auf , den er , an Husten und Schnupfen und Gichtbeschwerden laborirend , im Sorgenstühle antraf . - » Sieh da ! « rief der Prälat mit schlecht verborgnem Verdrusse : » sieh da , wieder ein Faschingsgesicht , dem man es ansieht , wie es nur auf die Kirchenglocke lauert , die das Zeichen geben soll , zu dem gräulichen Tollmannswesen ! Gleich wie die blinden Heiden ihre Bacchanalien feierten in Rausch und Unzucht , also siehet man heutzutage die Christen in den Schlamm der Abscheulichkeit stürzen , um sich auf vierzig Tage satt darinnen zu schlemmen ! O du verlorner Sohn Absalom ! Deine Mutter hat es noch dereinst am jüngsten Tage zu verantworten , daß sie Dich zur Kirche bestimmt hat . « - » Ihr habt völlig Recht , lieber Ohm , « versetzte Dagobert : » ich bin selbst dieser Meinung . Laßt uns indessen nicht grollen , nicht hadern an diesen Freudentagen , Fastnacht kömmt nur einmal im Jahre .. ' s thut mir leid , daß Euch das Zipperlein an die Stube fesselt . Ich hätte Euch so gerne Euere ehemaligen Landsleute in ihrer Glorie von Fröhlichkeit gezeigt . « - » Ja , eine Glorie ist ' s , « antwortete der Prälat : » eine Glorie von Flammen aus dem höllischen Pfuhl gewebt . O , ihr Deutsche , ihr Deutsche ! Wohl dem , der sich lossagen kann von Eurer Gemeinschaft . « - » Spricht lieb Mühmlein desgleichen ? « fragte Dagobert die lächelnde Fiorilla . Diese aber schüttelte schelmisch mit dem Kopf , und erwiederte : » Ich müßte lügen , Vetter . Gestern erst , da zufällig der Kaiser mit seinem Gefolge unter unsers Hauses Fenstern vorbeiging , lernte ich Eure Landgenossen auf ' s Neue bewundern . Welche kräftige Gestalten , welch edler Wuchs , welch stolze Haltung ! Stark von Brust und Schultern , aufgerichtet das Haupt , umwallt von krausem Goldhaar , kann dieses Volk das schönste genannt werden von allen Reichen der Welt . « » Wie das plaudert ! wie das schnappert ! unedle Sinnenlust ! « eiferte der argwöhnische Prälat aus seinem Sessel . Dagobert küßte aber die Sprecherin auf die Stirne . - » Ich bringe Euch den Dank meines Volks ; « sagte er verbindlich : » Ich darf doch darauf rechnen , Euch zum mindesten in das Festgewühl der belobten Landsleute führen zu dürfen ? « Entschuldigend und versagend zeigte Fiorilla auf den leidenden Oheim , dem dagegen die Röthe des Ärgers auf die Wange , stieg . » Hebe Dich weg , Versucher ! « rief er zornmüthig : » Entführe nicht dem Kranken die Pflegerin . Geh zu Wallraden . Dort ist Dein Platz . Sie magst Du führen , wohin Du willst . « - » Ach , Oheim ! « entgegnete Dagobert mit schalkhafter Betrübniß : » Die Fastnacht zwischen Wallraden und mir ist schon vorbei . Sie hat bessere Gesellschaft , denn die Meine . « » Hm ! « meinte der Prälat , die Nase rümpfend : » Die ist nicht schwer zu finden . Doch .... ein Wort im Vertrauen . « - Er zog den Neffen bei dem Arme sich näher , und Fiorilla entfernte sich auf seinen Wink . - » Warum kommst Du gar nicht mehr zu Wallraden ? « fragte Monsignore : » Ich bat Dich doch , Deinen Einfluß für einen ihrer Freier zu verwenden . « - » Ohm ! « antwortete Dagobert : » Ich sagte es Euch : Mein Einfluß ist aus , und dann bin ich ein schlechter Freiwerber . « - » Du weißt also gar nicht , wie sich die Sachen gestaltet haben ? « fuhr der Prälat fort : » Wallrade hat mir selbst vertraut , daß unser allergnädigster Herr , der Kaiser selbst , ein huldvolles Auge auf sie geworfen . Das geschah am verwichnen Sonntag , bei dem großen Tanzfeste , das des Kaisers Majestät in ihrer Freigebigkeit veranstaltet . « - » Der gute Herr ist der Minne Freund ; « schaltete Dagobert ein : » Was soll aber daraus folgen ? « - » Blödsichtiger ! « schalt der Oheim ! » Daraus folgt , daß mein , Dein und Wallraden ' s Waizen blüht , wenn des Kaisers Neigung begünstigt wird . « - » Wie so denn ? « fragte der Neffe mit großen Augen . - » Verwünschter deutscher Querkopf ! « fuhr der Prälat fort : » Wallradens zeitliches Glück , eine herrliche Pfründe für Dich , köstliche Privilegien für mich und mein Stift , eine Bischofsmütze vielleicht .... begreifst Du nun ? « - » Ich würde das Alles begreifen , « versetzte Dagobert bedächtig , » wenn Wallrade von Sigmund geehlicht werden könnte . Ihr vergeßt aber , guter Ohm , daß meine Schwester nur eines Altbürgers Tochter , - daß der Kaiser bereits vermählt . Wie räumt sich also , was Ihr sagt ? « Der Prälat spielte ungeduldig mit dem Kreuze auf seiner Brust . » So alt schon , « sprach er , » und noch nicht klüger ? Ein Weltkind , und unbefangener als ein Klosterbruder , der nie aus der Zelle kam ? Wie räumt sich denn das ? Siehst Du denn nicht ein , daß eines Kaisers , eines verliebten Kaisers Leidenschaft sich nicht an Ring und Priestersegen bindet ? daß es unendlich vortheilhafter ist , auf kurze Zeit seine Freundin , als auf ewig seine Gattin zu seyn ? Sigismund hat ein weiches , gottesfürchtiges Herz ; er liebt es , Alles um sich her zufrieden zu sehen , und beginnt unstreitig bei den Blutsfreunden seiner Huldin , wenn sie vorsichtig einwilligen , ihren Bruder- und Oheimsnamen als Schild zu Schutz und Trutz vor die verschwiegne Minne halten , und durch solche Wache den Kaiser beglücken , bis dieser die Geliebte - der Sache ein Ende zu machen - einem reichen Magnaten