verstockt zu sein . Doch Anna dachte sich schon als Herrin des Hauses , glaubte das alles schon ihr Miteigentum , wollte mitgenießen , was ihr gefiel , und sparen , was überflüssig schien , sie meinte also , es sei verständig , Messer und Beutel mitzunehmen , ohne daß es die Alte mit ihren blöden Augen bemerke , nachher werde sie schon vergessen , ein überflüssiges Messer zu kaufen , und den Beutel brauche sie ohnehin gleich , um allerlei kleine Gaben zu bewahren , die sie während der Haussuchung erhalten hatte . So kamen beide bedeutsame Gaben alter Zeit , das einzige , was von dem Schatze Bertholds übrig , in die Gewalt der schönen Braut , die ihre Seltsamkeit und die Gefahr , welche damit verbunden , nicht ahnden konnte , aber das Unrecht war ihr doch deutlich , denn sie nahm beides heimlich und es brannte sie doch schon etwas , wie den Adler die glühende Kohle , welche er statt des Opferfleisches in das sichere Nest trug . Siebente Geschichte Der Brunnen Der Heiratsanschlag auf Fingerling hatte keinen Fortgang , der alte Junggeselle befand sich in seiner ängstlichen Ordnung zu wohl , als daß er sie hätte ändern mögen . Er fand sich durch den Antrag sehr geehrt und geängstigt , denn seine alte Aufwärterin war gegenwärtig und machte ein böses Gesicht , auch die Kanarienvögel , denen er etwas Grünes gebracht , schrieen zornig drein , seine drei Schoßhunde knurrten - und Berthold fand es demnach geratener , zu ihren Geschäften überzugehen . Einen Vorteil hatte er inzwischen durch den verlornen Antrag , es durfte Fingerling seine Einwendungen gegen den Brunnen aus erwiderndem Nachgeben nicht weiter vorbringen . Dieser Brunnenplan war Berthold aber ganz ans Herz gewachsen , seit Anna , die vorläufig mit der Mutter ins Nachbarhaus der Schicklichkeit wegen bis zur Vermählung gezogen war , diese Verbindung höchst bequem fand , um spät und früh bei Berthold zu sein , mit ihm die Zukunft und das Haus auszuschmücken . Bertholds Zärtlichkeit , die jede Stunde durch artige Zeitvertreibe , Geschenke und Gesellschaften zu beleben wußte , hatte jede Eifersucht der Tochter wieder in den Hintergrund gestellt und bei der Brunnenverbindung beider Häuser störte sie kein sorglicher Gedanke . Sie suchte inzwischen doch die Verbindung der Mutter mit Meister Kugler zu betreiben , der nun einmal fest entschlossen war , nicht ohne Frau in seine Wirtschaft zurück zu kehren , und sich inzwischen mit dem Fleischeinkauf für das große Fest beschäftigte , das Berthold der Stadt geben wollte . Als die Mutter ihr dieses Ansinnen rund abschlug , weil sie von dem Tode ihres Mannes eigentlich gar nicht unterrichtet sei , so sannen beide auf eine andre Frau für ihn , doch vergebens . Da traten die geschwätzigen Töchter des Vogts , Babeli und Josephine mit großem Geschrei ein , weil sie erst jetzt die Anwesenheit ihrer liebsten Gespielin erfahren hätten , küßten Apollonien , erzählten gleich , wie viele Verehrer sie ausgeschlagen hätten , bis die andern davon abgeschreckt , sich ihnen nicht mehr zu nahen wagten ; wie sie jetzt viel verständiger handeln würden , wenn es ihnen gestattet wäre , ihren Weg noch einmal zu machen , wie sie nicht mehr auf irrende Ritter , sondern auf ehrliche Zunftgenossen sehen würden . Das Gespräch belebte sie , die Erinnerungen schmolzen das Eis ihrer Herzen und Kugler , der nicht mehr hinkte und sehr großstädtisch gekleidet war , trat zur rechten Zeit ein . Babelis Stunde hatte geschlagen , zwar spät , aber um so lauter , Kugler wollte eine Frau aus der Stadt , woher Anna stammte , sie liebten beiderseitig nicht ein zartes Verstecken mit ihrer Zuneigung zu spielen , Apollonia und Anna förderten die Geburt mit freundlichem Zureden , sie hatten sich erklärt und verständigt , geeinigt und geküßt ; sie waren zum uralten Vogt gelaufen , der seinen Töchtern allen Willen ließ und auch zu dieser Verlobung freundlich nickte ; alles das an einem Tage . Auch hievon zog Berthold für seinen Brunnenbau wesentlichen Vorteil . Die Bürger wollten sich durch den versprochenen Schmaus wegen des vermauerten Bleichgäßchens nicht beschwichtigen lassen , sie wollten aber den reichen Bürgermeister nicht unmittelbar kränken und steckten sich deshalb hinter den Vogt , der gegen Berthold gleich einige Worte von herzoglicher Genehmigung fallen ließ . Gegenwärtig fielen diese Worte ins Wasser , womit der Vogt seine Hände in Unschuld wusch : wie hätte er den Mann kränken sollen , der seinen künftigen Schwiegersohn beherbergte , der gewissermaßen die Veranlassung gegeben , daß er Babeli unter die Haube brachte , eine Hand wäscht die andere . Vielmehr gab er gleich den Bürgern zu verstehen , wenn sie sich gegen den Bau setzten , so würde Berthold durch herzogliche Gnade ihn dennoch durchsetzen , ihr Widerspruch sei vergebens . Die Bürger kannten Herzog Ulrich und schwiegen , trugen es aber Berthold nach , der doch nichts von diesem Gerede des Vogts wußte . Das Ausgraben des Brunnens hatte große Schwierigkeiten , weil Berthold nichts vom Bergbau verstand , der doch hier notwendig zu Hülfe gerufen werden mußte , wenn er die oberen Quellen verschmähen und sich zur Tiefe durcharbeiten wollte . Die Arbeiter sagten oft , Erde und Steine möchten ihnen über den Kopf zusammenstürzen , denn sie verstanden es nicht , durch ein Zimmerwerk die steilen eingegrabenen Erdwände zu sichern , doch Berthold redete es ihnen in seiner Lust den Brunnen fertig zu sehen , immer aus , machte ihnen Mut durch Wein und Geld , stieg auch selbst in die Tiefe und half zum Zeichen , daß er keine Gefahr da ahnde . Aber jedesmal stürzte die Erde auf ihn nach und nötigte ihn , hinaus zu gehen und sich umzuziehen , wenn sie auch keinen weiteren Schaden tat . Er ließ das Ausgraben weiter umherfahren , glaubte alles gesichert und förderte die Arbeit um so eifriger , je weitläuftiger sie wurde . So tief hat des Himmels Gnade das Verderben