Einsamkeit zu entreißen . Man hat wichtige Dinge vor . Ich habe geloben müssen , Sie aufzuheben , wo ich Sie finde . Luise warf bittende Blicke auf den Obrist und Sophien . Dort suchen Sie vergebens Beistand , sagte die Baronin , ihre Gedanken errathend ; diese sind auch meine Gefangenen . Ich lasse Niemand entschlüpfen . Sie müssen alle sogleich mit mir fort . Beide Geschwister versprachen , der Einladung in Kurzem zu folgen . Luise mußte es aber geschehn lassen , daß sie die Baronin ohne weiteres zu ihrem Wagen führte , und sie , so bald sie sich hier allein sahen , mit kaum verhaltner Heftigkeit in ihre Familien-Angelegenheiten hineinzog . Es ist mir lieb , hub sie sogleich an , Sie zuerst ohne Zeugen zu sprechen ; Sie müssen mir einen wichtigen Dienst leisten . Es gilt hier , Stein zu einem schnellen Entschluß zu bewegen . Er muß Emilien bald , gleich , seine Hand geben . Sie können ihn dazu durch Gründe bewegen , die mir nicht geziemen , anzuführen . Lassen Sie mich ausreden , fuhr sie , jeder Unterbrechung vorbeugend , fort . Es ist gewiß , es ist nicht alles so , wie es sein könnte ; allein , ohne mich geradezu in Emilien verrechnet zu haben , tragen zum Theil die Umstände die Schuld jener ungünstigen Wendung . Ich habe nicht immer ganz freie Hand gehabt . Viel Fremdartiges hat in meine Pläne eingegriffen ; des Barons Ansichten und Gesellschaften , eine gewisse Freigeisterei in allem Herkömmlichen und Bestehenden , welches die unglückselige Poesie an den Tag bringt , und mehr als alles , Ihr Schicksal , mein liebes Kind , haben mir bei Emilien entgegengearbeitet . Es ist meist das Leben Andrer , das plötzlich einen Funken in ein junges Gemüth wirft und sehr zur Unzeit darin Tag werden läßt . Dies ist indeß alles geschehn . Wir können nichts , als größerem Uebel vorbeugen . Stein hätte schon so manches hindern können , wenn er mir und sich selbst mehr vertrauete . Er nimmt das Spiel mit dem halbkindischen Cesario zu hoch , wenigstens giebt er ihm ein zu ernstes Ansehn vor der Welt . Ueberall erscheinen ihm die geringfügigsten Dinge so gewichtig , daß er fast unter ihrer Last erliegt . Ich begreife nur nicht , unterbrach sie hier Luise , warum Ihre Wahl grade auf ihn gefallen ist . Aufrichtig gesagt , erwiederte die Baronin , ich weiß jetzt keinen Beßren . Dem knabenhaften Abentheurer wollen wir sie doch nicht etwa geben ? Andrer Unschicklichkeiten der Art nicht zu gedenken . Auch ist Stein im Grunde lenksam , Emilie hat viel Gewalt über ihn , unter meiner Leitung wird sich alles machen . Nur haben wir keine Zeit zu verlieren . In vierzehn Tagen gehe ich auf ' s Land , Stein muß uns sogleich folgen , und die Hochzeit schnell und still gefeiert werden . Dahin müssen Sie ihn durch die einfachsten und natürlichsten Bewegungsgründe zu führen suchen , die zum Theil in seiner Liebe zu Emilien , zum Theil in der Achtung vor dem äußren Anstand liegen , da er diesen durch die schnelle Beendigung unberufner Gerüchte am sichersten rettet . Aber Emilie ? - fragte Luise . Nun ? entgegnete die Baronin , die hat wohl keine Wahl . Was bleibt ihr noch übrig ? Sie wissen wohl am besten , was die Klugheit in solchen Fällen räth . Sie selbst haben , mit mehr Ruhe als ich Ihnen zutraute , durch einen kräftigen Entschluß Ihren erschütterten Ruf wieder hergestellt . Denn mich wollen Sie doch wohl nicht , wie die Welt , überreden , das kaum beruhigte Herz habe sich auf ' s neue einer großen gewaltigen Neigung überlassen . So etwas liegt außer allen Gränzen der Möglichkeit . Aber Sie handelten weise , und deshalb kann ich auch um so sichrer auf Ihren Beistand rechnen . Luise hatte nicht Zeit , ein Wort zu erwiedern . Der Wagen hielt vor der Baronin Hause , die Bedienten öffneten den Schlag , und sie mußte ihrer steten Quälerin ohne weiteres in die Gesellschaftszimmer folgen . Obgleich jene Worte sie recht empfindlich trafen und sie auf ' s neue in sich verwirrten , so ward sie doch bei Emiliens Anblick von sich auf andere Betrachtungen gezogen . Es mußte sie überraschen , diese ganz vertraut zwischen Cesario und dem Maler , vor einem Tischchen sitzend und mit beiden über vor ihnen liegende Zeichnungen berathschlagend , zu finden . Baron Roll beugte sich zwischen sie durch , und schien seinen Beifall zu bezeigen , indem er mit wohlgefälligem Lächeln seine ausgespreizten Finger auf ein aufgerolltes Blatt drückte , welches der Maler mit beiden Händen sauber hielt und wohl vor weitrer Verletzung sichern wollte . Werner und Auguste standen zur Seite , wie gewöhnlich , in Streit verwickelt . Als Emilie die Eintretenden bemerkte , schlug sie freudig in die Hände , und ohne ihre Stellung zu verändern , rief sie Luisen zu : geschwind kommen Sie , uns Ihren Rath zu geben . Wir quälen uns schon seit einer Stunde , und kein Mensch bringt etwas Gescheutes heraus . Der Fürst giebt einen Maskenball , und wir sind versammelt , etwas ganz Neues , Ungewöhnliches für den Abend zu ersinnen , denn die Griechen , und Ritter und Genien und Musen sieht man sich nun schon seit lange zum Ueberdruß . Auguste schlug so eben einen Sphärentanz nach alt Aegyptischer Weise vor . Allein weder sie noch irgend Jemand weiß diesen recht eigentlich anzugeben , so wenig wie die ganz frühe Tracht dieses Volkes , denn die Zeichnungen hier , nach einigen Kunstwerken aus der grauen , versteinten Zeit , können doch nicht zu Modellen dienen sollen . Ich würde eher , sagte Werner , Gegenstand und Charakter aus irgend einem bekannten Mährchen der Tausend und eine Nacht vorschlagen . Sinnreiche Erfindungen und Pracht ließen sich so leicht vereinigen . Ach ! fiel Emilie