so lag sie in sich selbst zurück gezogen , unbeweglich , und doch voll innern , unendlichen Lebens vor ihm da . Doch plötzlich sank sie unter einem Strom von Thränen zu seinen Füßen , sich fest an ihn schmiegend , rief sie : nicht wahr , nun verstößt du mich nicht , nun kannst du dich nie wieder von mir losreißen ! Aline , Aline , sagte Rodrich bewegt , wenn du nicht willst , daß ich sterben soll , so sieh mich so nicht an ! Du fühlst ja wohl , wie ich ewig dein bin ! Ihre kleinen Händchen lagen gefaltet in den seinigen ; Engel , rief er , sie noch einmal küssend , und flog zur Thür hinaus . Er konnte sich den ganzen Tag über von dem lieblichen Bilde nicht losmachen , alle seine Sinne nahm es gefangen , und trieb ihn im Zauber der Erinnerung halb träumend umher . Zufällig traf er auf einem einsamen Spazierritt Stephano , der zum erstenmal die frische Luft , mit wieder auflebenden , gesunden Sinnen begrüßte . Sie trabten eine Zeitlang schweigend neben einander her , Rodrich fühlte sich verlegen , gestört , sie waren lange nicht so allein gewesen , wovon sollte er überdies jetzt reden , wenn es nicht das Eine betraf , was seine ganze Seele erfüllte , und wer konnte und durfte hier sein Entzücken theilen ! - Daß wir in kurzem Frieden haben , und in Gottes Nahmen zu Hause gehen , weißt du wohl schon , hob endlich Stephano an . Rodrich erinnerte sich davon gehört zu haben . Ja , ja , sagte jener auf ' s neue , das ist nun auch wieder vorbei ! Vorbei ? fragte Rodrich , der in diesem Augenblick nicht recht wußte , wohin dies ziele . Nun ja , erwiederte Stephano , wie überhaupt mit aller geträumten Herrlichkeit der Welt ! Hm ! - sagte Rodrich nachlässig , und schmiegte sich in Gedanken in Alinens Lilienarme , oft ist in den abgefallenen Blüthen ein Saamenkorn verborgen , aus welchem unerwartet ein neues Reis emporschießt . Man muß das kommen lassen , wie es eben will und kann . Stephano betrachtete ihn einen Augenblick , dann sagte er lächelnd , wir haben wohl heute die Rollen vertauscht , du gehst ja recht ergeben und ausgesöhnt , mit dem Schicksale Hand in Hand , ohne daß es , so viel ich weiß , sonderlich viel für dich gethan hätte , denn das Spielchen mit Alinen hält doch wohl nicht über einige Stunden vor ? Rodrichs Blut kochte , er hätte den lästigen Spötter zerreißen können , und dennoch verschmähete er es , die innere Wahrheit zur Schau zu tragen . Er starrte unentschlossen in die öde Gegend und konnte kein Wort hervorbringen . Zwar , sagte Stephano , jenen Unwillen wenig beachtend , hat dich das gute , unbedeutende Kind ganz artig unterhalten , und in dieser Zeit ist jede dürftige Freude willkommen , doch verstehe ich deine Ruhe , ja , dein gleichgültiges , abgeschlossenes Wesen immer noch nicht . Du wirst mich nicht überreden wollen , daß ein paar frische Lippen so große Weltansichten , so vollwichtige Plane weghauchen könnten . Vollwichtige Plane ? wiederholte Rodrich , der in Stephano ' s Annäherung irgend eine Absichtlichkeit vermuthete , ich möchte wissen , wie mein unzusammenhängendes Dasein solche gestattete ! Schlage doch , ich bitte dich , einige elektrische Blitze , die ein unerwarteter Stoß von außen hin und her erzeugt , so hoch nicht an . Wer nicht wenigstens die Richtung des Hafens kennt , der treibt Zeitlebens auf offener See umher . Mir ist der große Anlauf der mehrsten Jünglinge schon tausendmal sehr lächerlich vorgekommen . Meine eignen hohen Weltansichten haben mich lästerlich gefoppt . Manches trat freilich im großen Stil , auf dem Cothurn zu mir hin , allein ich sah die Maske immer noch fallen , und das Pygmäengeschlecht blieb was es war . So , - sagte Stephano , und klopfte seinem Pferde gleichgültig den Hals . Ja , sage mir , fiel Rodrich immer heftiger ein , fandest du nicht in allem , was sich so groß ankündigte , Verworrenheit der Begriffe , geschraubtes , vornehmes Wesen , höchstens gutmüthige Selbsttäuschung , und nirgend herzliches , ehrliches Wollen , wie es ein gesunder Sinn fodert ? Dies bewußtlose , tiefe Gefühl , was vor sich selber so gar nichts seyn will , und überall den Ton anschlägt , den es treffen muß ; wo , ich bitte dich , wo fandest du dies , wo den kindlichen Menschen , den nicht irgend ein Schulsystem , oder flache Verstandes-Konsequenz zu seinem eignen Narren machte . Warum , sagte Stephano kalt , bliebst du nicht in der Kinderstube , wenn du mit Kindern leben wolltest ? O , täusche dich nicht , unterbrach ihn Rodrich schnell , als wenn du überall bei Kindern den kindlichen Sinn fändest . Das , was ich so nenne , das rein Menschliche , die Empfindung , die mit unnachahmlicher Anmuth , Wort , That und Geberde wird , kurz , dies freie , kunstlose Bewegen von Innen nach Außen , dies offenbart sich in sehr wenigen Gemüthern , und wo es ist , da behauptet es sich auch durch ein ganzes Leben , es widersteht den Formen , und gehört eben darum keinem Zeitmomente an . Der stille Bach , sagte Stephano , der flach und spielend über weißen Sand rinnt , ergötzt freilich dann und wann unser Auge . Du stehst davor , und vergißt das tiefe , gewaltige Meer , mit seinen Brandungen und schäumenden Wogen . Nun , es wird auch wieder anders werden , wie so vieles im Laufe deiner Gefühle und Ansichten . Rodrich unterdrückte unwillig die beschämende Wahrheit dieser Worte , in der inneren Verlegenheit riß er heftig an einem überhangenden Ulmenzweig , unter welchem er eben hinritt . Bei der schnellen Bewegung streifte sich Miranda ' s