in der vorigen Nacht , wenige Tage nach dem Gefecht , in ununterbrochenem Jagen hier angekommen . Der Kaiser ließ mir befehlen , öffentlich einzuziehen , und schickte eine Abtheilung der Jovianer2 , Offiziere und Soldaten in schimmerndem Schmucke , um mich abzuholen , und zu begleiten . Ich bin kein Freund von öffentlichen Schaustellungen ; diesmal indeß benahm die allgemeine Wichtigkeit der Botschaft diesem Auftrag einen Theil seiner Unannehmlichkeit . Ganz Nikomedien hatte sich vor die Thore und in die Straßen ergossen , um den Siegesboten zu sehen ; mancher Jugendgespiele , mancher alte Bekannte , den Freude und Neugier herbeigelockt hatte , bewillkommte mich freundlich unter dem frohlockenden Haufen , der dem Augustus und dem siegreichen Cäsar laut zujauchzte . Mein Herz war erweitert und angenehmen Eindrücken geöffnet . Von der Terrasse3 ihres Hauses begrüßten mich Calpurnia und ihr Bruder . Eine seine Röthe überzog ihr Gesicht , als ich ihren freundlichen Gruß mit Achtung und Freude beantwortete . Mir war wohl , ich gab mich dem schönen Zauber hin , der mich umfing , bis im Palast des Kaisers die orientalische Despotenpracht mein Herz beklemmend einengte . Ich kam von einem römischen Heere , gesandt von einem Imperator , der , würdig der bessern Vergangenheit , nichts als der erste Krieger seines Heeres war - ich war Zeuge , Genosse jener Anstrengungen und Entbehrungen gewesen - und wie eine Last drückte das goldne Getäfel , die schimmernden Wände , die Pracht , die sich um einen Einzigen hier aufthürmte , auf meinen Geist . Die Gegenwart des Proconsuls im Gemache des Kaisers verschaffte mir eine Art von Erquickung . Der Augustus hörte mich gnädig an , und ich muß mir gestehen , daß der durchdringende Verstand , das scharfe Urtheil , die vollkommenen Kenntnisse , die er in diesem Gespräche äußerte , mir unwillkührlich Achtung abzwangen , und mich zum Theil meinen Widerwillen gegen seinen Hochmuth vergessen machten . Sehr verbindlich erkannte er meine Beförderung zum Tribun an , und fügte noch ein kostbares Geschenk hinzu . Warum mußte er das thun ? Warum müssen die Großen jeden Dienst , der dem Vaterland geschah , abzahlen , und mit einem Geschenk , das , wie groß es auch für den Beschenkten seyn mag , dem Geber nichts mehr gilt , als ein Sandkorn , das ihm unbewußt von dem aufgethürmten Haufen seiner Güter herabrollt ! Lucius Piso behandelte mich mit Liebe und Achtung , er lud mich zu sich , ich nahm es gern an , denn außer meinem Vater habe ich ja sonst Niemand mehr in Nikomedien , der an meinem Schicksal Theil nimmt , dem ich Etwas bin - als sein Haus . Mein Vater empfing mich mit großer aber prunkvoller Freude , und bedauerte nur , daß die kurze Zeit meines Aufenthalts ihm nicht gestattete , die glänzendste Begebenheit seines Hauses durch ein Fest zu feiern ; doch nahm er sich vor , das Versäumte nächstens nachzuholen . Ich widersprach nicht , und bemühte mich in Allem , was er that und sagte , nichts als die väterliche Liebe zu sehen , die seinen Aeußerungen zum Grunde lag , die nur die Farbe seines Charakters trug . Er war so vergnügt ; wie hätte ich ihm widersprechen können ? Er liebt mich , und ist das nicht das Beste , das Schönste , was der Mensch dem Menschen geben kann ? Der Proconsul kam mir schon im Atrium mit Calpurnien und seinem Sohne entgegen . In die herzliche Freundschaft ihres Betragens mischte sich eine zarte Achtung , die , statt uns einander fremd zu machen , den Aeusserungen gegenseitiger Zuneigung einen höhern Reiz gab . Die Scheidewand , die Mann und Jüngling trennt , schien heute zwischen dem Vater und mir gesunken , Calpurniens Bruder behandelte mich mit achtungsvoller Freundschaft , und sie - höchst sittsam , beinahe matronenmäßig gekleidet , und in heiterer Gesprächigkeit gleich weit von Ansprüchen entfernt , schien mir ganz liebenswürdig . Ich war vergnügt , und kein Mißton störte die stille Harmonie meiner Seele . Nach Tische entschlüpfte uns Calpurnia unbemerkt . In einer halben Stunde ließ sie uns rufen . Eine junge Sclavin in Nymphentracht führte uns durch mehrere Gemächer und Gallerien bis in einen Saal des Hintergebäudes . Wir traten hinein , eine liebliche Dämmerung und süße Düfte umfingen uns . Am Ende des Saales war eine Art Bühne , blos durch blühende Orangenbäume und Blumengewinde gebildet , und auf eine wunderbare Weise durch Lampen erleuchtet , die selbst verborgen nur durch ihre zauberische Wirkung bemerkbar wurden . Eine angenehme Musik ertönte , und Calpurnia in einem Anzuge , der die ganze Schönheit ihrer Gestalt zeigte , ohne dem strengsten Sittenrichter Anlaß zum Tadel zu geben , schwebte , von Nymphen begleitet , als Venus Urania herein . In einem sinnreichen Tanz drückte sie die Gesinnungen aus , die ihr als dieser Göttin zukamen . Die Nymphen brachten ihr Lilien und Orangenblüthen , sie wand weiße Kränze als Sinnbilder der Unschuld daraus . Mitten in diesen Beschäftigungen ertönte von fern und immer näher und näher dieselbe kriegerische Musik , die mich heute bei meinem Einzuge in die Stadt begleitet hatte , und in dem gleichen Augenblicke gaukelte eine Schaar Liebesgötter aus den Gebüschen hervor . Kränze von Rosen , die sie trugen , Köcher und Pfeile , Schalkheit und Muthwille charakterisirten sie als die Kinder der gewöhnlichen Cythere . Unwillig empfing sie Urania . Sie bedeuteten ihr , was diese Musik anzeige , wer komme , und daß sie dem Zuge entgegen eilen wollten . Urania schien ihr Vorhaben zu mißbilligen , sie zu warnen . Die Knaben eilten achtlos fort , aber nicht lange , so kamen sie - die Kränze zerrissen , Pfeil und Bogen zerbrochen zurück , schienen Uranien zu klagen , wie übel sie empfangen worden waren , und entflohen endlich auf ihr strenges Geheiß . Jetzt sandte sie ihre Nymphen mit den weißen Blumenketten ab , sie entschwebten in einer lieblichen Gruppe