und Anregung zu geben versprach , war , daß sich auch fahrendes Volk von zwei Seiten her eingefunden und zu gemeinschaftlichem Spiel in der großen Halle zusammengetan hatte . Da gab es denn einen wahren Wetteifer und Sängerkrieg . Einer aus dem Halberstädtischen sang ein neues Harzgrafenlied , ein Lied auf Graf Dietrich von Wernigerode , der , wegen seiner Räubereien und Viehdiebstähle , von den Magdeburgern bekriegt und nach erfolgter Gefangennahme nicht nur enthauptet , sondern zu besonderer Erniedrigung auch noch an den Füßen gehenkt worden war . Der , der diese Reime rezitierte , war derselbe , der , zehn Jahre früher , das andere schone Harzgrafenlied von Busso von Alvensleben nach Burg Quitzöwel gebracht hatte , heut aber , so sehr auch das neue Lied ansprach , unterlag er doch einem gleichzeitig mit ihm eingetroffenen Spielmann aus dem Lübischen , der in einer reimlosen und halb dithyrambischen Ballade von den von den Schweden und Dänen und zumeist von der Hansa gefürchteten Seeräubern erzählte , die , seit Jahr und Tag , die Nord- und Ostsee befuhren und um der » Viktualien « willen , womit sie das belagerte Stockholm eine Zeitlang verproviantiert hatten , die Viktualien- oder Vitalienbrüder hießen . Andere nannten sie die » Likedeeler « oder Gleichteiler , wie ihr Raub , wenn er verteilt wurde , zu gleichen Teilen ging . Während des letzten Sommers aber , und das war der eigentliche Inhalt der Ballade , hatten sie gegen ein hochbordiges Orlogschiff der Stralsunder , das sie mit mehreren ihrer kleinen Schiffe tollkühn anzugreifen versuchten , unterlegen , und einige Hundert von ihnen waren gefangengenommen worden . Und nun entstand die Frage , wohin mit ihnen ? Auf dem Orlogschiffe , so groß es war , hatte man nicht Ketten und Stöcke genug , um sie zu schließen , und die Gefangenen andererseits bei freier Bewegung zu belassen , verbot sich , weil man sich wohl entsann , wie die Vitalienbrüder , bei sehr ähnlichen Gelegenheiten , die schlafende Schiffsmannschaft überfallen und erwürgt hatten . So kam man denn zu dem Entschluß , ihnen gegenüber dasselbe Mittel anzuwenden , das sie selbst einst , in einem siegreich gegen die Dänen geführten Kriege , zur Marterung ihrer Gefangenen erdacht hatten . Man nahm also Tonnen , deren das Schiff mehrere Hunderte hatte , schlug den unteren Boden aus und schnitt in den oberen Deckel ein Loch , gerade groß genug , daß ein Mensch den Kopf durchstecken konnte . Danach preßte man den Vitalienbruder in die Tonne hinein ( nur mit dem Kopfe draußen ) und schlug nun die Tonne von unten wieder zu . So wurden alle Gefangenen auf Achterdeck aufgestapelt und nach Stralsund abgeführt , wo man sie herausnahm , freilich nur um ihnen am selben Tage noch in summarischem Verfahren die Köpfe vom Rumpfe zu schlagen . Alle , die dem Vortrage dieser Ballade gefolgt waren , entsetzten sich über die den Seeräubern angetane Marter , ganz übersehend , daß es nur das abenteuerlich Neue , das grotesk Ungewöhnliche war , was sie so stark beeinflußte , während das , was sich tagtäglich um sie her zutrug , verhältnismäßig wenig beachtet wurde , nicht weil es des Schrecklichen , wohl aber weil es des Grotesken und Abenteuerlichen entbehrte . Dessen war die Belagerung , Erstürmung und » Auspochung « des nur fünf Meilen von Quitzöwel gelegenen Rathenow ein gerade damals geführter sprechender Beweis . Wusterwitz berichtet darüber : » Um eben diese Zeit aber war es , daß von Seiten des persönlich abwesenden Erzbischofs Albrecht zu Magdeburg , des Fürsten Sigismund zu Anhalt und des Herrn Johann , Grafen zu Querfurt , die Stadt Rathenow , deren Mauern übel verwahret waren ( dabei ganz der mehr als muthmaßlichen Verrätherei des Johann von Tresckow zu geschweigen ) überfallen und eingenommen wurde . Worauf denn von den Kriegsgurgeln großer Uebermuth mit Verunehrung ehrlicher Frauen und Jungfrauen und viel andere Bosheit begangen worden ist . Bald nach Einnahme der Stadt aber haben alle Bürgersleute dem noch in Magdeburg weilenden Herrn Erzbischof – der ihnen mittlerweile den Friedrich von Alvensleben zum Hauptmann verordnet hatte – schwören und huldigen müssen . Und nunmehro , nach geschehener Huldigung , als die sich sicher fühlenden armen Leute das hervorgeholt , was sie bis dahin versteckt hatten , hat Fürst Sigismund von Anhalt in Abwesenheit des Erzbischofs , aber nicht ohne seinen Rath und Willen , ein öffentliches Gebot ausgehen lassen , daß jeder Bürger , der den Eid geleistet und durch seinen Eid in Pflicht genommen sei , mit Waff und Wehr dem Erzbischof auf seinem Wege nach Rathenow entgegen ziehen solle , weil er ( der Erzbischof ) fürchte , von märkischem Kriegsvolk unterwegs überfallen zu werden . Und als nach diesem Gebote verfahren worden und die mit Waff und Wehr Ausgerüsteten aus dem Stadtthore heraus waren , hat man das Thor hinter ihnen geschlossen und keinen wieder zur Stadt hineingelassen , ja man hat ihnen ihre Weiber und Kinder nachgetrieben und alle stracks von Rathenow hinwegziehen heißen . Ach , da hat man ein großes Jammern und viel Wehklage gehört , denn nicht nur Betagte , sondern auch Kranke sind mit ihren Kindern in den harten und kalten Winter hinausgestoßen worden . Und keinem Hungrigen ist ein Bißlein Brot und keinem Durstigen ein Tränklein Wasser geworden ; und so sind die Meisten verblichen und nur wenige haben sich durchgeschlagen und Freunde gefunden zu Trost und Hülfe . Mit eins aber ist der Herr Erzbischof , wie man lange voraus verkündigt hatte , wirklich in die Stadt Rathenow gekommen und was noch von Essen und Trinken übrig gewesen ist , das ist aufgegessen und ausgetrunken und zuletzt aus den leeren Fässern ein großes Freudenfeuer gemacht worden . Und des Herrn Markgrafen zu Brandenburg Wappen hat man besudelt und mit Hohn und Schmach von allen Tafeln gelöschet . « Das waren Elendsbilder aus der nächsten Nähe der Burg , und wenn das Bild der in die Schiffstonnen eingesetzten Vitalienbrüder