die Nacht hinein in seinem Komtoir festzuhalten drohten , und dies war nun freilich ein Zeichen zum Aufbruch , dem Sir Charles , wenn gleich ungern , dennoch Folge zu leisten , nicht umhin konnte . Schön ist sie eigentlich nicht , meine Braut , aber verteufelt hübsch , murmelte er vor sich hin , als er höchst zufrieden , ohne eine Ahnung davon , daß er sich in der Person geirrt haben könne , quer über die Straße hinging , um sich in seine Wohnung zu begeben . Nach englischer Sitte hatte er im Laufe des Gesprächs Herrn Kleeborn stets nur bei seinem Namen genannt und ihn nie als den Vater der jungen Dame , zu der er sprach , näher bezeichnet . In Babets Plan - denn daß es diese und nicht Vicktorine war , die er im Wohnzimmer antraf , hat man gewiß längst errathen - in Babets Plan also , konnte diese Verwechselung freilich nicht liegen , als sie ganz allein im Wohnzimmer blieb , nachdem Anna , Agathe und Vicktorine des langen Wartens müde , sich aus demselben zurückzogen . Es war ihr nur verdrüßlich gewesen , sich so um nichts und wieder nichts geputzt zu haben , deshalb beschloß sie bei sich selbst und ohne ein Wort davon zu sagen , es doch noch ein wenig abzuwarten , ob der Fremde nicht noch kommen sollte , dessen Ankunft am Morgen ihre ganze Neubegier bis zum Peinlichen erregt hatte . Als er nun wirklich da war , und vollends sie für Vicktorinen hielt , was sie sehr bald bemerkte , schwieg sie anfangs , weil sie in der Verlegenheit nicht wußte wie sie sich ihm zu erkennen geben sollte ; doch dieses verlegene Schweigen verwandelte sich mit der Zeit in ein absichtliches , da sie das Wohlgefallen entdeckte , mit welchem der junge Mann sie betrachtete . » Hat er mich doch nicht nach meinem Namen gefragt « , dachte sie , und wenn ich ihm nun besser gefalle als Vicktorine , ists meine Schuld ? Es wäre doch albern von mir , wenn ich ihn gleich zurückwiese , und am Ende thue ich wohl noch gar Vicktorinen einen Gefallen , denn die scheint ganz etwas anderes im Kopfe zu haben als diesen Sir Charles , den Papa ihr gern zuweisen möchte , wie ich wohl merke . Voll von der Eroberung , die sie so ganz unverhofft noch am späten Abend gemacht zu haben glaubte , eilte Babet , gleich nachdem Sir Charles fortgegangen war , zu ihrer Schwester , um ihr dies wichtige Ereigniß mitzutheilen ; doch Agathe war schon im Einschlafen begriffen , und bezeigte wenig Theilnahme . » Geh ' mir , « sprach sie endlich , da Babet gar nicht aufhören wollte davon zu reden , » geh ' mir mit deinem Engländer . Wenn es kein Prinz und kein Bereuter ist , so verlange ich gar nichts von ihm zu wissen . Und nimm es mir nicht übel , aber ich kann es von Dir auch nicht loben , daß Du Dich gleich so mit dem wildfremden Manne einläßt , ohne auch nur ein bischen an deinen Theodor zu denken . Ich könnte so nicht seyn , und wenn er sich sechs Brillen übereinander aufsetzte . Und nun gute Nacht . « In Babets Köpfchen , wie in ihrem Herzen , wogte es indessen viel zu bunt durch einander , als daß sie sich so hätte zufrieden geben können . Sie bedurfte durchaus gleich auf der Stelle einer Vertrauten , und schlich sich also , spät wie es war , zu Vicktorinen , die sie freilich noch wachend fand . Aber zu ihrem großen Schrecken traf sie auch die Tante noch bei ihr an . Indessen faßte sie sich schnell und war obendrein listig genug , ihr Zusammentreffen mit Sir Charles und daß er sie für Vicktorinen angesehen habe , als einen lustigen Scherz jetzt zu erzählen ; doch statt des gehofften Beifalls erhielt sie von der Tante nur einen sehr ernsten Verweis über ihren unvorsichtigen Leichtsinn , und wurde noch obendrein gefragt : was sie denn morgen anzufangen gedenke , wenn Sir Charles die wirkliche Vicktorine sehen und so den ihm gespielten Betrug entdecken würde ? Babet machte sich ohne Antwort ganz trübselig wieder davon , denn dieses war ihr in der Freude ihres Herzens noch gar nicht eingefallen . Halb ärgerlich , halb ängstlich , denn der Tante letzte Bemerkung hatte sie schwer getroffen , wollte Babet eben wieder den Weg nach ihrem Zimmer eingeschlagen , da hörte sie auf dem Gange Angelikas Harfentöne durch die stille Nacht . Das Bedürfniß , von dem zu reden , was ihr in diesem Augenblick auf dem Herzen lastete , war zu groß , es trieb sie daher auch noch zu dieser hin , so wenig sie übrigens auch sonst gewohnt war mit der ernsten Angelika nach Mädchenart vertraulich zu verkehren . Im Grunde , dachte sie , ist Angelika doch ein gutes Kind und auch verständig , vielleicht kann sie mir rathen , was ich morgen anfangen soll , um nicht vor allen Leuten gar zu beschämt da zu stehen . Doch die arme Babet war einmal dazu bestimmt , an diesem Abend durchaus keine Theilnahme finden zu können . Das blasse Gesicht auf die Harfe gelehnt , schien Angelika dem raschen Plaudern zwar mit ihrer gewohnten stillen Freundlichkeit zuzuhören ; aber es ging beinahe ganz unverständlich an ihr vorüber . Mühsam und vergebens suchte sie ihren schwermüthigen Träumen sich zu entreißen , denen sie in der Einsamkeit der Nacht sich so gerne überließ ; sie vermochte es nicht einmal , den Sinn von Babets Worten zu fassen , und antwortete ihr so unpassend und abgebrochen , daß diese die Geduld dabei verlor und endlich fortging , um mit ihrem Kopfkissen , dem einzigen Vertrauten , der ihr noch blieb , sich besser zu berathen . Babet verband eigentlich mit einer sehr lebendigen Phantasie ein eiskaltes Gemüth , wie