ganz von mir - ja , so verschwindet ihr alle in finstre Nacht , ihr Kater , andere Tiere und Menschen ! - Aber trotz der göttlichen Natur , die aus mir , dem geschwänzten Lichtgeist , herausstrahlt , teile ich doch nicht das Los aller Sterblichen ? - Mein Herz ist zu gut , ich bin ein zu empfindsamer Kater , möchte mich gern gemütlich anschließen den Schwächern und gerate darüber in Trauer und Herzeleid . - Denn muß ich nicht überall gewahren , daß ich allein stehe wie in der tiefsten Einöde , da ich nicht dem jetzigen Zeitalter , nein , einem künftigen der höhern Ausbildung angehöre , da es keine einzige Seele gibt , die mich gehörig zu bewundern versteht ? Und es macht mir doch so viel Freude , wenn ich tüchtig bewundert werde , selbst das Lob junger gemeiner , ungebildeter Kater tut mir unbeschreiblich wohl . Ich weiß sie vor Erstaunen außer sich selbst zu setzen , aber was hilft ' s , sie können doch , bei aller Anstrengung , nicht den rechten Lobposaunenton treffen , schreien sie auch noch so sehr Mau - Mau ! - An die Nachwelt muß ich denken , die mich würdigen wird . Schreib ' ich jetzt ein philosophisches Werk , wer ist ' s , der die Tiefen meines Geistes durchdringt ? Laß ich mich herab , ein Schauspiel zu dichten , wo sind die Schauspieler , die es aufzuführen vermögen ? Laß ich mich ein auf andere literarische Arbeiten ; schreib ' ich z.B. Kritiken , die mir schon deshalb anstehen , weil ich über alles , was Dichter , Schriftsteller , Künstler heißt , schwebe , mich gleich überall selbst als , freilich unerreichbares , Muster , als Ideal der Vollkommenheit hinstellen , deshalb auch allein ein kompetentes Urteil aussprechen kann , wer ist ' s , der sich auf meinen Standpunkt hinaufzuschwingen , meine Ansichten mit mir zu teilen vermag ? - Gibt es denn Pfoten oder Hände , die mir den verdienten Lorbeerkranz auf die Stirne drücken könnten ? - Doch dafür ist guter Rat vorhanden , das tue ich selbst und lasse den die Krallen fühlen , der sich etwa unterstehen möchte , an der Krone zu zupfen . - Es existieren wohl solche neidische Bestien , ich träume oft nur , daß ich von ihnen angegriffen werde , fahre , in der Einbildung , mich verteidigen zu müssen , mir selbst ins Gesicht mit meinen spitzen Waffen und verwunde kläglich das holde Antlitz - Man wird auch wohl im edeln Selbstgefühl etwas mißtrauisch , aber es kann nicht anders sein . Hielt ich es doch neulich für einen versteckten Angriff auf meine Tugend und Vortrefflichkeit , als der junge Ponto mit mehreren Pudeljünglingen auf der Straße über die neuesten Erscheinungen des Tages sprach , ohne meiner zu erwähnen , unerachtet ich doch kaum sechs Schritte von ihm an der Kellerluke meiner Heimat saß . Nicht wenig ärgerte es mich , daß der Fant , als ich ihm Vorwürfe darüber machte , behaupten wollte , er habe mich wirklich gar nicht bemerkt . Doch es ist Zeit , daß ich euch , mir verwandte Seelen einer schönern Nachwelt , - o , ich wollte , diese Nachwelt befände sich schon mitten in der Gegenwart und hätte gescheite Gedanken über Murrs Größe und spräche diese Gedanken laut aus mit so heller Stimme , daß man nichts anderes vernehmen könnte vor dem lauten Geschrei , - ja , daß ihr etwas Weiteres davon erfahrt , was sich mit eurem Murr zutrug in seinen Jünglingsjahren . - Paßt auf , gute Seelen , ein merkwürdiger Lebenspunkt tritt ein . - Des Märzen Idus war angebrochen , die schönen milden Strahlen der Frühlingssonne fielen auf das Dach , und ein sanftes Feuer durchglühte mein Inneres . Schon seit ein paar Tagen hatte mich eine unbeschreibliche Unruhe , eine unbekannte wunderbare Sehnsucht geplagt , - jetzt wurde ich ruhiger , doch nur um bald in einen Zustand zu geraten , den ich niemals geahnt ! - Aus einer Dachluke , unfern von mir , stieg leis und linde ein Geschöpf heraus , - o , daß ich es vermöchte , die Holdeste zu malen ! - Sie war ganz weiß gekleidet , nur ein kleines schwarzes Samtkäppchen bedeckte die niedliche Stirn , sowie sie auch schwarze Strümpfchen an den zarten Beinen trug . Aus dem lieblichsten Grasgrün der schönsten Augen funkelte ein süßes Feuer , die sanften Bewegungen der feingespitzten Ohren ließen ahnen , daß Tugend in ihr wohne und Verstand , sowie das wellenförmige Ringeln des Schweifs hohe Anmut aussprach und weiblichen Zartsinn ! - Das holde Kind schien mich nicht zu erschauen , es blickte in die Sonne , blinzelte und nieste . - O , der Ton durchbebte mein Innerstes mit süßen Schauern , meine Pulse schlugen - mein Blut wallte siedend durch alle Adern , - mein Herz wollte zerspringen , - alles unnennbar schmerzliche Entzücken , das mich außer mir selbst setzte , strömte heraus in dem lang gehaltenen Miau ! das ich ausstieß . - Schnell wandte die Kleine den Kopf nach mir , blickte mich an , Schreck , kindliche süße Scheu in den Augen . - Unsichtbare Pfoten rissen mich hin zu ihr mit unwiderstehlicher Gewalt - aber sowie ich auf die Holde lossprang , um sie zu erfassen , war sie schnell wie der Gedanke hinter dem Schornstein verschwunden ! - Ganz Wut und Verzweiflung , rannte ich auf dem Dache umher und stieß die kläglichsten Töne aus , alles umsonst - sie kam nicht wieder ! - Ha , welcher Zustand ! - mir schmeckte kein Bissen , die Wissenschaften ekelten mich an , ich mochte weder lesen noch schreiben . - » Himmel ! « rief ich andern Tages aus , als ich die Holde überall gesucht auf dem Dache , auf dem Boden , in dem Keller , in allen Gängen des Hauses