bei dem Wörtchen » krank « legte sie mit einer traurig lächerlichen Grimasse den Zeigefinger an die Stirn , und gab auf diese Art ganz unverhohlen ein freiwilliges Bekenntnis dessen , was Adelheid anfangs gefürchtet hatte . Aber sie fügte sogar noch den naiven Trost hinzu : » Seid nur nicht bang , ihr guten Kinder , daß ich jemand Übels zufüge , wenn mein Leid mich übernimmt . Da sorgt nur nicht . Ich gehe dann immer allein beiseite und singe das Lied , welches Frau Faggatin , die Großmutter , mich gelehrt , da wird mir wieder gut . Du , armer Junge , du sollst auch das Lied noch lernen , du hast gar viel zu leiden ; ich habe das wohl bald bemerkt , darum geh ich mit dir , bis du zu Hause bist , doch behalten könnt ihr mich nicht . Auch schlaf ich heute nicht bei euch . Diese Nacht noch zieht Elisabeth weiter , woher sie gekommen , denn die Heimat ist nicht mehr zu finden . Man hat mir sie verstellt die Berge , das Haus und den grünen See , mir alles verstellt Wie das nur möglich ist ! Ich muß lachen ! « Der Knecht kam jetzt mit der