eines Tyrannen zu belegen . - Wie ? versetzte jener hitzig ; der müßte ein dreifacher Sklave seyn , der sich freiwillig einen Herrn geben wollte ! - Ich sehe wohl , erwiederte ich mit großer Gelassenheit , warum du dich so eifrig gegen meinen Vorschlag erklärst . Aber es gibt Mittel gegen alles . Man könnte ihn ja durch eine Grundverfassung , einen von ihm unabhängigen Senat , oder ( wie die Spartaner ) durch Aufseher einschränken , und sich dadurch gegen jeden Mißbrauch der höchsten Gewalt sicher stellen ? - Ein Volk , sagte mein feuervoller Gegner , das nicht im Stande ist ohne einen Herrn zu leben , wird eben so wenig vermögend seyn , seiner Macht Gränzen zu setzen , oder sie in denjenigen zurückzuhalten , die er sich vielleicht anfangs aus Politik gefallen zu lassen scheinen wird . - Und was wird das Schlimmste seyn , das daraus erfolgen möchte ? fragte ich , vielleicht mit einer etwas Attischen Miene , die ich mir ( wie ich besorge ) unter den Cekropiden unvermerkt angewöhnt habe . - Welche Frage ! rief mein Gegenkämpfer halb entrüstet ; ist denn irgend etwas Böses und Schändliches , irgend eine ungerechte , gottlose , ungeheure That , die ein Mensch , der alles kann was er will , nicht zu begehen fähig wäre ? - » Fähig wäre ? das geb ' ich zu ; aber daß er ein so unsinniger Thor seyn wird , alles Böse wirklich zu thun , dessen er fähig ist , Böses ohne alle Noth oder Herausforderung , bloß um das Vergnügen zu haben Böses zu thun ; daran zweifle ich sehr . Einen Wahnsinnigen , ein reißendes Thier , oder einen unter Verbrechen und Schandthaten grau gewordenen Bösewicht , wollen wir freilich nicht zum Hirten des Volks bestellen . « Bei einem Menschen , der alles kann ( versetzte jener etwas kälter , weil er sich im Vortheil zu sehen glaubte ) bedarf es nur einer einzigen Leidenschaft , die ihn überwältigt , um ihn , wenn er vorher auch ein Mensch wie andere war , zu allem was du sagtest , zu einem Wahnsinnigen , zu einem Tiger , zu einem Bösewicht der vor keinem Verbrechen erschrickt , zu machen . - Ich bin in die Enge getrieben , erwiederte ich ; du hättest die großen Vorzüge der Demokratie vor der Alleinherrschaft in kein stärkeres Licht setzen können . Um vor allen Gefahren dieser Art sicher zu seyn , gibt es also wohl kein besseres Mittel , als daß ein Volk sich selbst regiere ? Niemand ist dazu geschickter , und nichts war wohl von jeher unerhörter , als daß eine souveräne Volksversammlung etwas Unbesonnenes oder Ungerechtes beschlossen , oder die Macht , alles zu können was sie will , zu Befriedigung irgend einer häßlichen Leidenschaft mißbraucht , und sich treuloser , räuberischer und grausamer Handlungen schuldig gemacht hätte . - Ein allgemeines Gelächter schien meinen Gegner in eine unangenehme Lage zu setzen , und ich sah daß es hohe Zeit sey , einen ernsthaftern Ton anzustimmen . Verzeih , sagte ich zu ihm , wenn ich zur Unzeit gescherzt habe . Ich wollte weiter nichts damit sagen , als daß unumschränkte Gewalt immer mit Gefahr des Mißbrauchs verbunden ist , sie mag nun in den Händen eines Einzigen , oder eines Senats , oder eines ganzen Volkes seyn . Alles kommt am Ende auf den Verstand und die sittliche Beschaffenheit des Regierers , vieles auf Zeit und Umstände , Stimmung , Laune und Einfluß des Augenblicks an . Einschränkungen helfen wenig oder nichts . Eine höchste Gewalt muß in jedem Staate seyn , und die höchste Gewalt läßt sich nicht einschränken ; denn dieß könnte doch nur durch eine noch höhere geschehen , und in diesem Fall wäre diese , nicht jene , die höchste . Die Möglichkeit ihres Mißbrauchs bleibt also ein unvermeidliches Uebel , weil sie ihren Grund in einem unheilbaren Gebrechen der Menschheit hat . Aber es ist immer zu vermuthen , daß ein einzelner Regent die Macht alles zu thun was er will , weniger , seltner und leidlicher mißbrauchen werde , als ein so vielköpfiges Ungeheuer von mehrern Tausenden , an Verstand , Erziehung , Einsicht , Erfahrenheit , Vermögen u.s.w. so sehr ungleichen und von den verschiedensten Triebfedern in Bewegung gesetzten Menschen ist ; und wenn auch beide keinen edlern Zweck und Antrieb haben als Eigennutz und Selbstbefriedigung , so ist doch ungleich wahrscheinlicher , daß der Einzige die Nothwendigkeit einsehe , daß er seine Macht , um sie ruhig und mit Ruhm zu genießen , zur Wohlfahrt des Staats anwenden müsse , als daß ein ganzes Volk nicht beinahe immer gegen sein wahres Interesse handle , so oft das Privatinteresse der Personen , denen es sich gern oder ungern anvertrauen muß , mit dem seinigen in Widerspruch steht . Mein Gegner gewann wieder Muth . Du missest nicht mit einerlei Maß , sagte er : du nimmst einen Tyrannen an , der immer nach Grundsätzen handelt , sich nie seinen Launen oder Leidenschaften überläßt , immer sein wahres Interesse kennt und vor den Augen hat , mit Einem Worte , der die Weisheit und Klugheit selbst ist . Das Volk in der Demokratie hingegen ist , nach deiner Voraussetzung , ein blindes , vernunftloses und unbändiges Ungeheuer , das nicht weiß was ihm gut ist , das immer mit dem Maulkorb vor der Schnauze an der Kette gehen muß und immer das Unglück hat , von Thoren oder Schelmen geführt zu werden . Sey , wenn ich bitten darf , nur so billig gegen die Demokratie , als du großmüthig gegen die Tyrannie und das Königthum bist . Wenn ich dir die Möglichkeit eines Alleinherrschers zugebe , der das höchste Gesetz der allgemeinen Wohlfahrt nie aus den Augen setzt , sich seiner Allgewalt immer mit Klugheit und Mäßigung bedient , und seine höchste Selbstbefriedigung im Wohlstande seiner Unterthanen findet , wenn ich dir die