zuletzt auch wieder die Welt um sich her gewahr , und diese steht selten mit solchen Empfindungen im Einklang . Nun dachte man auch wieder an den Sohn . Ihm hatte man Hilarien bestimmt , das ihm sehr wohl bekannt war . Gleich nach Beendigung des Geschäfts mit dem Obermarschall sollte der Major seinen Sohn in der Garnison besuchen , alles mit ihm abreden und diese Angelegenheiten zu einem glücklichen Ende führen . Nun war aber durch ein unerwartetes Ereignis der ganze Zustand verruckt ; die Verhältnisse , die sonst sich freundlich ineinanderschmiegten , schienen sich nunmehr anzufeinden , und es war schwer vorauszusehen , was die Sache für eine Wendung nehmen , was für eine Stimmung die Gemüter ergreifen würde . Indessen mußte sich der Major entschließen , seinen Sohn aufzusuchen , dem er sich schon angemeldet hatte . Er machte sich nicht ohne Widerwillen , nicht ohne sonderbare Ahnung , nicht ohne Schmerz , Hilarien auch nur auf kurze Zeit zu verlassen , nach manchem Zaudern auf den Weg , ließ Reitknecht und Pferde zurück und fuhr mit seinem Verjüngungsdiener , den er nun nicht mehr entbehren konnte , der Stadt , dem Aufenthalte seines Sohnes , entgegen . Beide begrüßten und umarmten sich nach so langer Trennung aufs herzlichste . Sie hatten einander viel zu sagen und sprachen doch nicht sogleich aus , was ihnen zunächst am Herzen lag . Der Sohn erging sich in Hoffnungen eines baldigen Avancements ; wogegen ihm der Vater genaue Nachricht gab , was zwischen den ältern Familiengliedern wegen des Vermögens überhaupt , wegen der einzelnen Güter und sonst verhandelt und beschlossen worden . Das Gespräch fing schon einigermaßen an zu stocken , als der Sohn sich ein Herz faßte und zu dem Vater lächelnd sagte : » Sie behandeln mich sehr zart , lieber Vater , und ich danke Ihnen dafür . Sie erzählen mir von Besitztümern und Vermögen und erwähnen der Bedingung nicht , unter der , wenigstens zum Teil , es mir eigen werden soll ; Sie halten mit dem Namen Hilariens zurück , Sie erwarten , daß ich ihn selbst ausspreche , daß ich mein Verlangen zu erkennen gebe , mit dem liebenswürdigen Kinde bald vereinigt zu sein . « Der Major befand sich bei diesen Worten des Sohnes in großer Verlegenheit ; da es aber teils seiner Natur , teils einer alten Gewohnheit gemäß war , den Sinn des andern , mit dem er zu verhandeln hatte , zu erforschen , so schwieg er und blickte den Sohn mit einem zweideutigen Lächeln an . - » Sie erraten nicht , mein Vater , was ich zu sagen habe « , fuhr der Lieutenant fort , » und ich will es nur rasch ein für allemal herausreden . Ich kann mich auf Ihre Güte verlassen , die , bei so vielfacher Sorge für mich , gewiß auch an mein wahres Glück gedacht hat . Einmal muß es gesagt sein , und so sei es gleich gesagt : Hilarie kann mich nicht glücklich machen ! Ich gedenke Hilariens als einer liebenswürdigen Anverwandten , mit der ich zeitlebens in den freundschaftlichsten Verhältnissen stehen möchte ; aber eine andere hat meine Leidenschaft erregt , meine Neigung gefesselt . Unwiderstehlich ist dieser Hang ; Sie werden mich nicht unglücklich machen . « Nur mit Mühe verbarg der Major die Heiterkeit , die sich über sein Gesicht verbreiten wollte , und fragte den Sohn mit einem milden Ernst : wer denn die Person sei , welche sich seiner so gänzlich bemächtigen können . - » Sie müssen dieses Wesen sehen , mein Vater : denn sie ist so unbeschreiblich als unbegreiflich . Ich fürchte nur , Sie werden selbst von ihr hingerissen , wie jedermann , der sich ihr nähert . Bei Gott ! ich erlebe es und sehe Sie als den Rival Ihres Sohnes . « » Wer ist sie denn ? « fragte der Major . » Wenn du ihre Persönlichkeit zu schildern nicht imstande bist , so erzähle mir wenigstens von ihren äußern Umständen : denn diese sind doch wohl eher auszusprechen . « - » Wohl , mein Vater ! « versetzte der Sohn ; » und doch würden auch diese äußeren Umstände bei einer andern anders sein , anders auf eine andere wirken . Sie ist eine junge Witwe , Erbin eines alten , reichen , vor kurzem verstorbenen Mannes , unabhängig und höchst wert , es zu sein , von vielen umgeben , von ebenso vielen geliebt , von ebenso vielen umworben , doch , wenn ich mich nicht sehr betriege , mir von Herzen angehörig . « Mit Behaglichkeit , weil der Vater schwieg und kein Zeichen der Mißbilligung äußerte , fuhr der Sohn fort , das Betragen der schönen Witwe gegen ihn zu erzählen , jene unwiderstehliche Anmut , jene zarten Gunstbezeigungen einzeln herzurühmen , in denen der Vater freilich nur die leichte Gefälligkeit einer allgemein gesuchten Frau erkennen konnte , die unter vielen wohl irgendeinen vorzieht , ohne sich eben für ihn ganz und gar zu entscheiden . Unter jeden andern Umständen hätte er gewiß gesucht , einen Sohn , ja nur einen Freund auf den Selbstbetrug aufmerksam zu machen , der wahrscheinlich hier obwalten könnte ; aber diesmal war ihm selbst so viel daran gelegen , wenn der Sohn sich nicht täuschen , wenn die Witwe ihn wirklich lieben und sich so schnell als möglich zu seinen Gunsten entscheiden möchte , daß er entweder kein Bedenken hatte oder einen solchen Zweifel bei sich ablehnte , vielleicht auch nur verschwieg . » Du setzest mich in große Verlegenheit « , begann der Vater nach einiger Pause . » Die ganze Übereinkunft zwischen den übriggebliebenen Gliedern unsers Geschlechts beruht auf der Voraussetzung , daß du dich mit Hilarien verbindest . Heiratet sie einen Fremden , so ist die ganze , schöne , künstliche Vereinigung eines ansehnlichen Vermögens wieder aufgehoben , und du besonders in deinem Teile nicht zum besten bedacht . Es gäbe wohl noch