Eckgiebeln , den verschwärzten Balconen , hochragenden Schornsteinen eine verklärende Beleuchtung . Die vielen Fontainen Roms belebten die Stille . Fiel der Mond auf die Strahlen und die Bassins , in die jene niederglitten , so glaubte man Büschel von Gold- und Silberperlen zu sehen . Oeffnete sich ein größerer Platz und zeigte eines der hohen Staatsgebäude , eine der Kirchen oder einen der in dieser Gegend seltenern Paläste , so sah man die Giebel , Thürme und Kuppeln in um so magischerem Lichte , als die Dunkelheit der Schatten daneben den Glanz derselben erhöhte . Dazwischen durfte das Auge dann und wann glauben , Schneeflocken auf den Höhen zu sehen . Das war dann weißer Marmor , ahnungerweckend aufblitzend ... Klingsohr sah wie zum zweiten mal geboren um sich ... Die Erinnerungen umkrallten ihn riesig , als Pater Vincente , der sein hartes Wort wieder gut machen zu wollen schien , Erläuterungen zu geben begann ... Da sagte der sanfte Führer auch unter anderm auf ein wüstes Gewirr von Häusern zur Linken zeigend : Der Ghetto der Juden ! ... Die » Rumpelgasse « Roms ! ... Ob auch hier , wo eine Nachtigall so mächtig schlug , wo die Fontana Tartarughe so traulich plätscherte , wo am Mauerwerk wie verstohlen eine schwarze Cypresse hervorlugte , ein Veilchen Igelsheimer leben mochte ? ... Ob auch hier die nächtliche Vertauschung einer Mönchskutte möglich war gegen einen Ueberrock , mit dem ein toller Mönch in die Theater Roms lief ? ... Lucinde huschte für Klingsohr schon lange , lange am Wege ... Da gab es schon so manchen schönen Kopf mit aufgelöstem Haar an einem Fenster , ein Mädchen , das eben schelmisch noch einmal den Mond anguckte und dann erst zu Bett gehen wollte ... Da tönte eine Guitarre ... Da scholl aus einer Schenke ein Jauchzen - das Schreien beim Morraspiel ... Jesus , mein Feldherr ! mußte schon der ewige Fahnenflüchtling rufen ... Lucindens Gestalt begleitete den so tief Verkommenen in jeder schönen Situation , ihn , den wie der Brief zeigte , den er in seiner Kutte trug , die trübste Lebenserfahrung schon so tief gedemüthigt , ja zu der ihm sonst nicht eigenen Verstellung gebracht hatte ... Wie oft hatte nicht Lucinde , wenn Jérôme von Wittekind sie im Latein unterrichtete , von Rom gesprochen und ihm was sie gelernt wiedererzählt bei ihren Stelldicheins hinterm Pavillon unter den alten Ulmen auf Schloß Neuhof und noch in Kiel ... Im Profeßhause der Jesuiten hatte sie dem Gefangenen Bilder einer größern Wirksamkeit vorgegaukelt , deren Fernsichten bis nach Rom gingen ... Wo mochte sie wol jetzt weilen , sie , die in ihren auch im Kloster Himmelpfort später bekannt gewordenen , von der Regierung veröffentlichten Briefen an Beda Hunnius ihr Lebenssymbol nicht selten wiederholt hatte : An der Schwelle der Peterskirche möcht ' ich sterben ! ... Was alles mit ihr Hubertus in Witoborn vorgehabt , hatte Sebastus von diesem nicht ganz erfahren können ... Pater Vincente blieb freundlich und milde ... Ging doch auch er mit der mächtigsten , gewiß auch ihm aufwachenden Poesie im Herzen dahin ... Klingsohr hatte das Erlebniß von dem Kuß in der Beichte gehört ... Er selbst kannte diese Schemen , die den heiligen Antonius peinigten , nur zu gut ... Und diese Luftspiegelung der erregten Sinne , für die der schöne Jüngling und Mann dort hatte fünf Jahre büßen wollen , vermählte sich heute ! ... Er bettelte nun an ihrer Thür ! ... Da war ja die Welt Heinrich Heine ' s , die ihn einst so umfangen gehalten ... Das kommt , weil man » Madame « tituliret Mein süßes Liebchen - Jesus hilf ! rief es in Klingsohr ' s Seele ... Pater Vincente deutete auf eine rechts sich noch einmal öffnende Durchsicht über die Tiber und auf einen jenseits in den blauen Lüften schwebenden fernen Punkt und sprach : Das da ist das Asyl der Pilger ! Eine fromme Stiftung des heiligen Philippus Neri ! ... Hubertus lachte und drückte spähend seine schwarzen funkelnden Augen zu und hob die Kapuze in die Höhe und sah die so achtbaren Erinnerungen an einen Mann , mit dem er Aehnlichkeit haben sollte ... Und ganz im Neri ' schen Geist sprach er in seinem holländischen Deutsch durcheinander , rasch , als wenn Pater Vincente folgen könnte : Das Haus sieht groß genug aus , um den Seckel der Wirthe zu füllen ! Ja - wer Gott liebt , dem müssen alle Dinge zum Besten dienen - namentlich die Wohlthaten , die er spendet ! Pater , wo wir in Italien auch hingehört haben , bringen die Bettler , die Armen , die Pilger , die Wallfahrer den Stiftern erst recht das Geld ein . Wie so ? Wir sind mit Wallern gezogen , klopften an alle Pilgerasyle und bekamen ein Essen , so schlecht - um sich davon abzuwenden ! Aber wir sahen die Oberalmoseniere und Spitalprioren in Kutschen an uns vorüberfahren . Im Walde gab es besseres Laub zum Schlafen , als in solchen Pilgerbetten ... In Turin und in Parma flohen die Wallfahrer vor allen heiligen Asylen , weil sie , eben todtmüde angekommen , erst eine Procession durch die Stadt machen sollen , ehe sie zu essen kriegen ... Herrgott , wer vollends , wie wir , die Sehnsucht hat , ' nmal eine hübsche Stadt näher zu betrachten , eine Stadt , die man endlich mit müden Füßen erreicht hat , dem schließen sie die Pforte vor der Nase , wenn er sich auch nur fünf Minuten an einem gnadenreichen Altar verspätete - Campirt draußen ! heißt ' s ... Da lernten wir den deutschen Pilger kennen - Woher kam er doch ? Von Castellungo ! Der alte Naseweis und Ketzer , aber ein redlicher Mann ... Der sagte uns : Es steht geschrieben : Nächst dem Gebet eines Heiligen ist nichts vor Gott wirksamer , als das Gebet eines Wallfahrers ... Freilich , das war